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Es ist eine alte Debatte, doch in jüngster Zeit gewinnt sie wieder an Bedeutung, vor allem im Rahmen der Frage, ob an den Schulen nur die Evolutionstheorie gelehrt werden soll oder auch - oder gar an ihrer Stelle - die Schöpfungslehre. Auch der Begriff "Intelligentes Design" wird häufiger ins Spiel gebracht.
Besorgniserregend erscheint es mir, daß der Ton zwischen den Befürwortern der verschiedenen Theorien schärfer, unsachlicher und unfairer wird. Christliche Befürworter des Schöpfungsglaubens werden mit den Taliban und der Al-Qaida in einen Topf geworfen, die Befürworter der Evolutionstheorie werden für den Sozialdarwinismus, den Rassenwahn, die verkommenen Sitten, hohe Abtreibungszahlen und dergleichen mehr verantwortlich gemacht und natürlich auch für die Abwendung vom christlichen Glauben.
Mein persönlicher Eindruck ist, daß viele Vertreter der verschiedenen Positionen sich ihrer Sache (das heißt ihres weltanschaulichen Hintergrundes) alles andere als sicher sind. Nur so läßt sich der zunehmend schärfere Ton erklären. Ob eine Position hierbei besonders hervorzuheben ist, möchte ich nicht beurteilen.
Persönlich bin ich übrigens überzeugt, daß die beiden Alternativen zur Evolutionstheorie, der Kreationismus und die "Intelligent Design"-Bewegung, aus naturwissenschaftlicher und aus theologischer Sicht unhaltbar sind. Es sind eigentlich keine Alternativen, da es keine naturwissenschaftlich fundierten Modelle seitens ihrer Vertreter gibt (Ausnahmen bestätigen die Regel), sondern man sich weithin damit begnügt, die naturwissenschaftliche Basis der Evolutionstheorie zu bezweifeln und auf ihre Lücken hinzuweisen. Das reicht aber für eine ernstzunehmende Alternative bei weitem nicht aus. Theologisch berachtet sind diese beiden angeblichen Alternativen Sackgassen, die ein Gottesbild und eine Weltanschauung fördern, die mit dem christlichen Glauben m.E. nicht zu vereinbaren sind.
An den Schulen - egal ob öffentliche oder Bekenntnisschulen - sollte, so meine ich des weiteren, allein die Evolutionstheorie gelehrt werden. Der Kreationismus und das Intelligente Design dagegen haben meiner Überzeugung nach weder im Biologie- noch im Religionsunterricht etwas zu suchen, allenfalls ihre Unsinnigkeit sollte sowohl aus physikalischer, geologischer und biologischer als auch aus theologischer Sicht behandelt werden.
Woher kommen wir?
Bei der Frage "Schöpfung oder Evolution?" dreht sich ja erst einmal alles darum, wo wir herkommen. Ist der Mensch Teil der Schöpfung und selbst geschaffenes Wesen, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes, oder ist die ganze Natur einschließlich des Menschen nur ein Produkt des Zufalls? Steht hinter der Natur im Allgemeinen und dem Menschen ein intelligentes Design, ein schöpferisches Bewußtsein - oder nur eine ungeheure Zahl von Zufällen, die nicht letztlich, sondern als derzeitigen Höhepunkt zum modernen Menschen, dem Homo sapiens sapiens, geführt haben?
Persönlich glaube ich, daß die Frage sowohl aus naturwissenschaftlicher wie auch aus theologischer Sicht beantwortet ist, und die Antworten fallen deutlich zugunsten der Evolutionstheorie aus.
Aber ebenso glaube ich, daß es gar nicht so entscheidend ist, wo wir denn nun herkommen. Entscheidend ist, wer wir denn eigentlich sind und wohin wir gehen.
Wer sind wir?
Glauben wir den Evolutionstheoretikern, so sind wir nichts weiter als Tiere. Vernunftbegabt, aber doch Tiere. Glauben wir den Kreationisten, so sind wir eher Engel als Tiere.
Ich persönlich würde den Menschen auf einer Skala zwischen "Tier" und "Engel" einordnen. Alles, was an uns irgendwie meßbar ist, das ist evolutionär entstanden, wohl bis hin zu einem wie auch immer gearteten "Gotteszentrum" im Gehirn. Soweit man es messen kann, war im Anfang der Urknall. Aber ich glaube auch, daß da ein freilich nicht meßbarer "göttlicher Funken" ist - im Anfang schuf Gott eine lebendige Seele.
Was wir denken, sagen, tun führt uns direkt zu einem Punkt auf der Skala zwischen "Tier" und "Engel". Wir sind, was wir sind. Und wichtiger als die Frage, wo wir herkommen, ist auf jeden Fall die Frage, die sich jeder Mensch stellen muß: Wer bin ich? Was bin ich? Auf einer Skala zwischen "Tier" auf der einen und "Engel" auf der anderen Seite - wo stehe ich da? Wir sind nicht nur biologische Wesen, wir sind sittliche Wesen, ethische Wesen. Ist unsere Sittlichkeit nun tierisch oder engelisch? Welchen Wert hat unsere Ethik? Das ist eine Frage, die sich jeder Mensch selbst beantworten muß. Und ich glaube, diese Frage ist - bei aller Bedeutung der Evolutionstheorie - wichtiger als die Frage, wo wir herkommen.
