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Der "Ehrenmord" an Marwa al-Sherbini PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 12. November 2009 um 18:16 Uhr

Offenbar bin ich nicht der einzige, der im Zusammenhang mit dem Mord an Marwa al-Sherbini an einen "Ehrenmord" denkt, in der WELT online Externer Link zitiert Sabine Höher den Anwalt des Nebenklägers und Witwers, Professor Heiko Lesch: "Er wollte wohl seine vermeintliche Ehre wiederherstellen - und sei es um den Preis des eigenen Todes".

Ausländerfeindlichkeit - das ist im Prinzip nichts anderes als ein "Ehrenverbrechen", sie gedeiht darum auch in Schamkulturen bzw. dort, wo Menschen und Gruppen eine Ausländerfeindlichkeit entwickeln, entwickeln sie zugleich eine schamorientierte Kultur mit einem kruden Ehrbegriff und einem radikalen Verständnis, wie diese "Ehre" zu verteidigen ist.

Es ist darum nicht verkehrt, Gemeinsamkeiten zwischen einem traditionellen "Ehrenmord" und dem von Alex W. an Marwa al-Sherbini verübten ausländerfeindlichen Mord zu suchen.

Damit soll die Tat des Alex W. nicht relativiert oder verharmlost werden. Nichts kann diese Tat entschuldigen oder als Grundlage für die Forderung nach einem milderen Urteil dienen. 

Es muß jedoch klar sein: Der Mord an Marwa al-Sherbini mag in seiner Motivation und Tatausführung ein Einzelfall sein - in seiner Gesamtheit als "Ehrenmord" ist er es nicht. In diesem Kontext reiht sich Marwa al-Sherbini in eine Reihe von Frauen ein, die von Vätern, Brüdern, Onkeln, Vettern... "ehrengenordet" wurden. Anders ist hier nur der Täter - er handelte aus seiner Ehre als "Deutscher" heraus, nicht aus einer "Familienehre" heraus.

Wo immer sich Schamkulturen etablieren können, sind "Ehrenverbrechen" wahrscheinlicher als in einer anders orientierten Kultur (wobei es hier auch Unterschiede zwischen den verschiedenen Schamkulturen gibt), etwa einer Schuldkultur. Und meistens sind es Frauen, die Opfer von diesen schamorientierten "Ehrenverbrechen" werden.

Die Gesellschaft muß an dieser Stelle unbedingt gegensteuern - möglicherweise sollte das Tatmotiv "Ehre" grundsätzlich härter bestraft werden und keinesfalls zu einer Milderung des Strafmaßes führen.

Unsere Gesellschaft kann die Etablierung von Schamkulturen hinnehmen - aber nicht eine damit möglicherweise verbundene Zunahme an "Ehrenverbrechen". Da gerade Frauen regelmäßig Opfer solcher Verbrechen werden, brauchen sie den besonderen Schutz der Gesellschaft. Egal ob nun vor um ihre nationale "Ehre" besorgte Ausländerhassern wie Alex W. oder ob vor um ihre familiäre "Ehre" besorgte Vätern, Brüdern, Onkeln, Vettern.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. Februar 2010 um 18:08 Uhr
 

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