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Eine Gemeindepredigt zu
Markus 1,16-20
, gehalten am 07.11.2004 in der Martin-Luther-King-Kirche (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde - Baptisten - Stuttgart-Zuffenhausen) im Abendmahlsgottesdienst
Prolog: Der Predigttext
16 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und seinen Bruder Andreas, wie sie gerade ihr Netz auswarfen; sie waren Fischer.
17 Jesus sagte zu ihnen: »Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern.«
18 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
19 Als Jesus ein kleines Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Sie saßen gerade im Boot und besserten die Netze aus.
20 Jesus rief sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Gehilfen im Boot zurück und folgten ihm.
Die Predigt
Unser Text spricht dreierlei an: Netze, Fischer - genauer "Menschenfischer" - und Netzflicker. In der Auslegungsgeschichte steht meistens die "Menschenfischerei" im Mittelpunkt. Eher selten wird nach der Bedeutung der Netze und der Netzflickerei gefragt.
Unser Predigttext greift eine Handlung Jesu auf, die sehr gleichnishaft ist. Sie war vor allem Gleichnis für die Jünger Jesu: Vier der zwölf Jünger Jesu werden in der Bibel ausdrücklich als Fischer bezeichnet: Petrus und sein Bruder Andreas, Johannes und sein Bruder Jakobus. Für die anderen galt: Sie waren mit der Fischerei aufgrund ihres Lebens in der Nähe zum Meer von Galiläa, dem See Genezareth, bestens vertraut. So verwendet Jesus öfters die Fischerei als Gleichnis.
Aus unserer Sicht klingt "Menschenfischerei" wohl ziemlich eigentümlich, als ginge man auf die Jagd nach Menschen, die letztlich nur "Opfer" sind, die gezwungen und bezwungen werden. Man darf dabei aber die Addressaten nicht außer acht lassen: Für sie hatte das Wort vom "Menschenfischen" sicherlich keine eigentümliche Bedeutung, sondern griff ein Element aus ihrem Lebensmittelpunkt auf und machte es so anschaulich für sie. Fische waren für sie nicht nur Beute und Jagdobjekte, sondern besaßen eine ganz besondere Bedeutung für sie: eine unverzichtbare Lebensgrundlage.
Für Leute in Stuttgart hätte Jesus wohl ein Element aus der Welt von Bosch, Porsche oder Daimler aufgegriffen, etwa eine Zündkerze oder aber das ESP von Bosch, das Elektronische Stabilitätsprogramm, das Autos in der Spur hält, ein Aus-der-Spur-geraten zuverlässig verhindert. Es geht darum: Jesus möchte mit seinem Wort und sein Aufforderung, ihm nachzufolgen, in unseren Lebensmittelpunkt kommen und nicht irgendwo am Rand stehen bleiben. Das Wort von der "Menschenfischerei" bezieht sich also nicht auf die Art und Weise der Jünger Jesu, Menschen für den Herrn zu gewinnen, also auf ein Jagen und Zwingen, sondern darauf, daß der Herr die Menschen, die er beruft, dort abholt, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben. Für Simon, Andreas, Johannes und Jakobus war das die Fischerei.
Schon für Paulus war der Begriff "Menschen fischen" nicht mehr verständlich genug, um ihn in seiner Verkündigung zu gebrauchen. Er, der kein Fischer und nicht enmal am Galiläischen Meer aufgewachsen war - ebenso wenig wie seine Zuhörer - , sprach statt dessen davon, "Menschen zu gewinnen". Auch für uns heute ist diese Bezeichnung griffiger und erregt weniger Anstoß. Ihr fehlt das zwingende, jagende Element des Fischens von Menschen; es stellt mehr den Aspekt, den Menschen zu dienen, heraus. Es ermöglicht uns den Blick auf das Fischer-Netz als ein Netz der Liebe, wie Paulus dies in 1. Korinther 13 dargelegt hat.
(Anmerkung: Vielleicht war bei Jesus das zwingende, jagende Element im Sinne eines richterlichen Dienstes der Apostel auch durchaus gewollt und stand neben dem missionarischen Element: Die Fischer-Apostel, die ein neues Israel erzwingen, zugleich das alte Israel bezwingen.)
Von Netzen
Kommen wir nun zu den Netzen. Ich glaube, wir können die Netze der Jünger Jesu als die Gemeinde Jesu verstehen: Sowohl die kleine Gemeinde vor Ort als auch die weltweite Gemeinde Jesu Christi in allen Konfessionen, Sprachen und Glaubensrichtungen.
