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Der Mord an Bischof Padovese PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 04. Juni 2010 um 17:38 Uhr

Die Hinweise verdichten sich, daß der in der Türkei ermordete katholische Bischof Luigi Padovese ein weiteres Todesopfer entweder der ultranationalistisch oder aber der nationalistisch-islamistisch motivierten Christenverfolgung in der Türkei ist.

Noch sind die Berichte eher widersprüchlich, aber an der These des "geistig verwirrten", vom Islam zum Katholizismus konvertierten Täters wackelt doch mittlerweile so einiges.

Es ist durchaus denkbar, daß der Fahrer und Leibwächter des Bischofs sein Interesse am und eine eventuelle Konversion zum Katholizismus nur vorgetäuscht hat - es wäre nicht der erste Fall dieser Art, der in einem islamischen Land mit dem Tod eines Christen endet. Und auch der Fall der drei bestialisch ermordeten Mitarbeiter eines Bibelverlages in Malatya begann mit Muslimen, die fälschlich vorgaben, am Christentum interessiert zu sein. Offen ist bis heute nur, ob sie eher ultranationalistisch waren (Stichwort "Ergenekon"-Netzwerk) oder aber nationalistisch-islamistisch.

Die Tatausführung des Mordes am Bischof, soweit sie bisher bekannt geworden ist, spricht jedenfalls eher für eine ultranationalistisch oder nationalistisch-islamistisch begründete Christenverfolgung als für die Tat eines geistig Verwirrten (gar eines Depressiven) oder auch eines "Beziehungstäters".

2006 und 2007 waren in der Türkei vier hauptamtlich tätige Christen ermordet worden, darunter ein mit einer türkischen Christin verheirateter Deutscher. Ein Priester wird bei einem weiteren Anschlag schwer verletzt. Der Prozeß gegen die Täter von Malatya ist auch mehr als drei Jahre nach der Tat immer noch nicht abgeschlossen; vieles deutet auf eine Verwicklung von türkischen Kreisen in den Mord.

Man wird nun abwarten müssen, was die Untersuchungen des Mordes an Bischof Padovese letzten Endes ergeben - und ob sich auch hier wieder die türkische islamistisch-nationalistische Religionspolitik oder die Chaos stiften und die Verbrechen Islamisten in die Schuhe schieben wollenden Ultranationalisten als anstiftende Kraft in Verdacht geraten werden. Verständicherweise hat aber auch die regierende AKP Erdogans ein starkes Interesse daran, die Taten den Kemalisten (und dem von ihnen dominierten türkischen Militär) in die Schuhe zu schieben.

Wie auch immer, die Liste der Benachteiligungen und Diskriminierungen von Christen in der Türkei ist lang und weist schwere Beschuldigungen gegen die Türkei auf. Leider sehen viele Deutsche die Christen in der Türkei eher als Störenfriede, die durch ihre andauernde Verwicklung in Fälle von Diskriminierungen, Verfolgungen und Morde die deutsch-türkische Freundschaft schwer belasten. Das Eintreten für die Christen in der Türkei fällt vielen Kirchenleuten und Politikern hierzulande sehr schwer - einige wenige Ausnahmen in Politik und Kirchen bestätigen die eiserne Regel, daß die Situation der Christen in der Türkei für die Deutschen mehrheitlich kein Thema ist - und daß durch Deutschland ein kollektives Aufatmen geht, wenn ein Bischofsmörder ein "geistig verwirrter Konvertit" ist, zeigt überdeutlich, wie schiwierig das Verhältnis der Deutschen zu den Christen und ihrer Situation in der Türkei ist. Konvertiten vom Islam zum Christentum sind ohnehin stets geistig verwirrt, haben zudem mehr mit "evangelikalen Missionaren" zu tun als mit "richtigen orientalischen Christen" und entsprechen jedenfalls eher dem typischen Täterprofil als ein türkischer Muslim, dem "edlen Wilden", den wir aus unserer von Karl May literarisch bereicherten Phantasiewelt der Kindheit in die triste und trostlose Realität herüber retten wollen.

Wie dem auch sei, bei alledem darf man die Christenverfolgung nicht dem "gemeinen Türken" in die Schuhe schieben. Es sind nicht "die Türken", die Christen diskriminieren, benachteiligen, verfolgen und ermorden, sondern entweder ultranationalistische Kreise, die Chaos stiften wollen und darauf aus sind, ihre Taten Islamisten in die Schuhe zu schieben - oder nationalistisch-islamistische Kreise.

Natürlich ist die Situation der Christen in der Türkei nicht annähernd mit der etwa von türkischen Muslimen in Deutschland vergleichbar.

Und darum muß es auch erlaubt sein, von hier lebenden türkischen Muslimen zu erwarten, sich für die Religionsfreiheit in der Türkei einzusetzen, damit die Christen in der Türkei so friedlich leben können wir die Muslime in unserem Land. Das würde sich eigentlich von selbst verstehen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. Juni 2010 um 10:04 Uhr
 

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