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Christlicher Glaube - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 25. Oktober 2008 um 12:58 Uhr

Was ist Sünde eigentlich?

Ich wurde einmal von einem Atheisten gefragt, was er denn tun müsse, um zu sündigen. Die Antwort, die ich ihm gab, war ebenso provokant wie seine Frage: "Lebe einfach genau so weiter wie bisher. Lebe einfach so, wie du es für richtig hältst. Gib dich jeder Leidenschaft hin, die dich überfällt, laß dich von jeder Lust treiben, die dir in den Sinn kommt, tue Gutes oder Böses, wenn dir je und je danach der Sinn steht, liebe deine Freunde oder Feinde oder hasse sie, je nachdem, wie du gerade drauf bist, geh in die Kirche zum Beten oder Fluchen, falls du das eine oder andere tun möchtest - mache einfach das, wonach dir gerade der Sinn steht. Laß dich von deiner Lust und deinen Gefühlen leiten und davon, ob die Menschen (und Gott), mit denen du gerade zu tun hast, dir Gutes tun, dich loben, dich bestätigen und dir sagen, wie toll du doch bist, oder ob sie dich kritisieren, nerven, etwas von dir erwarten. Du mußt gar nicht beschließen zu sündigen. Am Gelingen der Sünde mußt du nicht arbeiten. Das Sündigen passiert ganz einfach von selbst."

Viele Menschen glauben, daß "Sünde" eine moralische Bewertung beinhaltet, das Sündigen also eine Frage mangelnder Moral oder reiner Amoralität wäre. Da haben wir dann den "Kaloriensünder", den "Verkehrssünder", die "Sünderkartei" in Flensburg, die "kleine Sünde", die der "liebe Gott" sofort bestraft, während die Strafe für "große Sünden" neun Monate auf sich warten lasse...

Das biblische Wort für Sünde bedeutet allerdings "Zielverfehlung". Sünde ist, wenn wir die Ziele, das Gott uns gesetzt hat, verfehlen.

Der Mensch hat von Gott genau zwei Lebensziele gesetzt bekommen, die im biblischen Bericht vom Sündenfall von zwei Bäumen, dem "Baum der Erkenntnis von Gut und Böse" und dem "Baum des Lebens", symbolisiert werden:

  1. Leben in Abhängigkeit von Gottes Gesetzen und Ordnungen
  2. Leben in Abhängigkeit von Gottes ewigem Leben

Nach dem Bericht über den Sündenfall hat der Mensch gegen das erste Lebensziel verstoßen, doch ehe er gegen das zweite Lebensziel verstoßen konnte, hat Gott ihn vom "Baum des Lebens" weg und aus dem Paradies verstoßen. Hätte er auch dieses Lebensziel verfehlt, so wäre seine biologische Existenz heute ohne ein Ende; aber es wäre kein ewiges Leben, wie Gott es ermöglicht, sondern eher ein "ewiges Sterben", also eine durch die Sünde dem Sterben verfallene Existenz, die aber kein Ende findet - eine reine Horror-Vorstellung.

Dennoch gilt eine der Anstrengungen, die die Menschheit mit außerordentlich viel Einsatz verfolgt, der Verlängerung der menschlichen Existenz des Einzelnen, der Gruppe oder der ganzen Menschheit oder sogar der ganzen Schöpfung. Der Gedanke, daß irgendwann alles aus ist, erfüllt viele Menschen mit Panik. Wenigstens in ihren Nachkommen wollen sie weiterleben, ihre Ideen sollen weiterleben, die Umwelt muß so stabilisiert werden, daß ja keine einzige Art ausstirbt, sollte das Leben auf der Erde je unmöglich werden, muß die Menschheit extraterrestrisch überleben... Würden sich all die Anstrengungen der Menschen, das Leben zu verlängern, in die Realität umsetzen lassen, wäre das Leben vermutlich eine Hölle auf Erden (oder auf einer Raumstation oder dem Mars oder wo sonst...)

Doch wir werden vor dieser Hölle verschont bleiben: Die Versuche, das Leben zu verlängern, scheitern schon lange, ehe wir verdammt sind, ewig zu sterben. Ein Engel mit einem flammenden Schwert verhindert, daß wir unser Leben gegen ein ewiges Sterben eintauschen. Wer ewig leben will, kann das nur, wenn er sich von Gott abhängig macht, aber das geht dann nur im Rahmen der Gesetze und Ordnungen Gottes.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das Leben ist heilig. Das Leben ist etwas ganz Besonderes. Solange wir uns nicht einbilden, wir könnten oder müßten das Leben um jeden Preis verlängern, ist der Einsatz für das Leben ein Ziel, das wir im Rahmen der Gottes- und Nächstenliebe befolgen werden. Wer das Leben gering achtet, der sündigt, und wer das Leben um jeden Preis erhalten will, der sündigt auch. Dem Leben ist es bestimmt, einmal zu sterben; denn nur dann können wir auch in das ewige Leben eingehen.

Aus christlicher Sicht haben sich die von den Christen zu befolgenden Ordnungen und Gesetze darauf reduziert, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Paulus lehrt, daß, wenn wir einer des anderen Last tragen, das Gesetz Christi erfüllen. Es gibt keine Gebote und Verbote, was wir essen dürfen, keine Opfervorschriften, die zu beachten wären, keine Kleiderregeln und dergleichen mehr.

Nach dem Motto "weniger ist mehr" sind die Ordnungen und Gesetze Gottes auf die Gottes- und Nächstenliebe reduziert, aber was den Nächsten betrifft, so ist damit eben sogar der Feind gemeint - der Nächsten ist stets der, dem ich gerade begegne, egal, ob er mir sympathisch ist oder nicht, egal ob er mir wohlgesonnen ist oder nicht. 

"Weniger ist mehr" meint zwar weniger Gebote und Verbote, also ein Weniger an Quantität, aber dafür ein deutliches Mehr an Qualität. Gerade einmal zwei Gebote, die Gottes- und die Nächstenliebe, aber die haben es in sich, und sie nicht zu befolgen, das ist Sünde.

Wie liebe ich nun Gott? Und wie meinen Nächsten? Es richtet sich sehr stark nach den jeweiligen Gegebenheiten. Es gibt kein "Gesetzbuch" für die Gottes- und Nächstenliebe, sondern es ist in außerordentlichem Maß abhängig von der Situation, in der ich mich jeweils befinde. 

In jeder Situation ist die Bibel der Kompaß, der mir den Weg zum Ziel zeigt. Dabei geht es nicht um Buchstabenglauben, sondern um den Geist der Schrift. Gottes Wort ist ja hinein gegeben in die Sprache der Menschen, spricht zu mir in ihren zeitgenössischen Worten. Die Bibel will für die Anwendung im Hier und Jetzt ausgelegt werden, und da nimmt man die zeitgenössischen Worte, in denen Gottes Wort zu uns spricht, zwar ernst - aber übersetzt sie in die Worte unserer Zeit, unserer Kultur. Das gilt insbesondere für das Alte Testament.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 11:39 Uhr
 
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