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Bitterer Nachgeschmack PDF Drucken E-Mail
Religionsfreiheit - Christenverfolgung
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 28. März 2006 um 11:30 Uhr

Abdul Rahman ist frei - so kann man es jetzt lesen.

Doch aufatmen kann man nicht, und ein bitterer Nachgeschmack bleibt.

Das Problem bleibt bestehen: In Afghanistan können Menschen, die den Islam verlassen und beispielsweise zum christlichen Glauben konvertieren, angeklagt und vor Gericht gestellt werden. Und ihnen bleibt scheinbar keine andere Lösung, als daß man sie für "unzurechnungsfähig" erklärt. 

Abdul Rahman mag frei sein - derzeit befindet er sich im Justizministerium in "Schutzhaft" -, und er wird wohl in Bälde abgeschoben werden. Aber was droht dem nächsten Afghanen, der den Islam verlassen will oder dessen Apostasie den Behörden bekannt wird?

Abdul Rahman mag frei sein, doch seinen Glauben kann er in Afghanistan nicht frei leben, wie es keiner der afghanischen Christen kann.

Die Behauptung, Abdul Rahman sei nicht zurechnungsfähig gewesen, als er vom Islam zum christlichen Glauben konvertierte,entspricht dagegen wieder einmal einem in Teilen der islamischen Welt weit verbreiteten Vorurteil: Eine solche Entscheidung ist irgendwie immer Folge einer geistigen Verwirrung, der christliche Glaube mithin Ausdruck einer geistigen Störung. Viele Muslime werten sowohl die Abkehr vom Islam und die Zuwendung zum christlichen Glauben als "unvernünftig" als auch den christlichen Glauben selbst mit seiner Trinitätslehre als Ausbund der Unvernunft. Der christliche Glaube gilt vielen als durch zahlreiche "Verfälschungen" als so unvernünftig, daß kein geistig normaler Mensch daran glauben könne. Die Entscheidung aus Kabul zeugt von diesem beleidigenden Verständnis und nährt es zugleich.

Die meisten Menschen im Westen und auch die meisten abendländischen Kirchenvertreter werden freilich nur voller Dank für die Freilassung von Abdul Rahman sein und die Toleranz des afghanischen Staatsislam loben - und mit dieser Einstellung letztlich das Vorurteil vom "unvernünftigen Christentum" stärken. Mit der Hinnahme der Unzurechnungsfähigkeitserklärung haben sie in den Augen mancher Muslime bewiesen, daß der christliche Glaube unvernünftig ist und somit jede Hinwendung zu diesem nur Ausdruck einer geistigen Störung sein kann.

Aber irgendwie ist es ja auch ein Zeichen von Unzurechnungsfähigkeit, wenn wir nicht gegen diese Beleidigung protestieren. Vielleicht ist es ja auch ein Zeichen einer geistigen oder eher geistlichen Störung, daß wir Mission und Konversion skeptisch begegnen. 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 13:38 Uhr
 
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