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Schamkultur und Schuldkultur PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 25. August 2009 um 17:35 Uhr

Was versteht man unter den Begriffen "Schamkultur" und "Schuldkultur"? Wie verhält sich die Religion zur Scham- bzw. zur Schuldkultur?

Entstehung des Begriffs

Kulturanthropologisch gesehen, wurde zuerst die japanische Kultur als "Schamkultur" beschrieben und der abendländischen "Schuldkultur" gegenübergestellt (1946 durch Ruth Benedict). 

Später wurde der Begriff "Schamkultur" auf die gesamte Region des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens ausgedehnt. Dabei gibt es nicht die Schamkultur - man muß zwischen verschiedenen Subkulturen differenzieren. Mit den Muslimen, die aus orientalischen Ländern zu uns eingewandert sind, begegnet uns eine Schamkultur, die sich allerdings in der Fremde von den heimatlichen Wurzeln mehr oder weniger weit entfernt hat. Auch Christen, die aus orientalischen Ländern eingewandert sind, begegnen uns aus einer Schamkultur heraus.

Der Begriff "Schuldkultur" wird heute auf das Abendland und Israel ausgedehnt. Aber auch hier muß zwischen verschiedenen Subkultruren unterschieden werden. Am stärksten sind Nord- und Westeuropa kulturell schuldorientiert.

Angehörige beider Kulturen neigen dazu, die jeweils eigene als überlegen, die jeweils andere als unterlegen zu betrachten. Sobald sich allerdings Angehörige einer Schuldkultur tatsächlich denen einer Schamkultur überlegen fühlen, beginnen sie zwangsläufig mit einer Metamorphose in eine Schamkultur. 

Die "Einteilung" der Welt in eher schuld- und eher schamorientierte Kulturen wird meist nur von schuldorientierten Menschen akzeptiert; schamorientierte Menschen lehnen diese "Zweiteilung" meist entschieden ab. 

Die Situation in Deutschland

Deutschland ist ein multikulturelles Land - hier leben mehrheitlich Angehörige verschiedener Schuldkulturen neben einer Minderheit von Angehörigen verschiedener Schamkulturen (z.B. nah- und mittelöstliche, oftmals islamisch geprägte Schamkulturen, fernöstliche Schamkulturen usw.). 

Die Ausgangslage ist eigentlich positiv zu bewerten: Schuldkulturen sind im Allgemeinen - Ausnahmen bestätigen die Regel - pluralistisch, tolerant, ausgesprochen wenig xenophob und kaum separatistisch und bringen so die besten Voraussetzungen mit, um zuwandernde Menschen aufzunehmen und in die eigene Gesellschaft zu integrieren. Nicht immer, aber häufig sind Schamkulturen deutlich weniger pluralistisch und tolerant, dafür eher xenophob und separatistisch. Wenn dort Menschen zuwandern, ist die Aufnahmegesellschaft meist erheblich verschlossener und weniger bereit, die Zuwanderer in die eigene Gesellschaft zu integrieren.

Die deutsche Kultur weist zwar keine hundertprozentige Schuldorientierung auf, aber doch eine sehr starke Prägung in dieser Richtung. Die Wurzeln der schuldorientierten Kultur - als Nachfolgerin einer Schamkultur - sind zum einen das judäo-christliche Weltbild, zum anderen die Aufklärung und der Humanismus sowie der methodische Atheismus, der sich in verschiedenen Bereichen (z.B. Naturwissenschaft, weltanschauliche Neutralität des Staates, säkulares Rechtssystem und Gewaltmonopol) als wertvoll erwiesen hat (und nicht mit dem ideologischen Atheismus - der häufig schamorientiert ist - verwechselt werden darf).

