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Im Nahen Osten stehen umgreifende Veränderungen an. Die Tage der pro-westlichen, aber ihre eigene Bevölkerung unter unseren wegschauenden Augen brutal unterdrückenden Regimes sind gezählt. Sie werden Demokratien weichen, und diese Demokratien werden voraussichtlich, ähnlich wie in Hamastan Gaza, islamistisch geprägt sein.
In Ägypten etwa steht die Muslimbruderschaft kurz vor dem Erreichen ihres Ziels, der Regierungsbeteiligung oder sogar, was zumindest mittelfristig gesehen wahrscheinlicher ist, Regierungsübernahme.
Das wird ohne Zweifel Auswirkungen auf die Beziehungen etwa zum Westen haben - sei es nun Europa oder seien es die USA -, Auswirkungen auf die Theologie an der al-Azhar-Universität, dem Zentrum des sunnitischen Islam, dessen Führung bisher mit schöner Regelmäßigkeit die Entscheidungen des pro-westlichen Mubarak-Regimes abnickte, Auswirkungen auch auf die Beziehungen zu Israel - aber auch zum Iran.
Die neue Achse des Islamismus könnte nicht nur Teheran - Ankara heißen, sondern auch Kairo mit einbeziehen. Auch das Teheraner Atom-Programm muß jetzt unter neuen Blickwinkeln betrachtet werden.
Auf Israel kommen schlimme Zeiten zu, sobald die Veränderungen in Ägypten abgeschlossen sind. Wir sollten hierzulande vielleicht darüber nachdenken, die jüdische Bevölkerung Israels zu ihrem Schutz nach Deutschland zu holen und ihnen weite Teile unseres Landes als neues Staatsgebiet zu überlassen.
Was die Demonstranten in Ägypten und anderswo betrifft - sie haben die besten Intentionen, sie haben ehrenwerte Absichten, berechtigte Anliegen. Ich stehe auf ihrer Seite. Sie verdienen unsere Unterstützung - um so mehr, als wir ihre Interessen und ihr Wohlergehen bisher sträflich vernachlässigt haben (und das auch in Zukunft tun werden). Wir sollten uns aber nicht der Illusion hingeben, daß sie letzten Endes auch an einer demokratischen Regierung beteiligt wären.
Für uns stellt sich die Frage, wie wir damit umgehen, wenn radikale Islamisten ganz demokratisch und völlig legal an die Macht kommen, sei es in Tunesien, in Ägypten oder anderswo. Am Beispiel des Gazastreifens haben wir schon sehen können, wohin das führen kann - dort zeigt die Hamas in High Definition, 3D und Raumklang, wie das Endresultat aussieht (wer will, darf auch noch einmal über die demokratischen Wege nachdenken, mittels derer im letzten Jahrhundert die Nazis an die Macht gelangten, auch wenn die Vergleiche nicht immer angebracht sind).
Daß wir im Westen jetzt einen nach dem anderen unsere Verbündeten im Nahen Osten verlieren, tut mir nicht wirklich leid - außer für Israel. Uns geschieht das nur recht, weil wir nämlich die Leute, die unter diesen Verbündeten leiden mußten, vergessen haben - wenn nicht sogar bewußt unseren Interessen geopfert haben.
Leid tun mir jene, die bald noch mehr leiden müssen als jetzt schon, die verschiedenen religiösen und anderen Minderheiten, seien es Christen, Ahmadiyya, Bahai oder wer sonst. Die Demokratie schützt in der Theorie die Minderheiten, aber in der Praxis sieht es eben oftmals anders aus.
Ist es gut für die Menschen im Nahen Osten, wenn insbesondere pro-westliche, doch zur Autokratie neigende Regimes durch Demokratien abgelöst werden? Für die Angehörigen der jeweiligen Majoritäten gewiß, doch für die Minoritäten sehe ich Probleme am Horizont.
Nein, ich halte die Menschen im Nahen Osten nicht für ungeeignet oder unreif für die Demokratie. Ich halte uns nur für ungeeignet, mit einem demokratischen Nahen Osten zurecht zu kommen. Wir sind so an die autoritären, menschenverachtenden Regimes im Nahen Osten gwöhnt, daß uns schon das demokratische Israel zur Belastung wird, die wir gerne loswerden würden.
Die Demokratie Israel wird bald nicht die einzige Demokratie im Nahen Osten sein, die nicht immer das tut, was wir im Westen erwarten, sondern die ihre eigenen Wege geht. Für uns bedeutet das, daß wir in Zukunft möglichrweise auf vieles werden verzichten müssen. Der Westen war und ist abhängig davon, daß der Nahe Osten nach unserer Pfeife tanzt; pro-westliche Regimes waren der Garant dafür. Die Musik spielt noch, aber die Tänzer verlassen die Tanzfläche.
Nun werden die Karten neu gemischt. Möglicherweise tanzen wir bald nach den Pfeifen der bevölkerungsstarken Demokratien im Nahen Osten.
Aber wer weiß - vielleicht schreibt in zwei, drei Generationen jemand im Nahen Osten einen ähnlichen Blog-Eintrag wie diesen - im Hinblick auf die Revolution in Deutschland, wenn hierzulande das Volk gegen seine Machthaber aufsteht.
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Kommentare
Ich denke, vom Verhalten des Westens im Hinblick auf die Proteste im Nahen Osten hängt viel davon ab, wie die Muslime im Nahen Osten zukünftig mit den bei ihnen lebenden Christen umgehen.
Wir stellen jetzt Weichen für die Zukunft der Christen in Nordafrika und darüber hinaus.
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