Das Bild vom Netz zeigt übrigens auch, daß Christen eine Gemeinde brauchen, in der sie mit anderen Christen vernetzt sind. So, wie es nicht nur einzelne Stränge in einem Netz gibt, sondern immer nur das ganze Netz, gilt dies auch für Christen: Christsein gehört in die Gemeinde, in das Miteinander.
Die Bibel kennt verschiedene Fischernetze. Markus berichtet uns im griechischen Urtext, daß Petrus und Andreas mit einem Rundnetz (griechisch amphìblêstron) gefischt haben: Etwa 3-5 Meter im Durchmesser und am Rand mit Steinen beschwert, wurde es in Ufernähe flach über das Wasser in der Nähe warmer Quellen geworfen, wo sich häufig Fischschwärme aufhalten, so daß man fischen kann, auch ohne weit auf das Meer hinauszufahren. Daneben gab es ein 15 Meter langes Netz, das aus verschiedenen Kammern bestand. Dieses Netz wurde weiter draußen auf dem Meer eingesetzt. Mit Hilfe der Ruder wurden die Fischschwärme in dieses Netz getrieben. Dìktyon, der griechische Fachbegriff für dieses Netz - der allerdings auch Fisch-, Jagd- und Vogelnetze im Allgemeinen bezeichnen kann - wird von Markus für jene Netze verwendet, die Johannes und Jakobus flicken. Ein weiteres Netz war das Schleppnetz; und manchmal wurde auch eine Angelschnur verwendet. So wie es eine Vielzahl von Netzen gibt, gilt dies auch für die Gemeinde: Es gibt verschiedene Gemeinden, und sie alle haben ihre Berechtigung. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, Menschen für Jesus zu erreichen, und jede der Möglichkeiten hat ihre Berechtigung. In Jesus gibt es Vielfalt und nicht Einfalt.
So wie ein Netz nicht einfach nur aus Maschen besteht, sondern aus vielen Bestandteilen zusammengesetzt ist, die alle wichtig sind und eine große Bedeutung haben, so daß nicht ein Teil des Netzes verlorengehen oder aus den Augen geraten darf, so gilt das auch für die Gemeinde: Jedes Glied der Gemeinde ist wichtig, und wir alle brauchen einander. Egal, ob wir nun - bildlich gesprochen - die einzelnen Stränge des Netzes sind, die Steine, die das Netz beschweren und mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, die Schwimmer, die ein Teil des Netzes an der Wasseroberfläche halten und sich nach dem ausstrecken, was droben ist, die Seile, mit denen das Netz zusammengezogen und an Land gezogen wird - nichts darf verloren gehen, nichts ist weniger wichtig als irgend ein anderer Teil des Netzes. Was für die Gemeinde vor Ort gilt, das gilt freilich auch für das Netz der Gemeinden Christi in Zuffenhausen, in Stuttgart, in Deutschland, in der ganzen Welt. Das Netz soll intakt sein, und jedes Teil des Netzes ist gleich wichtig. Die Stränge können nicht sagen: Wir brauchen die Steine zum Beschweren oder die Schwimmer oder die Zugseile nicht. Wir können auch allein Netz sein. Nur ein intaktes Netz taugt etwas, und ein Schwimmer, der sich vom Rest des Netzes losmacht, wird einfach nur davontreiben, und ein Stein, der sich vom Netz löst, wird einfach nur auf den Grund sinken. Und wenn die Stränge sich von Steinen, Schwimmern und Zugseilen befreien, so wird es nicht mehr zum Fischen geeignet sein, sondern schlaff im Wasser schwimmen.
Des weiteren gilt: Netze gehören in das Wasser. An Land haben sie, außer zum Trocknen, nichts verloren. So gehört auch die Gemeinde in das "Wasser" - das sind die Menschen, die nicht zu der Gemeinde gehören. Eine Gemeinde nur auf dem Trockenen geht ein; sie muß immer eine "Gemeinde für Menschen" sein, die sich den Menschen in ihrer Umgebung aktiv zuwendet. Die Gemeinde muß "naß" sein und darf das Wasser, darf die Menschen nicht scheuen. Das Taufbecken darf nicht trocken fallen.
Ist die Gemeinde als Ganzes also ein Netz, so gibt es in jeder Gemeinde - neben vielen anderen Mitgliedern mit ihren Gaben und Aufgaben - zwei Gruppen, die in besonderer Weise mit dem Netz zu tun haben: Die Fischer und die Netzflicker. Beide arbeiten in der Gemeinde Hand in Hand. Zugleich sind sie nicht die ganze Gemeinde, sondern nur ein Teil. Sie tragen aber mit ihren Gaben und Aufgaben eine ganz besondere Verantwortung.