Im "Meer" der schuldorientierten Kulturgesellschaft gab und gibt es einige "Inseln" schamorientierter Kulturen - geschichtlich ist hier das NS-System ebenso wie das SED-System zu nennen. Aktuell lassen sich in manchen politischen Bewegungen (z.B. Linke, Rechtsextremisten, Nationalisten usw.) wie auch in manchen religiösen Strömungen (z.B. islamischer wie christlicher Fundamentalismus, diverse christliche bzw. religiöse Sondergemeinschaften usw.) schamorientierte Subkulturen ausmachen, zum Teil sind ganze Gruppen von Migranten schamorientiert. Nicht nur die islamische Kultur ist weithin schamorientiert, auch die "islamophobe" Szene ("Polically Incorrect", "Akte Islam", "Bürgerbewegung Pax Europa, die "Pro"-Bewegungen usw.) ist es.

Umgekehrt gibt es wiederum in jeder schamorientierten Kultur schuldorientierte Menschen, die aber oftmals als "Fremdkörper" wahrgenommen und unter Umständen verfolgt werden.

Schuldkultur

In einer Schuldkultur gilt, daß derjenige, der eine Normverletzung begangen hat, Schuld empfinden und sich um die Sühnung seiner Schuld sorgen soll. Ohne Bedeutung ist dabei immer, ob andere die Normverletzung bemerkt haben nicht, ob man fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat. Derjenige, dem ein Unrecht widerfährt, muß keine Schuld empfinden und sich um deren Sühnung sorgen, auch dann nicht, wenn er sich nicht um Ahndung des ihm geschehenen Unrechts bemüht. 

Unser Gewissen gilt als moralisches Korrektiv für unser Verhalten; das ruhige Gewissen wird als höchstes Gut betrachtet. Als moralische Maxime gilt: Verhalte dich stets so, daß dein Handeln als Grundlage für eine allgemeine Gesetzgebung gelten kann. 

Grundsätzlich gilt, daß nur eine kleine Zahl von Menschen - in der Regel die Eltern - das Gewissen prägen sollen. Von dieser kleinen Zahl von Menschen übernimmt man seine Verhaltensmaßstäbe und bildet ein Gewissen heraus, in dem sich die Normenvorstellungen manifestieren. 

Wer nun plant, sich einer Normverletzung schuldig zu machen, erhält von seinem Gewissen ein Signal, daß die geplante Tat eine Verletzung seiner Normen darstellt. Das löst einen Abwehrmechanismus aus, der im Idealfall die Normverletzung verhindert.

Wer sich aber doch einer Normverletzung schuldig macht, ist in seinem inneren Gleichgewicht von innen her gestört, er erlebt ein Schuldgefühl, das er auch als Bestrafung von innen heraus wahrnimmt, und er startet einen Entlastungsmechanismus - er sucht eine Möglichkeit, Buße zu tun, seine Schuld zu sühnen. Ist dies geschehen, fühlt er sich entlastet und kehrt zu seinem inneren Gleichgewicht zurück.

Schamkultur

In einer Schamkultur ist es eine dagegen große Zahl von Personen - etwa die Großfamilie, die Partei (-organisationen), der "Kanal Gottes" (Kirchen- bzw. Sektenleitung) usw. -, die prägend auf das Gewissen einwirken. 

Eine vorbildliche Person der jeweiligen Kultur wird für die Prägung des Gewissens als besonders vorteilhaft angesehen (darum spielen Auszeichnungen vorbildlicher Personen - Heilige, Märtyrer, "Helden der Arbeit" usw. - eine weit größere Rolle als in einer Schuldkultur). Der Kontakt zu nicht vorbildlichen Personen soll in dieser Zeit der Prägung beschränkt sein oder unterbleiben (sie werden darüber hinaus oft aus der Gesellschaft und vom öffentlichen Diskurs ausgeschlossen). Der junge schamorientierte Mensch übernimmt die Verhaltensmaßstäbe dieser prägenden Personen und bildet ein Gewissen heraus, in dem sich einerseits die Normvorstellungen manifestieren, andererseits die Sorge um die öffentliche Wertschätzung vor allem durch die Angehörigen der jeweiligen Kultur.

Meist gibt es eine starke Fremdüberwachung der Normen bis hin zur geheimen Bespitzelung. Es ist wichtig, in der Öffentlichkeit einen "guten Eindruck" zu vermitteln. Der Pflege der öffentlichen Erscheinung wird viel Aufwand gewidmet.

