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Eine seit Mai im Internet - und etwa seit zwei Monaten auch in deutscher Sprache - verbreitete frei erfundene Horrorgeschichte beunruhigt Muslime, zumeist junge Mädchen und Mütter. Seit kurzem kursiert die Meldung auch per SMS, etwa unter muslimischen Schülern.
Das Schauermärchen mißbraucht ein Kunstwerk namens "The Leather Landscape" aus dem Projekt "We Are Family" der australischen Künstlerin Patricia Piccinini aus dem Jahre 2003, von dem ein Ausschnitt sowohl im Internet als auch per SMS gezeigt wird, ohne daß dabei die Quelle genannt wird. Teil dieses Kunstwerkes ist ein monströs aussehendes Wesen (siehe das Bild links oben, wie es derzeit verbreitet wird, und diesen Link zur Home Page des Projektes).
Das Bild, so heißt es in dem weit verbreiteten Horrormärchen, zeige ein "ungehorsames" muslimisches Mädchen, das sehr laut Musik hörte, während seine Mutter den Koran lesen wollte. Sie bat ihre Tochter, die Musik leiser zu stellen, damit sie den Koran ungestört lesen könne, doch statt dessen habe das Mädchen den Koran geschändet - daraufhin habe sich das Mädchen in ein Tier verwandelt, eben jenes Monster. Das Mädchen werde nun in einem Krankenhaus versteckt gehalten. - Diese Erzählung variiert manchmal ein wenig, aber die Handlung ist stets die gleiche: Ein Mädchen schändet den Koran, und Gott bestraft es, indem er es in ein monströses Tierwesen verwandelt. So gehört denn auch die Warnung zu dieser Erzählung: Wer den Koran schändet, muß damit rechnen, daß es ihm so ergeht wie diesem Mädchen.
Viele junge Muslime und Frauen in der islamischen Welt und auch in Deutschland, so heißt es in verschiedenen Berichten über diesen Vorfall, glaubten diese Geschichte - sowohl junge Mädchen, die Angst haben, auch so verwandelt zu werden, wenn sie den Koran nicht ehren, und Mütter, die entsprechend Angst um ihre Töchter haben. Damit steigt der Druck auf junge Mädchen, den Koran ehrenvoll zu behandeln, ohne daß sie wirklich mit dem Herzen dabei wären - ihre eigene Angst oder die ihrer besorgten Mütter treibt sie dazu.
Die Künsterlin Patricia Piccinini distanziert sich von dieser Horrorgeschichte, für die ihr Kunstwerk herhalten mußte. Es ist unbekannt, wer diese Horrormeldung in Umlauf gesetzt hat.
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