Social Bookmarks

Add to: Mr. Wong Add to: Webnews Add to: Icio Add to: Oneview Add to:  FAV!T Social Bookmarking Add to: Favoriten.de Add to: Seekxl Add to: Social Bookmark Portal Add to: BoniTrust Add to: Power-Oldie Add to: Bookmarks.cc Add to: Newskick Add to: Newsider Add to: Linksilo Add to: Readster Add to: Yigg Add to: Linkarena Add to: Simpy Add to: Netvouz Add to: Folkd Add to: Spurl Add to: Google Add to: Blinklist Information
Social Bookmarking
718907

Alte Inhalte

Diese Inhalte werden nicht mehr gepflegt, sondern sind archiviert.

Bitte betrachten Sie diese Inhalte als "historische Dokumente", nicht als aktuelle Äußerungen der jeweiligen Verfasser (es sei denn, der jeweilige Verfasser verweist in einem aktuellen Artikel auf einen dieser archivierten Inhalte, ohne den Inhalt als nicht mehr aktuell zu bezeichnen).

Soweit es um die Kopftuch- und Schleierdebatte geht, finden Sie aktuelle Inhalte auf unserer Webseite  www.Burkaverbot.de.

Gottes Mitarbeiter PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - Andachten und Predigten
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 12. August 2008 um 11:37 Uhr

Predigt am 12. Sonntag nach Trinitatis zu 1. Korinther 3,9-15

Gehalten am 10. August 2008 in der Martin-Luther-King-Kirche (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde - Baptisten) Stuttgart-Zuffenhausen

Predigttext

(9) Wir sind also Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerland. Oder mit einem anderen Bild: Ihr seid Gottes Bau.

(10) Nach dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, habe ich wie ein umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt. Andere bauen nun darauf weiter. Aber jeder soll sehen, wie er weiterbaut!

(11) Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.

(12-13) Es wird auch nicht verborgen bleiben, was jemand darauf baut, ob Gold, Silber oder wertvolle Steine, ob Holz, Schilf oder Stroh. Am Tag des Gerichts wird sich erweisen, ob es Bestand hat. Dann wird die Feuerprobe gemacht: Das Werk eines jeden wird im Feuer auf seinen Wert geprüft.

(14) Wenn das, was ein Mensch gebaut hat, die Probe besteht, wird er belohnt.

(15) Wenn es verbrennt, wird er bestraft. Er selbst wird zwar gerettet, aber so, wie jemand gerade noch aus dem Feuer gerissen wird.

Gute Nachricht Bibel

Predigt

Liebe Gemeinde,

die in der Perikopenreihe zu diesem 12. Sonntag nach Trinitatis vorgeschlagenen Predigttexte stehen unter der Überschrift „Die große Krankenheilung – Heilsame Umkehr“. Da geht es etwa um die von Markus berichtete Heilung eines Taubstummen beziehungsweise eines Blinden, aber auch um Themen, die oberflächlich eher wenig mit Krankenheilung zu tun haben, so die Berufung des Paulus und heute eben um Gottes Mitarbeiter. In unserem Predigttext stehen sich zwei Parteien gegenüber: Auf der einen Seite die Apostel als die Mitarbeiter Gottes, auf der anderen die Gemeinde als Gottes Ackerland oder Gottes Bau. Unserem baptistischen Selbstverständnis ist diese strenge Einteilung und exakte Unterscheidung in „Kleriker“ und „Laien“ vollkommen fremd. Wir halten die evangelische Lehre vom allgemeinen Priestertum hoch und erinnern uns, daß Johann Gerhard Oncken sagte, daß jeder Baptist ein Missionar sein solle. Baptistengemeinden leben davon, daß es eben nicht oben drüber oder vorne weg die Mitarbeiter gibt und dahinter oder darunter die Mitglieder der Gemeinde, sondern daß wir alle miteinander Mitarbeiter Gottes sind. Darüber hinaus steht es bei uns auch fest, daß die Pastorinnen und Pastoren eben auch einfache Gemeindemitglieder sind, Gottes Ackerland und Gottes Bau.

