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Kein Antisemitismus in Dresden? PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 26. November 2009 um 12:39 Uhr

Seitdem der mutmaßliche Täter, der die Neue Synagoge in Dresden mit antisemitischen  Darstellungen beschmiert hat, ermittelt und mittlerweile "mangels Haftgrund" auch wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, ist es erstaunlich still geworden um diesen "unglaublichen Frevel". In den Medien wird kaum darüber berichtet; in meinem RSS-Newsreader, der u.a. von der Tagesschau, Stern und Spiegel Online aufgefüllt wird, findet sich kein einziger Eintrag mehr zu dem Anschlag auf die Dresner Synagoge, seitdem der mutmaßliche Täter gefaßt wurde. Wer bei Google News nach Externer Link "Synagoge Dresden" sucht, wird die Ergebnisse dieser Suche, seitdem der mutmaßliche Täter erst einmal ermittelt war, sehr erhellend finden.

So schlimm, wie es vor der Ermittlung des mutmaßlichen Täters (gegen den nun wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt wird) scheinbar feststand, kann der "unglaubliche Frevel" wohl doch nicht gewesen sein - zumindest nicht, wenn man den Medien und der Politik zuhört (oder es zumindest versucht, was angesichts des beredten Schweigens extrem schwierig ist).

Aber immerhin beschäftigt der Anschlag auf die Synagoge nunmehr den Sächsischen Landtag. Allerdings nicht, weil man sich fragt, ob die Tat nun antisemitisch war oder nicht und falls doch, wie man mit solchen Taten und den Tätern umgehen will, sondern: "Innenminister Markus Ulbig (CDU) müsse klarstellen, warum der Schutz der Synagoge bisher mangelhaft war, teilte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Eva Jähnigen, am Mittwoch mit" (www.lr-online.de/regionen/Sachsen;art1047,2751344).

Nun, die Frage ist mit Sicherheit interessant und sollte besser früher als später geklärt werden.

Wenn den Grünen (oder sonst irgend jemandem) aber keine dringendere Frage an den Innenminister zu dieser speziellen Tat einfällt, dann haben die Sachsen, dann haben wir Deutschen ein erhebliches Problem mit dem latenten Antisemitismus in unserer Gesellschaft.

Oder bin ich der einzige, für den eine anti-israelische Schmiererei an einer jüdischen Synagoge mit verfassungswidrigen Symbolen, die letztlich eine Verharmlosung des Holocausts darstellen - Gleichsetzung des Nazi-Regimes mit dem Staat Israel -, eine Form des Antisemitismus darstellt, die nicht weniger schlimm ist als ein Antisemitismus aus rechtsextremistischen Motiven?

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. Februar 2010 um 18:01 Uhr
 

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