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Zufall (Evolution) PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 10. Juli 2009 um 15:41 Uhr

Welche Rolle spielt der Zufall in der Evolutionstheorie?

Das eine vorweg: Ich bin kein Naturwissenschaftler. Meine Ausführungen zum Faktor "Zufall" sind die die eines Laien, der sich aber intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat. Wenn Sie mehr wissen wollen, fragen Sie bitte einen Naturwissenschaftler.

Die Annahme, daß der Faktor "Zufall" eine Entstehung des Lebens, wie es die Evolutionstheorie beschreibt, unmöglich macht, wird sowohl von Kreationisten als auch von Vertretern des "Intelligenten Design" angeführt. Beliebt ist der Vergleich mit einem Schrottplatz - wie wahrscheinlich ist es, daß ein Orkan, der über einen Schrottplatz fegt, aus den dort liegenden Schrotteilen ein Flugzeug konstruiert?

Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist so gering, daß sie realistisch betrachtet gegen Null geht. Auch in Jahrmillionen wird auf diese Weise kein noch so primitives Flugzeug entstehen. Auch wird ein Orkan in einer Druckerei niemals ein lesbares Buch zustande bringen, und selbst Millionen Schimpansen, denen man Schreibmaschinen gibt, auf denen sie herumtippen, werden niemals ein Werk von der Qualität Shakespeares, Goethes oder der Bibel erstellen - oder wenigstens ein Flugblatt über die artgerechte Haltung von Menschenaffen. Das kann in Millionen Jahren nicht geschehen.

Das Problem an diesen Bildern ist, daß Physiker, Geologen und Biologen - also diejenigen Naturwissenschaftler, in deren Fachbereiche die Evolutionstheorie fällt - den Faktor "Zufall" ganz anders definieren. Es geht eben nicht um ein Würfelspiel oder um einen Orkan oder Millionen von tippenden Schimpansen, sondern um etwas, das besser mit den Begriffen "Wahrscheinlichkeit" und "Statistik" beschrieben wird.

Hinzu kommt, daß in den oben genannten Beispielen außer Acht gelassen wird, daß wir es in der Evolutionstheorie in der Regel mit Vorgängen zu tun haben, die nicht unabhängig voneinander ablaufen, sondern komplex voneinander abhängen. Viele Schritte bauen auf vorangegangenen Schritten auf.

Ein viel besseres Beispiel für den Faktor "Zufall" ist ein Schüttelsieb, in dem sich viele kleinere, mittlere und größere Kieselsteine befinden. Wie wahrscheinlich ist es, daß es durch "Zufall" gelingt, diese Kieselsteine so zu ordnen, daß die kleinen unten, die mittleren in der Mitte und die großen oben zu liegen kommen? Der Zufall allein scheint das nicht bewerkstelligen zu können - aber sobald jemand nun das Schüttelsieb nimmt und ganz und gar zufällige horizontale Schüttelbewegungen ausführt, wird er innerhalb recht kurzer Zeit genau diese Ordnung erzeugen (und nebenbei auch noch Information; denn höhere Ordnung in einem System bedeutet mehr Information). Ihm kommt dabei - neben der Tatsache, daß die Bewegungen der Steine nicht unabhängig voneinander sind - ein wichtiges "Regelinstrument" zu Hilfe, die Gravitation. Sie sorgt dafür, daß bei den horizontalen Schüttelbewegungen die Kieselsteine nicht nur in der Horizontalen bewegt werden, sondern daß die kleineren Kieselsteine durch die Lücken zwischen den größeren nach unten rutschen.

Beide, die horizontalen Schüttelbewegungen und die Gravitation, können völlig ohne eine von außen eingreifende Intelligenz, ohne einen "Intelligenten Designer" auskommen. Dennoch entsteht "zufällig" Ordnung, und es entsteht auch Information.