Bei uns Baptisten steht also nicht von vornherein unumstößlich fest, wer jeweils wo steht, ob auf der Seite der Mitarbeiter oder auf der Seite des Ackerlandes, des Baus. Je nach unseren Begabungen und je nach Situation und je nach Beauftragung nehmen wir einmal die eine Stellung ein, dann die andere. Darum spricht dieser Predigttext über Gottes Mitarbeiter und Gottes Ackerland uns in all seinen Facetten an.

Daß wir alle miteinander Gottes Mitarbeiter sind, paßt auch besser in das große Bild der Gemeinde Jesu, das uns das Neue Testament vor Augen malt. Daß Paulus in unserem Predigttext so streng unterscheidet zwischen Gottes Mitarbeitern und Gottes Ackerland, hat mit den Begebenheiten in Korinth zu tun. Zu Beginn des 3. Kapitels – in den acht Versen vor unserem Predigttext – muß sich Paulus beklagen, daß die Gemeinde noch nicht reif ist, die Ursache für die Unreife ist ein Personenkult, den Paulus darauf zurückführt, daß die Korinther im Glauben noch Kinder sind, die bildlich gesprochen noch keine feste Nahrung vertragen, sondern nur Milch. Sie haben miteinander rivalisiert und gestritten, nicht aus dem Geist Gottes gelebt, sondern sind ihrer selbstsüchtigen Natur gefolgt, einige haben sich zu dem Apostel Paulus gehalten, andere zu seinem Kollegen Apollos. Paulus macht klar: Sie beide, Paulus und Apollos, arbeiten aber am gleichen Werk, das eigentlich das Werk Gottes ist, auf ihn kommt nämlich alles an. Die geistlichen Kinder in der Christengemeinde von Korinth waren noch nicht so weit, daß sie selbst wirklich Mitarbeiter Gottes sein konnten. Sie brauchten noch die Arbeit von Paulus und Apollos, um reif zu werden.

Liebe Gemeinde,

auch wir brauchen hier und da die Boten Gottes, wo wir noch nicht reif sind, vor allem dort, wo wir uns eher von einer selbstsüchtigen Natur leiten lassen als vom Geist Gottes, wo wir miteinander rivalisieren und untereinander streiten. Wir leben noch nicht in der Vollkommenheit, wir sind in diesem Bereich Gottes Ackerfeld, Gottes Bau, und wir brauchen Gottes Mitarbeiter, die uns mit ihren Gaben helfen. Einige Verse vor unsrem Predigttext schreibt Paulus, daß jeder Mitarbeiter seine besondere Aufgabe von Gott bekommen hat. In Korinth war es so, daß Gott Paulus beauftragt hat, zu pflanzen, Apollos dagegen, zu begießen. Paulus hat die Gemeinde in Korinth gegründet, Apollos hat danach das Wachstum der Gemeinde verantwortet. Paulus spricht von „pflanzen“ und „begießen“ auch deswegen, weil selbst der fähigste Mitarbeiter in der Gemeinde eben nur pflanzen oder gießen kann, Gott aber das Wachstum schenkt. Darum verbietet sich jeder Personenkult, jede besondere Hervorhebung eines Mitarbeiters Gottes. Für Paulus sind auch die großen Boten Gottes „nichts“, vermögen sie nichts auszurichten, nur der wachsen lassende Gott ist „etwas“, ja, er ist die Ursache des Glaubens. Nur in ihrer Verbindung mit dem Herrn Jesus sind auch seine Boten etwas, haben sie ihre Bedeutung.

In jeder Gemeinde gibt es Mitarbeiter, die pflanzen und solche, die gießen. Paulus sagt, sie seien eins. Niemand vermag zu sagen, wer die schwierigere Aufgabe in Korinth hatte: Paulus mit der Gründung der Christengemeinde an diesem Ort oder Apollos mit der Verantwortung für die Gemeinde an eben diesem Ort. Für diejenigen, die einen Personenkult um Apollos trieben, war er der eigentliche Held. In ihren Augen hatte Paulus es am Anfang leicht gehabt und war dann schnell von der Bildfläche verschwunden, während Apollos den schweren Part hatte. Für die Paulus-Verehrer dagegen hatte Apollos es ja leicht, auf dem Fundament aufzubauen, das ihr Held gelegt hatte. Aber nein, sagt Paulus beiden Parteien, wir beide, Apollos und ich, sind eins. Wir hatten und haben Gottes Segen und Wirken beide gleich nötig. Eifersucht zwischen uns ist ebenso unsinnig wie eine Eifersucht zwischen unseren Anhängern in eurer Gemeinde.