Wer nun plant, sich einer Normverletzung schuldig zu machen, erhält von seinem Gewissen das Signal, daß die geplante Tat die Verletzung seiner Normen darstellt und dazu führen kann, daß man die öffentliche Wertschätzung verlieren kann. Das löst einen Abwehrmechanismus aus, der im Idealfall die Normverletzung verhindert. 

Wer sich aber doch einer Normverletzung schuldig macht, erlebt im Falle, daß die Tat anderen nicht als Normverletzung bewußt wird, eine Störung seines inneren Gleichgewichts wegen der Sorge, daß seine Tat doch nicht anderen als Normverletzung bewußt wird. Erst nach einer mehr oder weniger längeren Zeit, wenn seine Befürchtung sich nicht bewahrheitet, eine Entdeckung unwahrscheinlicher wird, fühlt er sich entlastet und kehrt zu seinem inneren Gleichgewicht zurück. In dieser Zeit wird die Pflege der öffentlichen Erscheinung intensiviert und oft auch auf die Familie ausgedehnt. 

In dem Fall jedoch, daß die Tat anderen als Normverletzung bewußt wird, erlebt er eine Störung seines inneren Gleichgewichts sowohl von innen als auch von außen her. Sofort, wenn ihm bewußt wird, daß die Normverletzung öffentlich bemerkt wurde, erlebt er ein Schamgefühl, das als Bestrafung von innen heraus empfunden wird. Das aktiviert nun einen Abwehrmechanismus, der sich in erster Linie gegen die Wertung durch die Öffentlichkeit richtet (z.B. durch eine als gerecht empfundene Bestrafung). Ist dies erfolgreich, fühlt er sich entlastet und kehrt zu seinem inneren Gleichgewicht zurück.

Daraus folgt, das in einer Schamkultur nicht das ruhige Gewissen, sondern die öffentliche Wertschätzung als höchstes Gut gilt. Scham hat der zu empfinden, dessen Normverstöße auffallen - aber auch der, dem man ungeahndet öffentlich Unrecht tun kann. 

Öffentlich angetanes Unrecht muß darum geahndet werden. "Vergeben und vergessen" funktioniert keinesfalls.  

In einer Schamkultur spielt allerdings nicht nur das von einer Person individuell erfahrene öffentliche Unrecht eine Rolle, sondern auch das öffentliche Unrecht, das die jeweilige Kultur erfährt. In einem solchen Fall sind die Kulturangehörigen aufgefordert, das Unrecht zu ahnden; anderenfalls hat sie Scham zu empfinden. 

Alltag in Schuldkultur und Schamkultur

In Schuldkulturen ist nicht nur die Anzahl der das Gewissen in Hinsicht auf die Verhaltensmaßstäbe prägenden Personen gering, sondern auch die Anzahl der kulturell relevanten Normen, die zu beachten sind. Die Normen bleiben damit überschaubar - und drehen sich meist darum, Schuld zu vermeiden. Die typischen Alltagsthemen, bei denen es um "Ehre und Schande" geht, bleiben meistens eher außen vor und werden eher als Ratschläge präsentiert. 

Im Gegensatz dazu ist in einer Schamkultur die Anzahl kulturell relevanter Normen, die zu beachten sind, erheblich größer und damit weniger gut überschaubar. Hier geht es nicht darum, Schuld zu vermeiden, sondern Scham als Folge öffentlicher Normenverstöße.  Viele Aktivitäten des Alltags unterliegen darum genauen Normen, die zu beachten sind. Für Außenstehende ist es unmöglich, die ganze Vielfalt der kulturell relevanten Normen zu überblicken - doch nach dem Motto "Unwissenheit schützt vor Scham nicht" wird bei öffentlichem Fehlverhalten zumindest eine Entschuldigung erwartet.

Die Anziehungskraft schamorientierter Kulturen

Auf viele Menschen, die in einer Schuldkultur verwurzelt sind, wirkt die Schamorientierung etwa muslimischer Gemeinschaften anziehend. Hierfür ist vor allem das in einer schamorientierten Gesellschaft deutlicher spürbare Gemeinschaftsgefühl verantwortlich.  Dieses Gefühl verspricht Geborgenheit und Sicherheit. 

