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Das ist nicht neu: Der Papst sei schuld an AIDS. Da stellt man auch gerne einmal Strafanzeige, etwa zum Besuch von Benedikt XVI. 2006 in Deutschland. Wegen Kondomverbot und so würden nämlich Tausende und Abertausende Afrikaner an AIDS erkranken.
Ja, es erkranken sehr viele Afrikaner an AIDS, sterben daran, durch AIDS werden Kinder zu Waisen. AIDS ist eine schreckliche Tragödie in Afrika - und freilich auch anderswo.
Wie kann da der Papst Kondome verbieten? Ebnet er damit nicht dem HI-Virus, der Krankheit AIDS den Weg? Ist er nicht verantwortlich für viele Tote, darunter auch Kinder, und Waisen, die durch AIDS ihre Eltern verloren haben?
Ich erinnere mich an mehrere Untersuchungen, nach denen gerade dort, wo es viele AIDS-Kranke gibt, die katholische Kirche oft keinen überwältigenden Einfluß besitzt, die Menschen eher nicht auf den Papst hören. Regionen Afrikas mit vielen Katholiken, die dann auch noch auf den Papst hören, wiesen weniger AIDS-Erkrankungen auf als andere.
Zudem schützt allein die weite Verbreitung von Kondomen in einer Region - beispielsweise dem südlichen Afrika - nicht davor, daß diese viele AIDS-Erkrankungen aufweist; denn Kondome sind kein hundertprozentiger Schutz vor einer Infektion, verführen eher zur Leichtfertigkeit.
Zuletzt: Die weite Verbreitung von AIDS in Afrika ist nicht nur, aber zu einem großen Teil auf Prostitution und Ehebruch zurückzuführen. Warum sollten sich Prostitutierte, Freier und Ehebrecher plötzlich bemüßigt fühlen, auf das Wort des Papstes hin auf Kondome zu verzichten, wenn des gleichen Papstes Worte zu Prostitution und Ehebruch sie schon nicht berührt? Das wäre schon eine seltsame Haltung: Ja zum päpstlichen Kondomverbot, nein zum Verbot von Unzucht und Hurerei.
Mehr Schutz als nur die Verwendung von Kondomen bietet ein als ABC-Programm bekanntes Projekt in Uganda: Abstinence - Be Faithful - Condomize, also erstens Enthaltsamkeit bzw. Abstinenz, zweitens eheliche Treue und drittens - wenn die beiden ersten Punkte nicht befolgt werden - Kondome. Dieses Programm konnte die Infektionsrate in Uganda erheblich senken - stärker als allein die Verbreitung von Kondomen.
Letzten Endes hilft wirklich nur das gegen die sexuelle Übertragung von AIDS: Enthaltsamkeit von Unverheirateten, Treue von Eheleuten - und dort, wo Ledige nicht enthaltsam und Verheiratete nicht treu sein wollen, das Kondon verwenden - oder ein Ehepartner stark gefährdet, HIV-positiv oder gar an AIDS erkrankt ist.
Links:
Buch-Tipp:
Afrikanische Länder mit den höchsten HIV/AIDS-Raten (15 - 50 %):
(In Klammern Anteil der Katholiken an der Bevölkerung)
- Swasiland: 42 % (4,74 %)
- Simbabwe: 35 % (8,74 %)
- Lesotho: 29 % (36,05 %)
- Botswana: 21 % (3,7 %)
- Südafrika: 20 % (8,35 %)
- Namibia: 20 % (15,93 %)
- Sambia: 16 % (33,48 %)
In "richtig" katholischen Ländern liegt dagegen die HIV/AIDS-Rate niedriger als in diesen südafrikanischen Ländern, Latein- und Südamerika (ohne Haiti), Europa (ohne die protestantischen Länder im Norden)
Man vergleiche einmal bei Wikipedia die Karte der Weltreligionen mit der Karte der AIDS-Epidemie - es gibt keine Deckungsgleichheit zwischen hauptsächlich katholischen Gebieten und den hauptsächlich von HIV/AIDS heimgesuchten Ländern, nicht einmal annähernd.
In den 7 Ländern, die am schwersten von AIDS heimgesucht werden, leiden durchschnittlich 26,1 % der Menschen an HIV/AIDS, doch durchschnittlich sind nur 15,9 % der Menschen dort katholisch*. Diese Länder sind tatsächlich mehrheitlich protestantisch geprägt.
Vielleicht würden diese Länder und die dort lebenden Menschen tatsächlich nicht so schwer unter HIV/AIDS leiden, wären sie stärker katholisch geprägt.
(* Diese Durschnittswerte sind alles andere als genau, da ich einfach nur die jeweiligen Länderwerte addiert und dann durch 7 geteilt habe - tatsächlich dürfte der HIV/AIDS-Anteil höher und der Katholiken-Anteil geringer sein.)
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