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Der Begriff "Dönermord" wurde zum "Unwort des Jahres 2011" gekürt - so weit, so schlecht.
Natürlich ist der Begriff "Dönermord" völligst daneben, daran ändert auch nichts, daß dieser Begriff entstand, weil man zuerst von einer Art "Döner-Mafia" ausging, die hinter den Morden stand und einen fremdenfeindlichen Hintergrund vorschnell ausschloß.
Die Begründung für die Wahl zum Unwort: "Damit wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet", so jedenfalls zitieren Medien eine Sprecherin der Jury. Und genau hier setzt meine Kritik an:
Erstens wurde der Begriff schon geprägt, ehe bekannt war, wer die Morde begangen hatte, als man noch von einem Mafia-Hintergrund ausging. Warum wurden der Begriff nicht schon damals als Unwort behandelt? Oder durfte man die Opfer damals derart auf ein Lebensmittel reduzieren? Werden die Opfer zu "besseren" Opfern, wenn die Täter Nazis sind? Gibt es wirklich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft für Opfer von Verbrechen?
Zweitens ist es fraglich, ob man die Nazis und deren Taten damit "aufwerten" sollte, indem man einen Begriff erst dann zum "Unwort" kürt, wenn der rechtsextremistische Hintergrund einer Tat bekannt ist.
Egal ob nun Dönermorde oder Spätzlemorde -wer Opfer so etikettiert und in Schubladen versenkt, macht sie ein zweites Mal zu Opfern.
Wer nun aber das Etikett erst dann oder besonders dann zum Unwort erklärt, wenn die Täter Nazis sind, der wertet damit nicht die Opfer auf, sondern die Täter. Und damit werden die Opfer schon wieder instrumentalisiert, ein weiteres Mal zu Opfern gemacht.
Darum ist das "Unwort des Jahres 2011" für mich ein Un-Unwort, weil das Urteil die Opfer wieder nur den Tätern und ihrer menschenverachtenden Ideologie zuordnet.
"Dönermord" zum "Unwort des Jahres" zu machen, nur weil wir nun wissen, daß die Täter Nazis waren, läßt den Opfern auch keine Gerechtigkeit widerfahren.
Sie sind Mordopfer, Punkt. Sie dürfen nicht auf "Dönermorde"reduziert werden - und auch nicht auf "Nazimorde" reduziert werden. Für Mordopfer darf es keine Etiketten geben - und auch keine Sonderstellung, die dann nur ihre Täter und deren Ideologie des Hasses in den Mittelpunkt stellt.
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