Menschen, die aus einer Schuldkultur kommen, dort aber keine für sie befriedigende Prägung des Gewissens und ihrer Verhaltensmaßstäbe erfahren haben, erleben schamorientierte, in ihren Verhaltensmaßstäben gefestigte Menschen als Vorbilder. 

Für einen in einer schuldorientierten Gesellschaft verwurzelten Menschen ist es verhältnismäßig einfach, in eine schamorientierte Gemeinschaft zu wechseln, weil es so gut wie keine "Überwachungsfunktionen" gibt, die einen solchen Wechsel erschweren oder sogar verhindern würde.

Umgekehrt ist der Wechsel von einer scham- in eine schuldorientierte Kulturgemeinschaft erheblich schwieriger und bedeutet meist, mit der bisherigen Gemeinschaft zu brechen. Man wird von den früheren Kulturgenossen dann leicht als "schamlos" betrachtet und nicht selten massiv unter Druck gesetzt. Die "Schamlosigkeit" gilt auch leicht als nicht allein kultureller "Verrat" an der Schamkultur

Die Sorge um die Schwachen

In einer schamorientierten Kultur haben die Menschen eine Verantwortung für Schwache - widerfährt ihnen öffentlich Unrecht (z.B. gilt "Missionierung" bzw. "Bekehrung" häufig als besonders schlimmes Unrecht), muß dieses geahndet werden, anderenfalls muß die ganze Gemeinschaft Scham empfinden. 

In einer schuldorientierten Kultur ist die Verantwortung für Schwache anders gelagert. Zum einen dreht sich die Sorge nicht nur öffentlich widerfahrendes Unrecht, sondern auch nicht öffentliches Unrecht ist aufzudecken. Der Schuldige soll die Verwerflichkeit seiner Tat einsehen und erkennen, daß eine Sühne erforderlich ist. Reue und Einsicht in die eigene Normverletzung Schwächeren gegenüber vermindert für gewöhnlich die Last der zu leistenden Sühne. Eine Sühne soll den, der einem Schwachen Unrecht getan hat, von einer Wiederholung abhalten. 

Religion in Schuldkultur und Schamkultur

Religion ist hier nicht nur im Sinne der klassischen Religionen wie Animismus, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus usw. zu verstehen, sondern weiter gefaßt, auch "pseudoreligiöses" Verhalten, das an Gottesdienste, Missionierung, Predigen, Bekehren usw. erinnert. So kann der Atheismus (gerade der "Neue Atheismus" der sog. "Brights") deutlich (pseudo-) religiöse Züge annehmen, ebenso die Weltanschauung der Linken wie auch der Rechtsextremen, manchmal auch die Verehrung einer "Lichtfigur" (siehe z.B. die "Obamanie", die geradezu religiöse Verehrung Obamas, die mit einer regelrechten Verteufelung von Bush einherging - schamorientierte Kulturen neigen m.E. häufiger als schuldorientierte zu einem Dualismus). Auch ohne den Glauben an Gottheiten, Geister usw., also ohne Metyphysik neigt der Mensch zu religiösem Verhalten. Hier werden vermutlich im Gehirn die gleichen Aktionen ablaufen, egal ob man nun an eine Gottheit denkt oder an was sonst. 

Auf den ersten Blick wirken schamorientierte Kulturen deutlich religiöser als schuldorientierte Kulturen, die eher "gottlos" zu sein scheinen. Religionen oder auch Pseudo-Religionen bzw. typisch religiöses Verhalten wirken geradezu als "Schmiermittel" schamorientierter Kulturen. In schamorientierten Kulturen verhält man sich - vor allem in der Öffentlichkeit - religiöser, man gestaltet Verrichtungen des täglichen Lebens eher im Stil eines Gottesdienstes, man predigt, missioniert, drängt auf Bekehrungen - und das Verhalten "Ungläubigen" gegenüber erinnert oft an Hexenverfolgungen, Inquisitionen und Kreuzzüge, gerade bei öffentlichen Normverletzungen. Religiöse Vorstellungen werden von einer großen Zahl von Menschen geprägt. Die Religionsfreiheit ist stark eingeschränkt, vor allem was "Bekehrungen" aus dem schamorientierten Umfeld hinaus angeht.

