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Seite 1 von 4 Die Prosopagnosie (oder Prosopagnosia) ist ein zwar recht unbekanntes,
aber vermutlich weit verbreitetes neurologisches Phänomen, an der
möglicherweise bis zu 2 % der Bevölkerung (und freilich auch der
Mitglieder aller christlicher Kirchen und Gemeinden) leiden. Es handelt
sich dabei um eine sog. "Teilleistungsschwäche des Gehirns", die als
medizinische Einheit bekannt ist und etwa vom bekannten klinischen
Wörterbuch Pschyrembel als "Form der optischen Agnosie" beschrieben
wird, "bei der ein Gesicht zwar als solches, jedoch nicht als das einer
best. Person erkannt werden kann".
Hinzu kommt, daß - um die sehr gute Erklärung des Pschyrembel für
eine wichtige Ergänzung anzupassen - ein Prosopagnostiker einen
Gesichtsausdruck zwar als solchen, aber nicht als eines bestimmten
Gefühls - Freude, Trauer, Lachen, Weinen... - erkennen kann. Er kann
also nicht erkennen, was ein Gesichtsausdruck bedeutet.
Dabei gibt es verschiedene Schweregrade des Nichterkennens sowohl
des Gesichtes als das einer bestimmten Person als auch des Ausdrucks
als das eines bestimmten Gefühls, wobei der Schweregrad bei einer
Person jeweils verschieden sein kann. Die
Prosopagnosia hat also nur ein einziges Symptom, das ihr dann auch den
etwas irreführenden deutschen Namen "Gesichtsblindheit" gibt: Wie
andere Personen etwa für Farben oder Formen blind sind, so sind
Prosopagnostiker "blind" für Gesichter. Sie sehen sie, können damit
aber nicht sonderlich viel anfangen - oder auch gar nichts. Weitere
Fähigkeiten des Gehirns und seine allgemeine Leistungsfähigkeit sind
von der Prosopagnosia nach dem heutigen Stand der neurologischen
Forschung nicht betroffen.
Die Dame links oben ist den meisten von Ihnen bekannt - aber
erkennen Sie sie? Sie sehen jedenfalls nicht sehr viel mehr von ihr,
als ein Prosopagnostiker dies tut; denn das Gesicht ist verwischt,
nicht mehr zu erkennen. Die
Mehrheit erkennt das jeweilige Gegenüber am Gesicht, vor allem an den
Augen. Diese Fähigkeit ist ein wahres Wunder - das Altern des
Gesichtes, selbst Falten, stören die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen,
ebenso wenig wie eine ausdruckstarke Mimik. Wenn Sie
"Raumschiff Enterprise" kennen, erkennen Sie nun auch die Dame von
oben, obwohl
sie viel weniger zu sehen bekommen und obwohl Nichelle Nichols auf
diesem Bild schon sehr viel
älter ist als zur Drehzeit der TV-Serie. Ein Prosopagnostiker jedoch
würde die Dame
auf dem Bild rechts nicht erkennen. Nicht einmal, wenn er ein sehr
großer Fan von ihr
wäre.
Im Gegenzug können viele Prosopagnostiker sehr gut sowohl Stimmen
wie auch Bewegungsmuster erkennen und sich merken, oder solche
Auffälligkeiten wie Frisuren, Brillen,
Schmuck, Tätowierungen usw. Daran, und nicht oder nur in geringem Maße
an den Gesichtern, erkennen wir die Menschen, mit denen wir zu tun
haben - selbst unsere besten Freude, unsere Verwandten, unsere
Ehepartner, Kinder, Eltern. Es hilft auch, eine Person in einer vertrauten Umgebung zu sehen - die
oben noch unmöglich zu erkennende Dame wird nun von den meisten erkannt werden, auch wenn
ihr Gesicht immer noch nicht zu erkennen ist. Aber eine dunkelhäutige Frau in einer kurzen
roten Uniform an einer futuristischen Station ist nicht nur Trekkies als "Lieutenant
Uhura" wohlbekannt. Auch ein mit "Star Trek" vertrauter Prosopagnostiker wird
sie so erkennen.
Für
einen Prosopagnostiker trägt jeder Mensch einen unsichtbaren
Gesichtsschleier. Wir könnten ebenso gut in einem streng islamischen
Land wie Saudi-Arabien, Pakistan oder Afghanistan leben, wo alle Frauen
- oder bei den Tuareg die Männer - tief verschleiert sind - es würde
für uns keinen Unterschied machen.
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