Dieses "Regelinstrument" spielt auch in der Evolutionstheorie eine wichtige Rolle. Wir haben es stets mit einem geregelten "Zufall" zu tun. Was unsere Stürme über dem Schrottplatz oder in einer Druckerei und was unsere tippenden Schimpansen brauchen, ist ein Regelinstrument. Erst wenn man dieses jeweils in den Vergleich einbaut, läßt es sich analog zum Faktor "Zufall" in der Evolutionstheorie verwenden. Unseren tippenden Schimpansen stellt man also sinnvollerweise statt der Schreibmaschinen Computer zur Verfügung, die das Getippsel jeweils auf einen enthaltenen Sinn kontrollieren - und wenn der vorliegt, das Getippte behalten. Auf diese Weise können schon ein paar Schimpansen in sehr kurzer Zeit beispielsweise eine Anleitung für die artgerechte Haltung von Schimpansen schreiben.

Diese Steuer- und Regelmechanismen klingen für den Nichtfachmann unrealistisch, aber es gibt sie. Wir haben gesehen, daß schon die Gravitation als ein solcher Mechanismus dienen kann. Die physikalische, geologische und auch biologische Evolution kennt viele solche Mechanismen, auch wenn sie noch längst nicht alle völlig verstanden hat. Sie sind aber beispielsweise in unseren Genen und sorgen dafür, daß die Mutationen in geregelten Bahnen verlaufen. Dank ihnen kann etwa ein Bakterium in sehr kurzer Zeit so mutieren, daß es immun gegen Antibiotika wird.

Es ist irreführend, in diesem Zusammenhang von "Zufall" zu sprechen.

Die Naturwissenschaft kann nicht voraussagen, wann der Zustand völliger Ordnung und erreicht ist - aber sie kann mit dem Werkzeug der Statistik Wahrscheinlichkeiten berechnen.

Wir haben also eine "Trias", eine Dreiheit: Den "Zufall", natürliche Regel- und Steuerungsmechanismen und die Statistik, mit der wir Wahrscheinlichkeiten errechnen können.

Bedeutet die Tatsache, daß es einen "geregelten Zufall" in der Evolution gibt, daß das Leben ohne das Wirken Gottes entstanden ist? Nun, die Naturwissenschaft ist für die Frage nach dem "Wer" nicht zuständig. Sie fragt nicht, wer für die Evolution in Physik, Geologie und Biologie zuständig ist, sondern wie sie geschieht.

Von daher läßt die Evolutionstheorie die Frage offen, ob es einen Schöpfergott gibt oder nicht. Diese Frage kann nur die Metaphysik beantworten, nicht die Naturwissenschaft. So wird ein gläubiger Christ auch hinter dem "geregelten Zufall" und ohne einen "Intelligenten Designer" das Wirken Gottes glaubend erkennen - Gott hält etwa die Gravitation aufrecht und auch die horizontale Schüttelbewegung, so daß unsere Kieselsteine sich nach Größe ordnen und dabei Information anhäufen.

Anderswo in dieser FAQ kann man nachlesen, daß sowohl die Offenbarung Jesu Christi als auch die Offenbarung des Wortes Gottes von der Christologie her als eine Offenbarung in Knechtsgestalt gedeutet werden muß. Hier ein kleines Kind in der Krippe und ein Duklder am Kreuz, dort das Wort Gottes, das dem Wort der Menschen ausgeliefert ist - und die Schöpfungsmacht offenbart sich ganz ähnlich in der "Knechtsgestalt" des "Zufalls". Nicht ein schlagender Beweis für Gott tritt dem Menschen entgegen, wenn er die Schöpfung betrachtet, kein Schauwunder - und so ist nur sein Gewissen gefragt, ob er in diesem "Zufall" die Offenabrung des Schöpfergottes in Knechtsgestalt erkennt. Wer sich von seinem Gewissen überführen läßt, wird im "Zufall" die Fülle der Schöpfungskraft Gottes erkennen. 

Gott verhüllt seine Schöpferkraft nicht, um den Menschen in die Irre zu führen, sondern weil ein echtes Schauwunder in der Schöpfung den Menschen ja zum Glauben zwingen, ihn zu einer Marionette erniedrigen und ihm die Freiheit nehmen würde.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 11:52 Uhr
 
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