|
Was haben Christen für eine Ethik?
Häufig glaubt man, die christliche Ethik bestehe vor allem aus Verboten - wobei es sich um alles handelt, was Spaß macht - also vor allem aus dem Bereich der Sexualität.
Leider hat sich die christliche Ethik auch über Jahrhunderte genau so präsentiert - Verbote, Verbote, Verbote... Bestimmte Dinge wurden für schlecht erklärt, und die Aufforderung war einfach: Laß es bleiben.
Dabei ist es natürlich nicht immer nur um den Bereich der Sexualität gegangen, aber die "großen Verbote" christlicher Ethik haben sich schon um sexuelle Themen gedreht.
Soweit sich Christen an diese negative Ethik gehalten haben, mußten sie fast alle erleben, daß man bestimmte Denk- und Verhaltensmuster einfach nicht los wird, egal wie oft man den Vorsatz faßt, das Verbotene sein zu lassen. Oftmals wird man immer weiter in den Strudel hineingezogen.Die "sündigen Begierden" lassen sich einfach nicht ausrotten.
Von der Bibel her sollte das Fundament christlicher Ethik aber nicht auf dem basieren, was denn alles verboten ist, sondern auf dem, was erlaubt ist - und auf dem, wie man Verbotenes positiv umlenken kann.
Denn eines ist klar: Der christliche Glaube kennt Dinge, die verboten sind. Kurz gesagt handelt es sich dabei um Mangel an Gottesliebe und Mangel an Nächstenliebe.
Positive Ethik erwartet nicht, daß wir bestimmte "böse Werke" sein lassen, sondern daß wir die "guten Werke" tun:
- Liebe Gott mit ganzer Kraft, von ganzem Herzen und mit ganzem Verstand
- Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst
- Trage die Last des anderen
Wo uns "böse Begierden" zu schaffen machen, verlangt die christliche Ethik nicht, daß wir gegen sie ankämpfen oder sie auszurotten versuchen, sondern daß wir sie in Richtung auf den Dienst für Gott und für den Nächsten produktiv "umlenken".
Gute Werke sind kein "entbehrliches Extra" für Christen, auch wenn die Reformation betont, daß wir allein aus Glauben, allein durch die Gnade errettet sind und eben nicht durch gute Werke. Gute Werke ersetzen den Glauben nicht, aber Glaube ohne Werke ist tot.
Gott weiß, daß der Mensch die "bösen Begierden", die er in sich trägt, nicht auszurotten vermag, auch nicht nach dem Motto "hilf dir selbst, dann hilft dir Gott". Darum verlangt Gott das auch nicht von uns - und er wird uns auch nicht nach den "bösen Begierden" in uns richten; Jesus hat diese "bösen Begierden" am Kreuz für uns getragen, wir sind gerechtfertigte Sünder.
Gott erwartet aber - und hilft uns dabei -, daß wir nicht nur gute Werke tun, sondern all das, was da an "bösen Begierden" in uns ist, produktiv für den Dienst an ihm und am Nächsten "umlenken".
|