Im letzten Vers vor unserem Predigttext schreibt Paulus noch einen Satz, der von Bedeutung ist und den ich hier noch kurz ansprechen möchte „Wir beide arbeiten an demselben Werk: der, der pflanzt, und der, der begießt; doch wird Gott jeden nach seinem persönlichen Einsatz belohnen“. Der griechische Urtext legt nahe, daß es bei dieser Belohnung für die Mitarbeiter Gottes nicht um den Erfolg ihrer Arbeit geht, sondern um ihre Arbeitsmühe. Für Paulus ist die Arbeit in der Gemeinde Gottes nie einfach „Vergnügen“, sondern geistliche Arbeit, geistliche Mühsal. Dabei kann es nicht darum gehen, nur die Mühen auf sich zu nehmen, die erfolgversprechend sind, also vorher eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen. Paulus scheint hier an einige Worte aus dem 3. Kapitel des ersten Mose-Buches zu denken: „Deinetwegen ist der Acker verflucht, mit Mühsal wirst du dich davon ernähren, dein Leben lang. Dornen und Disteln werden dort wachsen, und du wirst die Pflanzen des Feldes essen. Viel Schweiß mußt Du vergießen“ ( 1. Mose 3,17b-19a ). Nicht anders stellt sich die Arbeit auf Gottes Ackerland dar, lebenslange Mühsal, Dornen und Disteln, viel Schweiß. Und oft fällt nicht mehr ab als eben die „Pflanzen des Feldes“. Das war genau die Situation der Apostel des Herrn Jesus, so hat es Paulus in Korinth erlebt und mit den Galatern und auch überall sonst, wo er am Bau Gottes mitgearbeitet hat.

Doch Paulus kann den Mitarbeitern Gottes einen Lohn nach ihren Mühen, nach ihrem Einsatz versprechen. Diesen Lohn zahlt freilich nicht die Gemeinde – schon gar nicht durch einen Personenkult um einen „Gesalbten des Herrn“ – , sondern Gott selbst, „denn“, und mit dieser Begründung beginnt unser Predigttext, „Gottes Mitarbeiter sind wir“.

Liebe Gemeinde,

„Gottes Mitarbeiter sind wir“ – hinter diesem Satz stecken zwei wichtige Lehren. Die erste Lehre besteht darin, daß Gott selbst der eigentliche Arbeiter in der Gemeinde ist. Es ist ja auch seine Gemeinde, sie gehört ihm. Auch mit viel Arbeitsmühe, großem finanziellen Einsatz oder was sonst können wir die Gemeinde nicht in unser Eigentum übernehmen, und wir können die Gemeinde auch nicht einer bestimmten Person „übergeben“, die wir aus dem einen oder anderen Grund etwa als einen „Gesalbten des Herrn“ betrachten. Gott hat seinen Sohn gegeben, darum ist die Gemeinde sein Eigentum. Die zweite Lehre besteht darin, daß wir keine Statisten sind und auch kein Inventar, fromme bewegliche Objekte, sondern zur Mitarbeit berufen, nicht nur die „Berufschristen“, sondern alle Mitglieder der Gemeinde sind von Gott zur Mitarbeit begabt und als Mitarbeiter Gottes berufen. Gott läßt seine Kirche nicht ohne unsere Mitarbeit entstehen und wachsen, sondern bindet uns in sein größtes Werk ein, das er seinen Menschen je zum Geschenk gemacht hat, den Leib Jesu, den Tempel des Heiligen Geistes.

