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Kreationismus an den Schulen PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 17. November 2009 um 17:26 Uhr

Sollen Christen sich dafür einsetzen, daß an Schulen nicht mehr die Evolutionstheorie, sondern der Kreationismus gelehrt wird - oder der Kreationismus wenigstens als Alternative hinzukommt?

Irgendwo las ich kürzlich, daß Christen eine "Verfolgung wegen des Glaubens" in Deutschland wittern, weil an den Schulen nicht der Kreationismus gelehrt würde, nicht einmal parallel zur Evolutionstheorie.

Ich bin aus drei Gründen ganz entschieden dagegen, daß an Schulen - ganz gleich, ob es sich um staatliche Schulen oder solche in christlicher Trägerschaft handelt - anstelle der Evolutionstheorie oder auch nur als deren Ergänzung der Kreationismus bzw. das Konzept vom "Intelligenten Design" (ID) gelehrt wird:

  1. Auch wenn der eine oder andere Vertreter des Kreationismus bzw. der ID-Bewegung ausgebildeter Wissenschaftler ist, so ist keine der beiden Lehren tatsächlich ein naturwissenschaftliches Modell, sondern allenfalls eine Anfrage an die naturwissenschaftlichen Modelle, mit denen die Evolutionstheorie in Physik, Geologie und Biologie dargestellt wird. Die Modellierung ist weit davon entfernt, zu einem vernünftigen Ansatz zu kommen, die Entstehung des Lebens zu erklären - ganz im Gegenteil zur Evolutionstheorie, wo zwar nicht alles erklärt ist, aber ein sehr viel breiteres Gebiet zufriedenstellend erklärt ist. Wissenschaftliche Lauterkeit und pädagogische Verantwortung (beides christliche Tugenden!) verlangen, das am besten belegte und geprüfte Modell zu lehren, nicht ein noch gar nicht modelliertes Bündel an unbewiesenen Hypothesen.
  2. Ich halte sowohl den Kreationismus als auch das ID-Konzept aus christlicher Sicht für gefährliche Irrlehren, ein "anderes Evangelium", in dem Gottes Weg mit den Menschen vollkommen falsch und verkürzt dargestellt wird.
  3. Aus Gründen der weltanschaulichen Neutralität des Staates müßten nicht nur Christen das Recht bekommen, die Entstehung des Lebens aus ihrer Sicht darzustellen, sondern auch alle anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften (das angeblich weltanschaulich neutrale ID-Konzept stellt keinen Ausweg dar, weil es de facto das christliche Weltbild bevorzugt) - angefangen beim Islam und beim Atheismus (denn die Evolutionstheorie ist mitnichten einfach der "Schöpfungsglaube" der Atheisten) bis hin zu Neuheiden, Buddhisten, Hinduisten, UFO-Anhängern usw.

Darum sollte man Kreationismus und "Intelligentes Design" aus dem Schulunterricht heraushalten - nicht nur aus dem Biologie-, sondern auch aus dem Religionsunterricht (dies vor allem wegen des zweiten Punktes). 

Im Biologieunterricht sollte allein die Evolutionstheorie gelehrt werden, und Aufgabe des Religionsunterrichtes ist es, dem Miteinander von "Evolution" und "Schöpfung" auf die Spur zu kommen. Die Evolutionstheorie ist ja mitnichten areligiös, sondern weltanschaulich neutral (auch wenn manche Kreationisten und Atheisten etwas anderes behaupten).

Der Glaubende ist immer wieder neu aufgefordert, das gültige Modell der Evolutionstheorie mit den Augen des Glaubens an einen Schöpfergott zu betrachten, den Spuren der Schöpfung nachzugehen und zu einem neuen Verständnis der wunderbaren Schöpfung Gottes zu kommen, das uns anleitet, den Schöpfer zu ehren und das Geschöpf, jede Kreatur, groß und klein, mit Liebe und Achtung zu umsorgen.

Aber der Blick des Glaubenden geht freilich immer über den "Tellerrand der Schöpfung" hinweg zu Gott, der sich ganz klein gemacht hat und in diese Welt gekommen ist.

Das Unfaßbare ist natürlich, daß Gott den mit der Evolution des Lebens untrennbar verbundenen Tod - ohne den es schlicht und einfach keine Entwicklung des Lebens gäbe - auf sich nimmt und für sich selbst und dann auch für uns durch den Tod in das ewige Leben eingeht. Im Blick auf die Evolutionstheorie erhält die Frage nach dem Tod als Teil der Schöpfung eine neue Perspektive.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 11:18 Uhr
 
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