Von Menschenfischern
Die Begabung und Aufgabe der "Menschenfischer" besteht darin, Menschen für den Herrn Jesus zu gewinnen. In der Gemeinde und für die Gemeinde haben sie eine besondere Bedeutung. Eine Gemeinde, die auf "Menschenfischer", auf Missionare, verzichtet, wird letztlich auf dem Trockenen sitzen bleiben. Nur: dort gehört sie nicht hin. Sie gehört ins Wasser, und es sind die "Menschenfischer", die die Netze ausbringen, die die Gemeinde unter die Menschen bringen.
Natürlich gibt es in einer Gemeinde nicht nur Missionare, und sie besitzen keine ausschließliche Verfügungsgewalt über die Gemeinde. So wie vier der zwölf Jünger Jesu Fischer waren - und zwei davon als "Menschenfischer" berufen werden -, so gibt es in einer gesunden Gemeinde nicht nur Missionare. Aber sie haben ihren Platz in der Gemeinde, und die Gemeinde muß sich ihnen zur Verfügung stellen, damit sie "Menschen fischen" können: Durch Gebet, durch Einladeaktionen, durch kleine und große Dienste rund um die Mission, durch finanzielle Mittel, durch die Bereitschaft, Missionare auszusenden und auszubilden und ihnen zur Seite zu stehen. Umgekehrt haben die Missionare auf die Belange der Gemeinde Rücksicht zu nehmen und das "Netz" nicht zu überstrapazieren. Sie haben eine Verantwortung für das Netz, damit es nicht nur einen guten Fang macht, sondern auch heil bleibt.
Zu den Rundnetzen, mit denen in unserem Text Petrus und Andreas fischten, sagte ich vorher, daß diese in Ufernähe eingesetzt wurden, wo das Wasser unter dem Einfluß warmer Quellen stand, so daß sich dort Fischschwärme einfanden. Jesus, die Quelle des Lebens, will Einfluß auf unsere Gemeinden, auf unser Leben haben. Es gilt, den Zufluß dieser Quelle in die Gemeinde und in unser persönliches Leben offenzuhalten. Jede Gemeinde braucht darum - abgesehen von den Missionaren - Menschen, die sich um diese Quellen kümmern: Leiter und Mitarbeiter von Hauskreisen, Bibelstunden, Kinder-, Teeny-, Jugend- sowie Senioren-Stunden, Beter und viele mehr, auch die Seelsorger sind hier zu nennen. Wir alle sind aufgerufen, uns diese Quellen für unser Leben zu erschließen, auch durch unser persönliches Gebet und Bibelstudium. Leben aus der Quelle heißt, sich ganz an den Herrn Jesus zu hängen.
Sind diese Quellen in einer Gemeinde "offen", so kann diese Gemeinde für die Menschen in ihrer Nachbarschaft interessant sein.
Von Netzflickern
Jesus hat nicht nur "Menschenfischer" berufen, sondern auch Netzflicker. Eigentlich Fischer wie Petrus und Andreas, gilt ihre Arbeit dem Erhalt der Netze. Damit haben sie eine besondere Verantwortung für die Netze. Und so gibt es in der Gemeinde Menschen mit einander besonderen Verantwortung für die Gemeinde. Sie arbeiten Hand in Hand mit den Missionaren, deren Arbeit sie erst möglich machen.
Die Aufgabe der Netzflicker besteht darin, die Netze zu trocknen, zu reinigen und zu flicken.
Netze trocknen
Während moderne Netze meist aus Kunstfasern bestehen und nicht getrocknet werden müssen, mußten die Netze vom See Genezareth nach jedem Fischzug an Land gebracht und getrocknet werden; sonst wären sie vermodert und verrottet. Sie hätten dann nur noch weggeworfen werden können. Einmal verrottet, hätte man sie nie mehr zum Fischfang verwenden können.
Für die Gemeinde bedeutet dies: Sie muß immer wieder auf das Trockene, sie braucht den Dienst Gottes, der sie aufbaut und erhält. Darum ist es gut, die Versammlungen der Gemeinde möglichst nicht zu versäumen, und die Gottesdienste und die Bibelstunden und die Hauskreise und all die anderen Veranstaltungen nicht aus den Augen zu verlieren. Ohne Gottesdienste verrottet eine Gemeinde, geht sie ein. Sie braucht Zurüstung, Auferbauung, Ermunterung, um lebendig zu bleiben. Darum ist es auch so schwierig, ohne Gemeinde Christ zu sein - nur in der Gemeinde kann es Auferbauung, Zurüstung und Ermunterung geben.
