|
Beweist die Tatsache, daß das Universum, unser Sonnensystem und die Erde so perfekt auf das Leben abgestimmt sind, nicht die Existenz eines "Intelligenten Designers", der dieses Universum so planmäßig geschaffen hat?
Zu den wichtigsten Argumenten der "Intelligent Design"-Bewegung gehört das"Finetuning" des Universums - beweist nicht die Tatsache, daß die Notwendigkeit für die Existenz des Lebens nahezu perfekt mit den Gegebenheiten im Universum, in unserem Sonnensystem und auf der Erde übereinstimmen, daß dies alles von einem "Intelligenten Designer" geplant worden sein muß? Nur eine relativ geringe Abweichung in nur wenigen Parametern, und das Leben wäre nicht möglich!
Es stimmt - nur weil wir die Natur so vorfinden, wie sie ist, können wir so existieren, wie wir sind. Eine etwas andere Größe der Sonne, eine nur geringfügig andere Konstellation der Planeten, eine nur wenig engere oder weitere andere Umlaufbahn der Erde um die Sonne, ein nicht vorhandener Mond, eine nur geringfügig andere Neigung der Erdachse,ein schwächeres oder gar nicht vorhandenes Magnetfeld der Erde - schon würden wir nicht existieren, hätte das Leben, wie wir es kennen, nicht entstehen können. Das steht außer Frage.
Beweist also schon die Existenz der Beobachter des Universums, daß dieses von einem "Intelligenten Designer" geplant wurde?
Ich denke, das Problem an diesem "Beweis" besteht darin, daß das Leben zu eng definiert wird. Wir Menschen scheinen uns nicht wirklich vorstellen zu können, daß es prinzipiell auch eine ganz andere Form des Lebens geben könnte, die eben nicht auf den Parametern beruht, die wir auf der Erde vorfinden.
Man sieht das ja schon an den allermeisten Science-Fiction-Filmen - außerirdisches Leben ist da immer mehr oder weniger wie wir, und wenn nicht menschenähnlich, dann doch wenigstens wie eine Echse, ein Insekt, ein Fisch, ein Vogel oder ein Salat (immerhin haben wir ja rund 40 % unseres genetischen Codes mit Salat gemeinsam).
Vermutlich würde Leben unter anderen Umständen völlig anders beschaffen sein - so anders, daß wir es uns gar nicht vorstellen können.
Ich denke, nicht das Universum ist in Bezug auf uns "fein abgestimmt" - wir entsprechen einfach den Umständen, die im Universum, im Sonnensystem und auf der Erde nun einmal gegeben sind. Wir sind in Bezug auf die Parameter der Natur fein abgestimmt - von der ersten in einer "Ursuppe" herum schwimmenden Aminosäure über unseren Verwandten, den Salat, bis hin zu uns modernen Menschen. Die Feinabstimmung ist eine Folge der Evolution des Lebens.
Bedeutet das nun, es gibt keinen Gott? Natürlich nicht. Aus der Feinabstimmung des Lebens auf die Nichtexistenz Gottes zu schließen wäre ein Mißbrauch der Naturwissenschaft.
Interessanter ist aus christlicher Sicht die "Feinabstimmung" Gottes, als er sich dieser Welt offenbart hat - die Kondeszendenz (Herablassung) Gottes, sich den gleichen Bedingungen zu unterwerfen wie wir, als er Mensch wurde, uns in allen Dingen (außer der Sünde) gleich, von dem armen Kind in der Krippe zu Betlehem bis hin zu dem Dulder am Kreuz von Golgatha. Die "Feinabstimmung" eines Gottes, der uns in unserem Gewissen überführen will, der vom Kreuz her bittet: Laßt euch versöhnen mit Mir, ist das eigentliche Wunder - nicht ein Universum, das mehr oder weniger perfekt auf das Leben abgestimmt ist (wobei das Leben tatsächlich immer ein wenig den sich wandelnden Umweltbedingungen hinterherhinkt und nie wirklich perfekt in Übereinstimmung mit der Umwelt und ihren Parametern steht).
Was ist größer - ein von Gott fein abgestimmtes Universum oder ein Gott, der sich in Feinabstimmung perfekt den Menschen anpaßt, die er retten will?
|