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Unser Bundespräsident PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 22. Oktober 2010 um 08:14 Uhr

Ich habe größten Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten - um so mehr bekümmert es mich, daß dieses Amt von einer Person bekleidet wird, der ich beim besten Willen keinerlei Respekt entgegenbringen kann. Unser Bundespappkamerad ist nun einmal die absolute Fehlbesetzung.

Erst teilt dieser Mensch Deutschland in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit unter Christen, Juden und Muslimen auf - und jetzt auch noch die Türkei zwischen Muslimen und Christen.

Hat dieser Mensch vergessen, daß in beiden Staaten auch Menschen leben, die weder Juden, Christen, Muslime sind, sondern einer anderen Weltanschauung angehören oder aber gar keine Religion praktizieren?

In Deutschland ist es doch gerade die De-Facto-Reduzierung der Migranten und der Integrationsdebatte auf diejenigen, die praktizierende Muslime sind, die alle anderen Migranten und die nicht praktizierenden Muslime diskriminiert und vor den Kopf stößt.

Und in der Türkei gibt es wahrlich nicht nur die Angehörigen des dortigen konservativ-nationalistischen "Staatsislam" und die kleine christliche MInderheit, sondern auch noch viele andere, denen es meist nicht besser geht als den Christen, oft sogar noch schlechter. Der Bundespappkamerad hätte besser daran getan, nicht nur Religionsfreiheit für die Christen in der Türkei zu fordern, sondern nicht nur ebenso, sondern mehr noch auch für die Aleviten und andere Minderheiten, die gerade von der türkischen Regierung massiv diskriminiert und unter Druck gesetzt werden werden. Mehr noch, weil gerade das tatsächlich für echtes, praktiziertes Christentum steht, daß man sich mehr für die anderen einsetzt als für die eigenen Leute.

Und der BPK sollte unbedingt begreifen, daß es nicht nur praktizierende Angehörige der "drei monotheistischen Religionen" gibt, sondern auch noch die weniger oder nicht praktizierenden Juden, Christen und Muslime, die Angehörigen anderer Religionen und Weltanschauungen, ebenso auch Menschen, die keiner Religion angehören. Bisher ist er offensichtlich nur der Bundespräsident der "praktizierenden Monotheisten" - etwas mehr weltanschauliche Neutralität, etwas mehr Trennung von Staat und Religion wäre wünschenswert.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. Oktober 2010 um 08:16 Uhr
 

Kommentare  

 
# Selten...Michael Molthagen 2010-10-24 08:39
... hat ein Bundespräsident so viel praktizierte Religiosität, begrenzt auf so wenige Religionsgemein schaften, in so kurzer Zeit in seine Amtsgeschäfte gepackt, wie es Wulff mittlerweile gelungen ist. Nicht nur selten - eigentlich nie.

Wulff will offensichtlich nur der Präsident der religiösen und praktizierenden Juden, Christen und Muslime sein, nicht aber all der anderen Bürger in seinem Land.

Ich bin nun wirklich ein religiöser, praktizierender Christ - aber mit diesem Bundespräsident en fühle ich mich absolut nicht wohl. Zu sagen, er wäre "mein Bundespräsident ", wäre gelogen.

Als Baptist stehen für mich die weltanschaulich e Neutralität des Staates und die Trennung von Staat und Religion ganz weit oben - Wulff dagegen scheint sich von dieser Welt emanzipieren und die Religion, begrenzt auf fromme, praktizierende Juden, Christen und Muslime, in die Tagesordnung von Politik und Staat zurückholen zu wollen.

Mit Wulff an der Spitze droht Deutschland ein "Gottesstaat" zu werden - und ich fürchte, daß er die Folgen seines Handelns nicht zu überblicken vermag.

Darber hinaus erschreckt es mich, wie wenig Kritik eigentlich an dem Vorgehen des Bundespräsident en laut wird - viele, die es besser wissen sollten, loben den Mann sogar für das, was sehende Augen eigentlich als Bedrohung unserer Gesellschaft wahrnehmen sollten.

Viele fromme Christen scheinen sich zu freuen, daß mit Wulff das Religiöse wieder präsenter wird in unserem Land - offensichtlich sehen sie nicht, daß da ein Wolf im Schafspelz auftritt. Sie sehen nur, daß hier der erste Mann des Staates dem Atheismus entgegentritt - und jubeln ihm deswegen zu.
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