Netze reinigen
Besonders wichtig war für die galiläischen Fischer, ihre Netze nach jedem Fischzug zu reinigen. Diese Arbeit wurde gewissenhaft erledigt. Strang für Strang arbeiteten sich die Netzflicker vor, um jede Verunreinigung, die sich festgesetzt hatte, zu beseitigen. Da das Netz nur aus Naturfasern bestand, deren Oberfläche eher rauh ist, konnten sich Verunreinigungen natürlich viel leichter festsetzen als bei modernen Netzen aus Kunstfasern mit ihrer glatten Oberfläche. Da aber auch Christen natürliche Menschen und keine Kunstobjekte sind, können sich bei uns Verunreinigungen leicht festsetzen. Dies betrifft sowohl Fragen der Lehre, der Theologie als auch des persönlichen Lebens. Eine Gemeinde braucht darum eine gesunde Theologie und eine gesunde Ethik, braucht begabte Lehrer für Fragen der Lebensführung und der Theologie. Sie erkennen falsche Strömungen und ungesunde Entwicklungen, sie weisen darauf hin, was Gott von den Menschen erwartet. Sie legen den Menschen den Weg Gottes dar.
Eine Verunreinigung betrifft nie das Netz selbst: Kein Strang des Netzes kann selbst je unrein werden, sondern jede Unreinheit kann nur anhaften und deswegen auch entfernt werden. So kann auch kein Gemeindeglied selbst je unrein werden. Aber wenn die Verunreinigung auf Dauer haften bleibt, wird es immer schwerer, hier zu reinigen. Unreines haftet um so besser, je unreiner der Untergrund schon ist. Die Reinigung ist dann um so aufwendiger und oft auch schmerzhafter.
Netze flicken
Nicht zuletzt muß das Netz geflickt werden, wenn es irgendwo gerissen ist. Da ein Netz vor allem dann reißt, wenn es nicht regelmäßig getrocknet oder gereinigt wird, ist Vorbeugung wichtig: Trocknen und reinigen. Andererseits: Auch wenn ein Netz wohl dann nicht reißt, wenn es nie ins Wasser kommt, sondern immer an Land bleibt, kann dies nicht die Lösung bleiben. Es gerät dann einfach nur in Vergessenheit und ist zu nichts nütze.
In der Gemeinde bedeutet Netzflicken, die Beziehungen zwischen Gemeindegliedern, zwischen einzelnen "Fraktionen" der Gemeinde, zwischen jung und alt, zwischen den einzelnen Bereichen zu hegen und zu pflegen. Es geht darum, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen und Belangen herzustellen. Es geht um Diplomatie und Freundlichkeit und Ausdauer im Miteinander der Gemeinde. In einem größeren Rahmen bedeutet es, die Netze zwischen den verschiedenen Gemeinden und Konfessionen zu knüpfen. Wir alle brauchen einander, keine Gemeinde kann ohne die anderen sein, keine Konfession ohne die anderen. Wir brauchen in jeder Gemeinde Menschen, die Netze zwischen Gemeinden, Konfessionen knüpfen.
Heute stellt sich die Christenheit oft als ein zerrissenes Netz dar. Oft sieht man wenig Einigkeit, wenig Einheit. Um so wichtiger sind Netzflicker, die im Kleinen wie im Großen zerrissene Netze flicken, die Gemeinden und Kirchen vernetzen.
Dazu gehört auch, daß wir die Netze zwischen den verschiedenen Frömmigkeitsstilen flicken. Da gibt es fromme Typen, oft als "liberale Christen" bezeichnet, denen die Bewahrung der Schöpfung, die Gerechtigkeit, der Frieden besonders am Herzen liegt. Anderen Typen, meist als "evangelikale Christen" bezeichnet, liegt die Verkündigung eines bibeltreuen Evangeliums und einer Erlösung allein durch Jesus in besonderer Weise am Herzen. Und wieder andere Typen, oft als "charismatische Christen" bezeichnet, stellen die Heiligung und ein sprituelles Leben in den Mittelpunkt. Tatsächlich brauchen wir eine Einheit dieser drei Frömmigkeitstypen. In unserem Bild könnte man die einen als die Steine begreifen, die das Netz beschweren, die anderen als die Schwimmer, die es an die Oberfläche ziehen und die Dritten als die Zugseile, mit denen das Netz geführt und eingeholt wird. Diese drei Frömmigkeitstypen dürfen einander nicht feindlich gegenüberstehen, sondern sie alle haben ihre Berechtigung. Nicht nur in der Gemeinde, sondern auch in unserem persönlichen Glaubensleben gehören diese so verschiedenen Elemente der Frömmigkeit zusammen: Eine Sorge um die Schöpfung, um Frieden und Gerechtigkeit ebenso wie die Sorge um eine bibeltreue Verkündigung und die Sorge um ein geheiligtes, spirituelles Leben. Dies gehört miteinander vernetzt, damit unser persönlichen christliches Leben und unsere Gemeinden ganzheitlich sind und wir nicht nur Teilbereiche betonen und somit Gefahr laufen, einseitig zu werden. Einseitigkeit führt letztlich dazu, daß unser Zeugnis vom Herrn Jesus kraftlos wird. Es ist ein zerrissenes Netz.