Gegenüber den Christen in Korinth hebt Paulus deutlich die Unterscheidung zwischen „uns Mitarbeitern“ und „euch auf Gottes Ackerfeld“ hervor, weil eben viele der Korinther gar nicht die notwendige Reife besaßen, um selbst Mitarbeiter zu sein. Trotz all ihrer Geistesgaben und all der Weisheit, auf die sie so stolz waren, muß Paulus seiner Gemeinde in Korinth Unreife attestieren, weil sie ihrer selbstsüchtigen Natur folgen, einem gewissen Personenkult huldigen und in einander widerstreitende Parteien zerfallen. Dies muß für Paulus schmerzhaft gewesen sein; denn jedes Gemeindeglied ist zur Mitarbeit berufen und dazu auch von Gott begabt. Daß aber zwei Mitarbeiter, Paulus und Apollos, einer ganzen Gemeinde von unreifen, sich bildlich gesprochen von Milch ernährenden, trotz vieler Gaben und großer Weisheit zur Mitarbeit unfähigen Christen gegenüberstehen, zeigt eine Gemeinde, wie sie ganz und gar nicht sein soll. Es gibt keinen Dienst untereinander, wo der eine mit seinen Gaben dem anderen zur Verfügung steht, wo sich Gaben und Berufungen und Ämter zu einem harmonischen Ganzen ineinander fügen.

Gott aber läßt seine so unreife Gemeinde nicht fallen. Er stellt seinen Christen in Korinth fähige Mitarbeiter zur Seite, mit Paulus und Apollos zwei der Besten, um durch sie die Gemeinde zu beschenken, den Christen zu dienen.

Liebe Gemeinde,

Paulus bezeichnet sich selbst als den Baumeister der Gemeinde, der das Fundament gelegt hat, besonders betont er seine Weisheit, weil die Korinther Weisheit ja so hoch einschätzen, den Wert von Mitarbeitern nach ihrer Weisheit beurteilen. Seine Weisheit bestand nicht darin, der Gemeinde ein ausgefeiltes Glaubensbekenntnis, eine Fülle von Lehren und Dogmen, einen Vorrat an gewaltigen Sakramenten und Riten, einen Baukasten für erfolgreiche Gemeindearbeit oder was sonst mitzugeben. Seine Weisheit bestand auch nicht darin, die Gemeinde im Umgang mit geistlichen Gaben wie Krankenheilung, Sprachenrede, Prophetie oder Wundertaten zu trainieren, ebenso wenig darin, ihr bestimmte Regeln für den Gottesdienst wie etwa die Verschleierung der Frau mitzugeben oder für den Alltag, wie sie sich in bezug auf bestimmte Speisen und Götzenopfer verhalten sollten. All diese Dinge haben die Korinther später auf dem von Paulus gelegten Fundament aufgebaut, und all diese Dinge, auf die unsere Korinther so stolz waren und die sie als Ausdruck ihrer Weisheit ansahen, haben ihnen letztlich den Blick auf die von Paulus vermittelte Weisheit versperrt, auf den Herrn Jesus als das Fundament der Gemeinde.

Dabei ging es Paulus freilich nicht um eine bestimmte Jesus-Dogmatik, eine hochkarätige Christologie oder wenigstens um Beispiele der Weisheit Jesu. Paulus hat Jesus als den Gekreuzigten gepredigt, und als niemand anderen und hat auch sonst nichts gepredigt, wenn nicht der gekreuzigte Christus im Mittelpunkt stand. Für die Korinther, und nicht nur für die, war das allerdings ein Ärgernis und eine Torheit. Sie haben darum so bald das Fundament mit ihrer eigenen Christologie überbaut: Christus, der durch Weisheit erlöst. Christus, der seinen Nachfolgern Weisheit schenkt. Der gekreuzigte Christus aber, der seinen Jüngern aufträgt, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen, stand bei den Korinthern nicht hoch im Kurs. Wenn sie aufgefordert wurden, stets den von Christus gesetzten Maßstab vor Augen zu haben, dann dachten sie eher an Jesu Weisheit, seine Wunder, seine Krankenheilungen als an das, wovon jene Christen sangen, die fest auf dem Fundament Christi standen: „Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, daß er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz“ (Philipper 2,5ff). Vielleicht setzten die Korinther erst bei den folgenden Versen dieses Hymnus ein, wo es weiter heißt: „Darum hat ihn Gott auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt“ (V. 9). Darin gleichen ihnen nicht wenige unserer Lobpreislieder, die Jesus als den König darstellen und das Kreuz manchmal geradezu verharmlosend schildern, mit leichten Schritten über das hinweg gehen, was der Herr Jesus am Kreuz hat erleiden müssen.