Wo gehen wir hin?
Egal ob wir nun Produkte des "Zufalls" (genauer gesagt eines durch viele natürliche Faktoren gesteuerten und geregelten Zufalls) sind und von Tieren abstammen oder ob wir Geschöpfe Gottes sind - wohin geht unser Wesen? Sind wir mit dem, was wir sind, zufrieden? Hat unser Leben Wert? Wollen wir unsere Zukunft vom Zufall bestimmen lassen oder schöpferisch eingreifen? Wir sind schöpferisch begabt, das steht außer Zweifel. Wir haben darum auch die Chance, schöpferisch auf unser Leben, auf unseren weiteren Weg einzugreifen. Alles dem Zufall zu überlassen, läßt ungeheure Ressourcen ungenutzt verrotten. Mit unserem Leben schöpferisch tätig zu werden, eröffnet uns ungeahnte Möglichkeiten.
Doch viele Menschen scheitern auf diesem Weg. Sie stellen fest: Ihre Möglichkeiten, schöpferisch ihren Lebensweg zu gestalten, sind begrenzt. Wir sehnen uns nach Veränderung in unserem Leben, danach, daß Neues entsteht, daß alles neu wird. Doch zu bald stoßen wir an unsere Grenzen. "Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach". In der Spannung zwischen "Tier" und "Engel" bleiben wir bei aller schöpferischen Mühe doch oft beim "Bengel" stecken.
Was wir brauchen, ist eine Neuschöpfung. Wie die aussehen kann und soll, hat uns Jesus Christus vorgelebt. Christen glauben, daß er der Schöpfer ist. Aber wichtiger ist: Er ist auch der Neu-Schöpfer. Er schafft Neues. Sich auf Jesus einzulassen bedeutet, die Grenzen unseres schöpferischen Potentials zu überwinden. Wo wir begrenzt sind und es nicht weiter als bis zum "Bengel" bringen, ermöglicht Jesus uns wirkliche Veränderung in unserem Leben.
Wer erkennt, daß er es aus eigener Kraft nicht weiter als bis zum "Bengel" bringt, und doch mehr will, für den hält Jesus ein neues Leben bereit.
Aber dieses neue Leben setzt voraus, daß man sich Jesus ganz hingibt. Das neue Leben, das Jesus bereithält, kann nicht nur als eine Art Lebensergänzung in unser altes Leben hineinkommen. Das neue Leben gibt es nur dort, wo man sich ganz Jesus anvertraut - "sei ganz sein, oder laß es ganz sein" lautet das Motto für das neue Leben. Das neue Leben, das Jesus für uns bereithält, gibt es nur im Austausch gegen das alte Leben. Jesus will kein Flickwerk sein und auch nicht nur neuer Wein in alten Schläuchen - Jesus will alles neu machen.
Wenn Sie Christ sind und sich in die Debatte Schöpfung vs. Evolution einbringen, möchte ich Sie ermuntern, Ihr Engagement lieber daran zu hängen, wer wir sind und wo wir hingehen als daran, wo wir herkommen. Halten Sie sich das Beispiel Jesu vor Augen und richten Sie Ihr Leben danach aus. Lassen Sie zu, daß Jesus Neues in Ihrem Leben schafft, Veränderungen bewirkt, Ihnen alles das zufallen läßt, was er für Sie bereit hält. Und seien Sie darüber hinaus Mit-Schöpfer Jesu. Gott gibt den Jüngerinnen und Jüngern Jesu Anteil an seinem Schöpferwirken. Wir dürfen Anteil daran haben, daß im Leben von Menschen Neues geschieht, durch Bekehrung, Heiligung, Nachfolge. Sich hier mit-schöpferisch einzubringen ist unendlich viel wichtiger als jedes Engagement in der Debatte Schöpfung vs. Evolution. Statt über Schöpfung zu debattieren, seien Sie lieber Mit-Schöpfer Gottes.
Wenn Sie sich danach sehnen, daß in Ihrem Leben alles neu wird, daß Sie mehr sein können als nur ein "Bengel", wenn Sie sich nach einer Neuschöpfung Ihres Lebens sehnen, dann lade ich Sie ein, das Gespräch mit einem Pfarrer zu suchen. In einem Gespräch kann eine Pfarrerin oder ein Pfarrer Ihnen zeigen, wie Jesus Ihr Leben neu machen kann.
Buchempfehlungen:
"Und Gott schuf Darwins Welt - Der Streit um Kreationismus, Evolution und Intelligentes Design" von Dr. Hansjörg Hemminger (Brunnen Verlag, Gießen, 2009)
"Naturwissenschaft und Glaube im Gespräch - 2 Wege, die Welt zu entdecken" von Dr. Thomas Millack (Oncken Verlag, Kassel, 2009)
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