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Bekehrung, Ursachen PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 29. Oktober 2009 um 12:23 Uhr

Warum bekehren sich Nichtchristen zum christliche Glauben oder Christen von einer zu einer anderen Konfession?

Ist stets eine überzeugen wollende Form der Mission die Ursache? Wenn Bekehrungen dazu führen, daß andere Vertreter der betroffenen Glaubensgemeinschaft aggressiv werden, sollte man dann die Mission nicht verbieten, um solche Aggressionen zu verhindern?

In einem Artikel über die Verfolgung von Christen, den ich vor einiger Zeit gelesen habe, wurden zwei Ursachen genannt, warum Christen verfolgt werden: Als die eine Ursache wurde das Auftreten der USA genannt, als die andere das Auftreten von Missionaren - die USA aufgrund ihres "Neokolonialismus", die Missionare aufgrund der von ihnen zu verantwortenden Bekehrungen. Offenbar konnte sich der Autor dieses Artikels keinen anderen Grund für Bekehrungen zum christlichen Glauben vorstellen als Mission. Auch in anderen Artikeln über dieses Thema kam das immer wieder als roter Faden: Mission führt zu Bekehrungen - Bekehrungen führen zu Unruhen, also führt die Mission zu Unruhen, also sollte man die Mission unterbinden, um Unruhen zu verhindern.

Ich denke nicht, daß es eine Statistik gibt, warum sich Menschen bekehren - interessant wäre es allemal. Es würde auf jeden Fall klar werden, daß einer Bekehrung nicht immer eine Missionierung (im Sinne von "hingehen zu jemandem, um ihn zu überzeugen") vorausgeht. Ich denke, es ist nicht einmal in der Mehrheit von Bekehrungen so - Bekehrungen, sei es von einer nichtchristlichen Religion (oder einer areligiösen Weltanschauung) zum Christentum, sei es von einer christlichen Konfession oder Tradition zu einer anderen, geschehen meinen Annahmen nach häufiger aus anderen Gründen:

  • Interesse aufgrund der Glaubens- und Lebenspraxis von Christen (z.B. Diakonie, Nächstenliebe, Altruismus, Entwicklungshilfe, Glaubwürdigkeit usw.)
  • Interesse aufgrund der Glaubens- und Lebenspraxis von Mitgliedern der eigenen Religion bzw. Tradition (z.B. Fundamentalismus, Extremismus, Intoleranz, Militanz, fehlende Glaubwürdigkeit usw.)
  • Als übernatürlich empfundene Erfahrungen im eigenen Leben oder im Bekanntenkreis (Träume, Visionen, Wunder, Heilungen usw.)
  • Selbständiges bzw. aktives Gewinnen von Informationen über den christlichen Glauben bzw. eine Konfession oder Tradition aufgrund von Neugier, Interesse, Erfahrungen

Der vierte Punkt wird häufig schon als "Mission" definiert, aber da hier die Initiative nicht von Seiten des "Missionars", sondern von Seiten des Interessierten ausgeht, ist der Begriff "Mission" falsch gewählt - selbst dann, wenn es sich bei demjenigen Christen, der dem Interessierten Rede und Antwort steht (Apologetik) tatsächlich um einen "Missionar" handelt, der beispielsweise Entwicklungshilfe leistet. 

Hinzu kommt, daß dieses Verständnis von Mission nicht dem christlichen Verständnis bzw. dem Selbstverständnis des christlichen Missionars entspricht - wenn Nichtchristen und Christen von "Mission" sprechen, geht es oft um zwei verschiedene Dinge:

Für Christen ist die Mission jedwedes Gesandtsein zu anderen Menschen auf der Grundlage der Sendung Christi in diese Welt (christliche Mission leitet sich von der Mission Jesu ab). Der Missionar handelt aus dem Glauben heraus, daß Gott gute Gemeinschaft zwischen den Menschen wünscht (Konvivenz), auch über die Grenzen von Konfessionen und Religionen und Weltanschauungen hinaus. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, dem dreieinigen Gott, der von Ewigkeit her Gemeinschaft in sich selbst hat, und diese Gottesebenbildlichkeit des Menschen zeigt sich darin, daß er Gemeinschaft mit anderen Menschen (und mit Gott) nötig hat. 

Nichtchristen sehen in der Mission dagegen oft eher etwas, das mit Überzeugen wollen zu tun hat - überzeugen vom Christentum, von der jeweiligen Konfession des Missionars, vielleicht auch von den westlichen Werten oder insbesondere denen der USA. Auch wenn es tatsächlich solche "Missionare" gibt - ich schätze, so manch ein Kritiker der christlichen Mission schließt hier von seiner eigenen Umgebung oder sogar von sich selbst ("Anti-Missions-Missionar") auf die christliche Mission.

Wie dem auch sei - es stimmt natürlich daß dort, wo Menschen sich von einer anderen Religion zum christlichen Glauben oder von einer christlichen Konfession zu einer anderen bekehren, es leicht zu Unruhen und Feindseligkeiten gibt, die nicht selten auch Ursache dafür sind, daß Christen benachteiligt, diskriminiert oder sogar verfolgt werden.

Doch auch ohne jedwede Mission würde es Bekehrungen geben - weder ein Verbot einer Mission, die vor allem überzeugen will, noch ein Verbot einer Mission, die darauf bewußt verzichtet, würde Bekehrungen und daraus möglicherweise resultierende Feindseligkeiten verhindern. 

Daß sich Menschen bekehren, hat nicht nur und m.E. nicht einmal hauptsächlich mit Missionierung zu tun - daraus resultierende Probleme kann man nicht in den Griff bekommen, indem man die Missionierung verbietet. 

Zugleich ist es unbestritten, daß ein Missionsverständnis, das darin besteht, daß ein Christ zu einem anderen Menschen geht, um ihn vom seinem Glauben zu überzeugen, in höchstem Maße problematisch ist (freilich nicht nur in Bezug auf Christen!). Ein solches Verständnis gilt es zu überwinden.

Überwunden werden muß aber auch die Neigung vieler Menschen, auf Bekehrungen mit Feindseligkeiten, Verschwörungstheorien, Aggressionen usw. usf. zu reagieren. Denn daß immer wieder Menschen intolerant auf Bekehrungen reagieren, ist das eigentliche Problem, das keinesfalls hingenommen werden kann.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 10:34 Uhr
 
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