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Fragen der Missionierung klären PDF Drucken E-Mail
Religionsfreiheit - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 17. November 2005 um 11:40 Uhr

Christliche Theologen mahnen einen christlich-islamischen Dialog über Fragen der Missionen und der Konversionen an

Wien/Österreich (www.molthagen.de, 17.11.2005, mm) Wie die österreichische katholische Nachrichtenagentur kath.net gestern berichtete, nahmen an der kürzlich zu Ende gegangenen internationalen Islam-Konferenz in Wien zum Thema "Islam in einer pluralistischen Welt" auch christliche Theologen teil, so etwa der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I, das Oberhaupt der Weltorthodoxie.

Der Patriarch habe auf Mißstände in Fragen der Religionsfreiheit für Christen in islamischen Ländern hingewiesen: "Religionsfreiheit existiert bestenfalls auf dem Papier". Weiter habe er erklärt, "die Lage der Christen in manchen muslimischen Ländern sei unsicher und müsse 'wesentlich verbessert werden, sodass die Christen und andere Minderheiten die gleichen Rechte und Möglichkeiten genießen wie die Muslime in christlichen Ländern'". 

Zugleich betonte der Patriarch, daß die Wurzeln für die Konflikte zwischen Muslimen und Christen nicht im Glauben, sondern in der Politik lägen: "Religion sei im Laufe der Geschichte häufig politisch dazu missbraucht worden, Feindschaft zu säen und Menschen zu Intoleranz und Fanatismus anzustacheln". Seiner Meinung nach "sei auch die heute weit verbreitete Theorie vom Zusammenprall der Kulturen ('clash of civilizations') insofern falsch, als sie sich auf Religion als Grund für einen solchen Konflikt beruft".

Der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, bezeichnete dem Bericht zufolge sowohl das Christentum als auch den Islam als "missionarische Religionen", die mit ihren missionarischen Aufträgen so umgehen müßten, "dass wir ihm einerseits nicht untreu werden, andererseits aber seine Kompatibilität mit den Anforderungen einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft erweisen". Über Fragen der Missionen sei ein klärender Dialog zwischen Christen und Muslimen erforderlich. Dabei sei zu fragen, was im Sinne Jesu und im Sinne des Koran Mission sei, wie man zur Gewissens- und Religionsfreiheit stünde und wie sich Missionen auf die Herausforderung einer pluralistischen Welt einstellten. Bei einem Dialog über die Fragen der Mission müßten auch gegenseitige Sorgen "offen auf den Tisch" gelegt werden, Gefahren der Intoleranz und der Verletzung der Religionsfreiheit offen benannt "und zum Gegenstand gemeinsamer Korrekturbemühungen" gemacht werden.

Darüber hinaus müßten nach Überzeugung des Kardinals auch Fragen des "Proselytismus" geklärt werden, "der 'Abwerbung' von Gläubigen".

Der Wiener Erzbischof spricht damit Fragen an, die im christlich-islamischen Dialog schon zu lange ignoriert oder gar verdrängt werden, obschon sie zunehmend drängender werden. Doch schon 1976 hatten Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen und des Muslimischen Weltkongresses in Chambésy (Schweiz) gemeinsam formuliert, daß "Muslime und Christen das uneingeschränkte Recht haben müssen, zu überzeugen und überzeugt zu werden und ihres Glaubens [ausgefallene Textstelle; vielleicht gewiß o.ä. - MM] zu leben sowie ihr religiöses Leben so zu ordnen, daß es mit ihren jeweiligen religiösen Pflichten und Prinzipien übereinstimmt" (zitiert nach der Schrift "Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland, Gütersloh 2000). Nach fast 30 Jahren hat diese gemeinsame Erklärung bisher jedoch kaum praktische Bedeutung erlangt: Zu oft noch gibt es hier zum Teil massive Beschränkungen und damit schwerwiegende Verletzungen der Religionsfreiheit.

Im christlich-islamischen Dialog ist das offene und klärende Gespräch über Fragen der Missionen und der Konversionen jedenfalls überfällig, und zwar auf allen Ebenen: In Deutschland und Österreich, in Europa, weltweit. Missverständnisse, Ängste und Vorurteile müssen diskutiert, Lösungen müssen gefunden werden. Christen wie Muslime müssen das gegenseitige Recht auf Missionierung wie auf Konversionen anerkennen, dürfen Einschränkungen nicht hinnehmen.

Missionen und Konversionen sind ebenso Realität wie auch Verfolgung von Missionaren und Konvertiten. Es ist nun an der Zeit, daß der Dialog mit der Realität Schritt hält und nicht lahm hinterherhinkt oder den Kopf in den Sand steckt.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 14:08 Uhr
 
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