Liebe Gemeinde,

das Fundament, das Paulus für die Christengemeinde in Korinth gelegt hat und das jeder Christengemeinde und jedem christlichen Werk zu legen ist, das ist Christus selbst. Der Christus, der gekreuzigt ist und aus den Toten auferstanden, der lebt und zu uns eine persönliche Beziehung haben möchte. Der Christus, dessen Vorbild wir uns zum Maßstab machen sollen, weniger der Heiler, weniger der Prophet, weniger der König als vielmehr der Knecht, der sich selbst zu nichts gemacht hat. Der beste Lobpreis, den wir unserem König Jesus darbringen können, besteht einfach darin, diesen Maßstab für den Umgang miteinander stets vor Augen zu haben, das Leben der Menschen zu teilen. Für Gott ist dies der angenehmste Lobpreis, der immer sein Gefallen findet.

Dies ist auch das eigentliche Geheimnis davon, Gottes Mitarbeiter zu sein. Gottes Mitarbeiter stellen die Schwester und den Bruder über sich selbst, sie dienen ihnen mit ihrer Zeit, mit ihren Gaben, mit Gastfreundschaft, sie erbauen einer den anderen, wie es im ersten Thessalonicher-Brief heißt ( 1. Thess 5,11 ). Sie sind füreinander da, nehmen aneinander Anteil, weinen mit den Traurigen und freuen sich mit den Fröhlichen. Mit solchen Taten bauen wir auf dem Fundament auf, das gelegt ist. Das Fundament und der Aufbau müssen zusammen passen, und das tun sie nur, wenn der wichtigste Wesenszug des Herrn Jesus, das Leben der Menschen zu teilen und ihr Diener zu sein, sich auch im Aufbau fortsetzt. Einen anderen Aufbau als einen solchen trägt das Fundament nicht, und der Aufbau wird in sich zusammenbrechen, ganz gleich, mit wie viel Weisheit, mit welchen Wundergaben und mit welch herausragenden Persönlichkeiten man den Aufbau geschmückt hat. Dagegen wird ein Aufbau stets halten und niemals zusammenbrechen, egal wie wenig Weisheit man findet, wie schwach die darin eingebundenen Personen sind oder wie wenig Wundergaben man findet, wenn die Christen stets den Maßstab vor Augen haben und danach leben, den der Herr Jesus uns durch sein Vorbild gegeben hat.

Missionare mögen mit glänzenden Predigten, mit Krankenheilungen und Wundern, mit modernen Liedern und einem tollen Rahmenprogramm nach außen als eine sehr weise Einrichtung erscheinen – wenn sie das Leben der Menschen nicht teilen und nicht ihre Diener in all ihren Bedürfnissen sind, so wird der Missionsbau nicht von Bestand sein. Dagegen wird ein kleiner, schüchterner Missionar, der zwar keine weisen Predigten halten kann, aber das Leben der Menschen teilt, einen Missions- und Gemeindebau errichten, der jedem Sturm trotzen kann.

Liebe Gemeinde,

ich möchte noch eine andere Sichtweise auf unser Bild vom Fundament und dem Aufbau aufgreifen. So, wie das Fundament der Gemeinde nicht eine Lehre ist, sondern eine Person, der Herr Jesus, so besteht auch der Aufbau nicht aus Lehren, aus Dogmen, aus guten oder schlechten Theologien, sondern aus Personen, aus Menschen.

Die Gemeinde mit ihren Satzungen, mit ihrer Theologie, mit ihren Regeln, mit ihren Aufgaben und Diensten muß immer für die Menschen da sein, nicht der Mensch für die Gemeinde!

