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Beweist die irreduzible Komplexität nicht, daß die Entstehung des Lebens nur durch Kreationismus oder Intelligentes Design, nicht aber durch Evolution entstanden sein kann?
Hinter dem Begriff "irreduzible Komplexität" verbirgt sich die Tatsache, daß manche Dinge in der Natur so aufgebaut sind, daß sie nur in ihrer vollständigen Komplexität existieren können, nicht aber, wenn man einen Teil wegnimmt, also das System reduziert, wodurch es nicht mehr funktionsfähig ist.
An dieser Stelle muß ich darauf hinweisen, daß ich kein Naturwissenschaftler bin, sondern ein Laie. Wenn Sie mehr über das Themas erfahren wollen, wenden Sie sich bitte an einen Naturwissenschaftler, etwa einen Biologen.
Tatsächlich ist die irreduzible Komplexität mancher Systeme gerade in der Biologie (beispielsweise das Auge, die Bakteriengeißel, das Blutgerinnungssystem, das Immunsystem usw.) ein sehr schwieriges Thema. Die Biologie steht oftmals noch am Anfang, diese irreduzibel komplexen Systeme zu erklären. Vertreter des Kreationismus und des Intelligenten Design greifen diese Lücken auf, um damit die Unmöglichkeit der Evolutionstheorie zu erklären. Denn, so sagen sie, es ist völlig unmöglich, daß ein irreduzibel komplexes System, bei dem verschiedene Teile sich gleichzeitg durch verschiedene "Zufälle" entwickeln müssen, entsteht, wenn dahinter nicht ein Schöpfer bzw. ein Intelligenter Designer steht.
Als Laie bin ich über vier Erklärungsansätze gestolpert, um zu erklären, warum ein irreduzibel komplexes System dennoch durch Evolution entstanden sein kann. Vermutlich gibt es weit mehr Erklärungen für irreduzibel komplexe Systeme.
Als erstes ist die Gen-Verdoppelung zu nennen. Ein funktionsfähiges Gen kann sich verdoppeln, und während das Original seine bisherige Funktion auch weiterhin ausübt, verändert sich die Kopie dieses Gens in Richtung einer neuen Funktion, ohne zwangsläufig durch die Selektion ausgeschaltet zu werden, auch wenn die Veränderung eine lange Zeit in Anspruch nimmt.
Als zweites ist die genetische Co-Option zu nennen. Ein Gen kann mehrere verschiedene Funktionen gleichzeitig ausüben. Es ist keinesfalls so, daß ein Gen nur genau eine Funktion hat.
Als drittes ist der genetische Funktionswechsel zu nennen. Ein Gen kann seine Funktionalität wechseln.
Als viertes - wir verlassen nun die genetische Ebene - ist der Funktionswechsel eines Systems zu nennen. Ein System, das eine bestimmte Funktion im Organismus ausübt, kann sich so verändern, daß es eine neue Funktion ausübt. Gerade diese Möglichkeit ist vielfach beobachtet worden - die Bakteriengeißel (Flagelle) etwa, die der Fortbewegung gewisser Bakterien dient, nimmt in anderen Bakterien eine andere Funktion wahr, etwa die Übertragung von Substanzen auf eine andere Bakterie. Auch der von Kreationisten oft genannte Hochstab des Aaronstabes geht auf Systeme anderer Pflanzen zurück, die eine andere Funktion haben.
Viele Menschen gehen davon aus, daß ein bestimmtes System sich linear entwickelt haben müßte - erst war da nichts, und dann entwickelt sich in einer Reihe von geraden, zielgerichteten Schritten - geradewegs auf das Ziel hin - das endgültige System. In Wirklichkeit ist es aber wohl eher so, daß die Evolution nicht immer den geraden Weg direkt zum Ziel nimmt, sondern zum Teil umständliche Umwege in Kauf nimmt. Gene verdoppeln sich, damit die Kopien sich verändern können. Gene nehmen verschiedene Funktionen gleichzeitig wahr und wechseln ihre Funktionen. Ein funktionierendes System nimmt plötzlich eine andere Funktion wahr. Das ist der Stoff, aus dem die Evolution ist. So ist auch die Entstehung eines irreduzibel komplexen Systems möglich.
Bedeutet die Tatsache, daß es beispielsweise auf genetischer und funktionaler Ebene Möglichkeiten gibt, auch irreduzibel komplexe Systeme hervorzubringen, daß das Leben ohne das Wirken Gottes entstanden ist? Nun, die Naturwissenschaft ist für die Frage nach dem "Wer" nicht zuständig. Sie fragt nicht, wer für die Evolution in Physik, Geologie und Biologie zuständig ist, sondern wie sie geschieht.
Von daher läßt die Evolutionstheorie die Frage offen, ob es einen Schöpfergott gibt oder nicht. Diese Frage kann nur die Metaphysik beantworten, nicht die Naturwissenschaft. So wird ein gläubiger Christ auch dann, wenn sich die Entstehung eines irreduzibel komplexen Systems auch ohne einen "Intelligenten Designer" erklären läßt, das Wirken Gottes glaubend erkennen.
Anderswo in dieser FAQ kann man nachlesen, daß sowohl die Offenbarung Jesu Christi als auch die Offenbarung des Wortes Gottes von der Christologie her als eine Offenbarung in Knechtsgestalt gedeutet werden muß. Hier ein kleines Kind in der Krippe und ein Dulder am Kreuz, dort das Wort Gottes, das dem Wort der Menschen ausgeliefert ist - und die Schöpfungsmacht offenbart sich ganz ähnlich in der "Knechtsgestalt" von beispielsweise Gen-Verdoppelung, genetischer Co-Option, genetischer Funktionsänderung und der Funktionsänderung von Systemen. Nicht ein schlagender Beweis für Gott tritt dem Menschen entgegen, wenn er die Schöpfung und selbst irreduzibel komplexe Systeme betrachtet, kein Schauwunder - und so ist nur sein Gewissen gefragt, ob er die Offenbarung des Schöpfergottes in Knechtsgestalt erkennt. Wer sich von seinem Gewissen überführen läßt, wird auch in einem "zufllig" entstandenen irreduzibel komplexen System die Fülle der Schöpfungskraft Gottes erkennen.
Gott verhüllt seine Schöpferkraft nicht, um den Menschen in die Irre zu führen, sondern weil ein echtes Schauwunder in der Schöpfung den Menschen ja zum Glauben zwingen, ihn zu einer Marionette erniedrigen und ihm die Freiheit nehmen würde.
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