In Schuldkulturen ist die Religiosität im Allgemeinen dem Gewissen des Einzelnen überlassen; religiöse Vorstellungen (gerade im moralischen Bereich) werden von wenigen Personen (meist den Eltern) geprägt. Nicht nur das öffentliche Ausüben der Religion spielt eine tragende Rolle, sondern auch die private Religiosität im "Stillen Kämmerlein". Die Religionsfreiheit ist eher nicht eingeschränkt; auf einen weltanschaulichen Pluralismus (und die weltanschauliche Neutralität des Staates) wird großer Wert gelegt. 

In diesem Zusammenhang ist die schamorientierte "metareligiös-pluralistische Religion" im postchristlichen Europa eine interessante Erscheinung. Man gibt sich zwar pluralistisch, meint damit aber nur: "alle Religionen haben gleichermaßen Recht", nämlich in dem Maße, wie sie mit der Metareligion, die über allen anderen steht, übereinstimmen. Aber dafür haben nicht nur alle Religionen keinesfalls die gleichen Rechte, sondern manche Religionen, die den Dogmen und Kulthandlungen der Metareligion nicht zustimmen, haben ausgesprochen wenig Rechte und werden daran gehindert, ihre Religion frei auszuüben. 

Das Christentum in scham- und schuldorientierten Kulturen

Das Christentum ist in einer schamorientierten Gesellschaft entstanden - sowohl das Umfeld der Menschen des Ersten Bundes wie auch das des Zweiten war vollständig schamorientiert. In der Moderne ist das Christentum nicht nur nicht an der Schamkultur hängengeblieben, sondern wurde sogar zu einer der Wurzeln der Schuldkultur - neben der Aufklärung und dem Humanismus. 

Das Christentum ist an und für sich kompatibel sowohl zur Scham- wie auch zur Schuldkultur. Je konervativer, biblizistischer, fundamentalistischer es sich gibt, desto stärker wird eine kulturelle Schamorientierung. Allerdings fördert auch eine eher linke, stark liberale Ausrichtung eine kulturelle Schamorientierung. Am ehesten neigen der linke Flügel der Evangelikalen (Neoevangelikale), die "Mitte" und der konservative Flügel der Liberalen der Schuldkultur zu - es ist also eine "Kultur der Mitte".

In der Postmoderne bröckeln die "Ränder" des Christentums, das seit der Moderne die Mitte des abendländischen Kultur darstellte, auf der einen Seite in eine konservativ-fundamentalistische und auf der anderen Seite in eine links-liberale Schamkultur ab. Auf der einen Seite verbündet man sich mit politisch konservativen Kräften bis hin nach rechts außen, auf der anderen Seite mit politisch linken Kräften bis hin nach links außen. Die eine Seite begegnet der "größten schamorientierten kulturellen Herausforderung der Postmoderne", dem Islam, mit Ablehnung und Feindschaft, die andere deutlich offener, vom blauäugigen Dialog bis hin zur interreligiösen Ökumene. Die eine Seite solidarisiert sich mit den USA und Israel gegen die "Feinde der freien Welt", die andere solidarisiert sich mit den Arabern im Allgemeinen und den Palästinensern im Besonderen und gegen die USA und gegen Israel. 

Obwohl zumindest linksevangelikale Christen sich eher für eine schuldorientierte Kultur aussprechen werden, ist es wichtig, mit Angehörigen der verschiedenen Schamkulturen in guter Nachbarschaft zusammen zu leben (Konvivenz): Gegenseitig helfen, voneinander lernen, miteinander feiern. Nur so kann das Zusammenleben von Menschen, die in verschiedenen Kulturen leben, gelingen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 11:38 Uhr
 
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