Alle Theologie, alle Satzungen, sämtliche Regeln, alle Aufgaben und jegliche Dienste sollen den Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde dienen, damit diese Menschen dem Herrn Jesus ähnlicher werden, den von Jesus gesetzten Maßstab für den Umgang miteinander stets vor Augen haben.

Wo wir am Reich Gottes bauen, sind Menschen und nichts anderes das Ackerland, der Bau Gottes. Natürlich ist es leichter und geht schneller von der Hand, mit guten und weniger guten Theologien zu bauen, mit Weisheiten, mit Wundergaben, mit Regeln, Geboten und Verboten. Gerade eine Gemeinde, die strenge Lebensregeln für Christen anbietet, eine fundamentalistische Gemeinde mit klaren Regeln, eindeutigen Geboten und strikten Verboten, wird schnell und leicht wachsen, während der Aufbau einer Gemeinde, der sich auf die Menschen besinnt, viel schwerer ist und viel länger dauert. Das bedeutet natürlich nicht, daß man meint, einfach auf jegliche Theologie und auf verbindliche Regeln verzichten zu können – auch damit mag der Gemeindeaufbau schnell und leicht von der Hand gehen, aber auch diese liberale Variante wird dem Fundament nicht gerecht.

Liebe Gemeinde,

Paulus benutzt in unserem Predigttext das Bild von Gold, Silber und kostbaren Steinen auf der einen und Holz, Heu und Stroh auf der anderen Seite. Wer ein Haus schnell und leicht bauen will, der kann das sicherlich mit Holz, Heu und Stroh machen. Aber so ein Haus wird weder besonders lange halten noch überhaupt je einem Sturm standhalten, ganz gleich, wie stabil das Fundament ist, auf dem es aufgebaut wurde. Ein Haus allerdings mit Gold, Silber und kostbaren Steinen zu bauen, das ist eine kostspielige, langwierige und schwierige Angelegenheit. Es erscheint natürlich widersinnig, ein Haus aus Gold, Silber und kostbaren Steinen zu bauen. Die einen werden darin ein Ärgernis sehen, die anderen eine Torheit. Nehmt Holz!, rufen sie, greift zu Heu! und verachtet das Stroh nicht! Darin, so sagen sie, liegt Weisheit. Solche Baustoffe sind wahre Wunder; denn sie ermöglichen ein schnelles, billiges Bauen, und damit kann man ja auch viel größer bauen als mit Gold, Silber und kostbaren Steinen. Und wenn der Bau dann doch zusammenbricht, dann sammeln halt ein paar weise Bauleute den Schutt zusammen und bauen damit neue Häuser.

Mit guten oder schlechten Theologien, mit Regeln und Geboten und Verboten Gemeinde bauen geht schneller und leichter als mit Menschen; mit weisen Worten, mit Wundern und Krankenheilungen und verehrten Heiligen Gemeinde bauen geht schneller und leichter als mit echter Hingabe, doch etwas schnell, leicht, billig und groß bauen zu können ist nicht immer die beste Wahl.

Und natürlich hält ein Bau aus Holz, Heu und Stroh keinem Feuer stand. Die Bibel jedenfalls bezeugt, daß die Kirche Jesu Christi einem – bildlich zu verstehenden – Feuer entgegengeht, in dem die Werke geprüft werden. Diese Prüfung ist nicht mit dem Weltgericht zu verwechseln, bei dem die Christen nicht gerichtet werden. Das Prüfungsfeuer ist wohl die Tatsache, daß wir unsere Werke mit den Augen unseres Herrn Jesus sehen werden. Dort werden alle unsere Werke sichtbar, auch, ob sie – immer noch bildlich gesprochen – nun aus Holz, Heu und Stroh oder aber aus Gold, Silber und kostbaren Steinen bestehen.

Im Grunde kann man sagen, daß bei dieser Prüfung deutlich werden wird, wo wir auf dem Weg unserer Nachfolge einen schnellen, einfachen, billigen Weg gegangen sind und wo wir Mühen auf uns genommen haben, uns am Maßstab des Herrn Jesus orientiert haben, was vor allem den Umgang untereinander betrifft.