Der große Netzflicker
Das Abendmahl - gerade wenn über die Konfessionsgrenzen hinweg eingeladen wird - ist eine besondere Möglichkeit des Netzflickens. Hier ist der Herr Jesus derjenige, der die Netze flickt. Hier dient er seiner Gemeinde als "Netzflicker". Tatsächlich ist er, der Herr Jesus, derjenige, der nicht nur der größte Menschenfischer, sondern auch der größte Netzflicker ist. Wann immer wir unter der Zerrissenheit des Netzes seiner Gemeinde, seiner Kirche leiden, dürfen und sollen wir zuerst zu ihm kommen und ihn bitten, das Netz zu flicken. Wir dürfen ihm auch all das hinbringen, das in unserem Leben zerrissen, unrein ist, was geflickt werden muß. Der Herr Jesus ist immer die erste Adresse, wenn es darum geht, Zerrissenes wieder in Ordnung zu bringen, was es auch sei. Das beginnt schon damit, das Netz der Beziehung zwischen Gott und Mensch in Ordnung zu bringen. Um diesen Dienst zu tun, ist der Herr Jesus zu uns Menschen gekommen. Er hat dieses zerrissene Netz mit seinem Leib und seinem Blut gereinigt und geflickt. Sein Blut hat alles Unreine abgewaschen, und das Netz ist ganz neu geworden.
Das Netz, das nicht zerreißt
Johannes 21,6.11
6 Er [Jesus] sagte zu ihnen: »Werft euer Netz an der rechten Bootsseite aus! Dort werdet ihr welche finden.« Sie warfen das Netz aus und fingen so viele Fische, daß sie das Netz nicht ins Boot ziehen konnten.
11 Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war voll von großen Fischen, genau hundertdreiundfünfzig. Aber das Netz riß nicht, obwohl es so viele waren.
Ganz klar - dieser Bericht zeigt, daß "Menschenfischer" und "Netzflicker" ganze Arbeit geleistet haben. Die Fischer hören auf Jesus, der ihnen sagt, wo sie erfolgreich fischen werden. Sie fischen nicht im Trüben, sondern dort, wo Jesus sie zu fischen weist. Und die Netzflicker haben das Netz in Ordnung gehalten, und trotz des großes Erfolgs reißt es nicht.
Jesus beruft einige von uns zu Menschenfischern oder zu Netzflickern. Wenn wir diesen Ruf hören, wenn der Herr uns ruft, dann hat er eine konkrete Aufgabe für uns: entweder um Menschen zu gewinnen oder um der Gemeinde zu dienen.
Wie sieht dies nun konkret aus? Die Missionare snd Menschen, die hinausgehen, hinaus zu den Menschen, entweder in ihrer Nachbarschaft oder sogar weiter draußen. Dies geschieht meist durch freundschaftliche Kontakte, gewissermaßen mit Hilfe von "Wurfnetzen". Manche haben auch die Gabe, in einem größeren Umfeld zu missionieren, sei es durch Verkündigung, Diakonie oder was sonst. Die "Netzflicker" sind Menschen, die eher in der Gemeinde dienen: In Hauskreisen und Bibelstunden, im Gottesdienst, in ökumenischen Arbeitskreisen, in der Seelsorge. Sie dienen der Gemeinde mit Gebet und Bibelstudium und vielen Dingen mehr.
Literaturhinweis
Ernst Giese, "Und flicken die Netze - Dokumente zur Erweckungsgeschichte des 20. Jahrunderts" (2. Auflage, Ernst Franz Verlag Metzingen/Württ. und Oekumenischer Verlag Dr. R.F. Edel Lüdenscheid 1987); hier besonders das erste Kapitel: "Biblische Besinnung über das Netzflicken"
Fritz Rienecker, "Lexikon zur Bibel" (hier: 1. Jubiläumsausgabe, R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1988); hier Artikel "Fisch, fischen"
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