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Islamkritiker und der Verfassungsschutz PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 28. September 2011 um 12:38 Uhr

Offenbar kommt langsam Bewegung in die Sache - die Verfassngsschützer sollen sich nach dem Willen der Politik mit den "Islamkritikern" von Politically Incorrect & Co. befassen. Das ist nun endlich einmal eine gute Nachricht!

Doch sollte man sich nicht mit der Islamkritik dieser Kreise befassen oder ihre Gefährlichkeit darauf reduzieren - man sollte stets ihren Rechtspopulismus als Ganzes im Auge behalten und den Verfassungsschützern zur Beobachtung anbefehlen. Die "Islamkritik" dieser Kreise ist nicht das einzige Problem, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen - und nicht einmal das größte.

Sie sind Feinde nicht nur der Muslime, sondern der ganzen Gesellschaft, der Politik, der Medien, der Kirchen und Religionsgemeinschaften, der Justiz, der Ermittlungsbehörden. Sie sind nicht etwa Rassisten, weil sie wider den Islam und die Muslime hetzen, sondern weil sie sich selbst als eine Art "Herrenrasse" sehen, die hierzulande ihrer Überzeugung nach unterdrückt, diskriminiert, bedroht und verfolgt wird. In diesem Klima gedeihen Verschwörungstheorien gegen die "linke" Gesellschaft und Opferneid etwa gegen die Muslime.

Dabei sind sie in allen Kreisen der Gesellschaft präsent - Rechtspopulisten findet man eben nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft, sondern auch links und in der Mitte, bei den Liberalen, in den Kirchen von "progressiv" bis "fundamentalistisch"...

Noch einmal: Wir dürfen die Gefahr, die von den Islamkritikern ausgeht, nicht auf ihre Feindschaft gegenüber Muslimen reduzieren. Das ist so, als würde man die Gefährlichkeit alter und neuer Nazis allein vor dem Hintergrund des Antisemitismus betrachten.

Von Islamkritikern geht auch eine erhebliche Gefahr für Juden aus (hinter dem ganzen "pro-israelischen" Getue steckt nicht Philosemitismus, sondern nur ein "der Feind meines Feindes ist mein Freund" und die Annahme, Israel sei ein Bollwerk gegen den Islam), für Christen...

Der Rechtspopulismus ist dabei nicht der Nationalsozialismus von heute, sondern eine eigenständige, nicht weniger gefährliche Bewegung, wobei es freilich Schnittmengen zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus gibt. Etwaige tatsächliche oder vermeintliche Feindseligkeiten der Rechtspopulisten gege alte und neue Nazis sollten ebvenso wenig über die von Rechtsopulisten ausgehende Gefahr hinwegtäuschen wie die schon genannte pro-israelische Haltung. Juden in Israel mögen ihnen gefallen, Juden in Deutschland nur noch dann, wenn sie sich gegen die Muslime, gegen die Politiker, gegen die Medien instrumentalisieren lassen. Ansonsten sind Juden halt auch nur "Südländer". Bekommen Juden hierzulande zu viel Macht und Einfluß, agieren sie nicht islamkritisch, lassen sie sich nicht vor den Karren der Islamkritik spannen, haben sie auch nichts zu lachen.

Besonders problematisch sehe ich natürlich die Ausbreitung von Islamkritik und Rechtspolulismus in christlichen, insbesondere evangelikalen bzw. freikirchlichen Kreisen. Hier muß viel mehr und viel deutlicher vor den Gefahren des Rechtspopulismus, der Islamkritik und eines Antisemitismus, der im jüdischen Staat nur ein Bollwerk gegen den Islam sieht und darum unter falscher pro-israelischer Flagge segelt, gewarnt werden.

Auch wenn es tatsächlich eine Christenverfolgung mit muslimischem Hintergrund gibt, so ist eine Allianz mit Rechtspopulisten und Islamkritikern die falsche Antwort, eine durch und durch unheilige Allianz. Entweder mit Gott - oder mit den Rechtspopulisten. Als Christen können wir nur einem Herrn dienen. Mann kann nicht gleichzeitig Jesus nachfolgen und sich der Islamkritik und dem Rechtspopulismus verschreiben.

Entweder die Bibel - oder Politically Incorrect & Co. Und wenn wir uns für die Bibel entscheiden, dann ist die logische Konsequenz, daß wir dem Maßstab Jesu folgen - und die Muslime vorbehaltlos lieben, ihnen auf Augenhöhe begegnen, Mission nicht als Überzeugen wollen verstehen, sondern als Ruf zur Konvivenz - einander helfen, voneinander lernen, miteinander feiern.

Es gibt für Christen keine Rechtfertigung, sich auf Rechtspopulismus und Islamkritik, Islamophobie oder Xenophobie einzulassen.

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, daß es nicht unser Verdienst ist, daß wir Christen sind, daß wir von der Demokratie und den universalen Menschenrechten profitieren. Wir haben keinerlei Grund, uns überlegen zu fühlen. Wir haben auch keinen Grund zu der Annahme, wir seien besser. Oder besser dran.

Wir haben nur die Aufgabe, mit Gottes Hilfe dafür Sorge zu tragen, daß andere Menschen - gerade auch Muslime - besser dran sind. Das und nur das ist unsere Aufgabe. Das kann nur gelingen, wenn wir so zu ihnen kommen, wie Jesus zu uns Menschen gekommen ist, also müssen wir eher Knechte, ja Sklaven sein als Herren oder Lehrer oder was sonst.

Der Islam sieht in den Christen tatsächlich Dhimmis, Schutzbefohlene. Wer die Sache von der Menschwerdung Jesu, von seiner Knechtwerdung und Kondeszendenz her sieht, kann keinen anderen Platz für uns Christen wollen, wenn man die Sache auf die Spitze treiben will.

Wenn es um Muslime geht, werden wir als Christen das Wirken Gottes allein dort erleben, wo wir im Namen Jesu Knechte und Diener und Sklaven werden. Der Islam mag in gewisser Weise ein Stachel in unserem Fleisch sein - aber wir wissen, daß Gott in den Schwachen mächtig ist. Darum wollen wir uns an seiner Gnade genügen lassen.

Wenn Kritik, dann nicht Islamkritik, sondern Kritik an jedem falschen Evangelium, das sich in unserer Mitte erheben will. Der Islam mag dabei manches Mal Gottes Ruf zur Umkehr sein, erin Ruf zur Buße. Lernen wir also, in den Muslimen nicht nur den anderen zu sehen, sondern auch das Antlitz Jesu, der uns zur Umkehr ruft.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 28. September 2011 um 12:42 Uhr
 

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