Jeder von uns steht während der Nachfolge Jesu immer wieder vor der Entscheidung, entweder mit Holz, Heu und Stroh zu bauen, den schnellen, einfachen, billigen, leichten Weg zu nehmen, oder aber mit Gold, Silber und Edelsteinen zu bauen, also den mühsameren Weg zu nehmen, sein Kreuz auf sich zu nehmen.

Im Nachhinein werden wir übrigens feststellen, daß, während wir uns das für die eine Bauweise nötige Holz, Heu und Stroh selbst beschaffen mußten, uns das für die andere Bauweise nötige Gold, Silber und die kostbaren Steine von Gott beschafft werden. Gott nimmt uns nicht die Mühen ab, die diese aufwendige und teure Bauweise mit sich bringen, aber er gibt uns jeweils die richtigen Werkzeuge in die Hand, bildet uns aus und schafft die für unseren Weg erforderlichen Rahmenbedingungen. Wer dagegen mit Holz, Heu und Stroh arbeitet, der ist ganz auf sich selbst gestellt.

Jegliche Mühe jedoch, die wir auf dem Weg der nachfolge Jesu und besonders in der Gemeinde auf uns genommen haben, wird vom Herrn Jesus belohnt werden. Wie gesagt: Die Mühe zählt, nicht der Erfolg. Wir mögen auf unserem Weg nicht immer geschickt sein, wir mögen immer wieder Fehler beim Bau machen – der Herr Jesus sieht unsere Mühen und zählt nur sie. Wo wir beim Bau auch manches falsch anbringen – der Herr Jesus baut mit uns als seinen Mitarbeitern ein wunderbares Haus, an dem kein Makel sein wird.

Liebe Gemeinde,

Gottes Bauplan für seine Gemeinde in der Welt sieht uns als seine Mitarbeiter vor, und seine Werkzeuge für uns sind Nächstenliebe, die Orientierung am Maßstab Jesu, die Bereitschaft, das Leben der Menschen zu teilen, auf Freiheiten und Vorrechte zu verzichten und Frieden zu stiften. So entsteht die Gemeinde Gottes, so wird sie aufgebaut und erhalten.

Die Theologie, ethische Regeln und all das haben ihren Platz im Leben der Gemeinde, dürfen aber weder das Fundament, den Herrn Jesus, noch den Aufbau, die lebendigen Steine des Gotteshauses, ersetzen. Alle Theologie, alle Regeln, alle Riten, alle Traditionen und was da sonst noch ist sind für den Menschen da, nicht umgekehrt.

Wie ich am Anfang der Predigt sagte, steht dieser 12. Sonntag nach Trinitatis in der kirchlichen Tradition unter der Überschrift „Die große Krankenheilung – Heilsame Umkehr“. Der Herr Jesus will Gemeinden, die an einem verdeckten Fundament oder an einem billigen Ausbau leiden, heilen, er ruft sie zur Umkehr. In jeder Gemeinde gibt es Dinge, an denen wir als Glieder mehr oder weniger leiden. Und dann gilt es, vertrauensvoll zu Jesus zu gehen und ihn zu bitten, daß er seine Mitarbeiter an Gottes Bau mit Gold, Silber und kostbaren Steinen ausstattet und ihnen in ihrer Mühe um die Gemeinde beisteht. Das heißt aber auch für uns, daß wir Gott eben um Gold, Silber und Edelsteine für den Bau der Gemeinde bitten und um seine Kraft, die uns durch die Mühen hindurch trägt und auf dem längeren Weg begleitet. Und wo wir sehen, daß wir uns mit Holz, Heu und Stroh abplagen, da sind wir eingeladen, diese bei Jesus gegen Gold, Silber und Edelsteine einzutauschen. Der Herr Jesus geht dieses Tauschgeschäft gerne ein.

Amen.

Literatur

Wuppertaler Studienbibel: Der Brief des Paulus an die Korinther erklärt von Werner de Boor, R. Brockhaus, Wuppertal und Zürich, 1989

Erläuterungen zum Neuen Testament: Adolf Schlatter, Die Korintherbriefe, Calwer Verlag, Stuttgart, 1965

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. März 2010 um 19:21 Uhr
 
InfoAdministrationXML Sitemap