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Ich habe mich in letzter Zeit etwas mehr mit Anders Behring Breiviks "Manifest" beschäftigt. Interessant ist, daß man Breiviks Meinung zu Juden, Christen und Muslimen auch so zusammenfassen kann:
- Muslime sind okay, solange sie in islamischen Ländern leben und ansonsten in christlichen Staaten keine Unruhe stiften, sondern nur eine kleine, unauffällige MInderheit bilden
- Juden sind okay, solange sie in Israel leben und ansonsten in christlichen Staaten keine Unruhe stiften, sondern nur eine kleine, unauffällige Minderheit bilden
- Christen sind okay, solange sie sich auf Kultur beschränken und keine Unruhe stiften
Ich wage zu behaupten, daß Breiviks Ansichten von vielen Rechtspopulisten geteilt werden.
Provozierend könnte man sagen, daß Breivik & Co. keine Feinde der Muslime sind, solange die sich entweder in islamischen Ländern aufhalten oder im Abendland nur kleine unauffällige Minoritäten bilden, die keine Unruhe stiften, indem sie etwa mit Forderungen an die Öffentlichkeit treten. Mehr Muslime in Europa als in den Büchern Karl Mays brauchen wir eigentlich nicht - und ansonsten möchten wir von ihnen vor allem orientalische Folklore, vor allem Bauchtanz sehen.
Immerhin sieht Breivik in den Juden dann ein Problem, wenn sie sich wie etwa in den USA in Politik, Wirtschaft usw. einmischen. Da taucht dann der ganz normale Antisemitismus auf.
Kommen wir noch einmal zu den Christen. Natürlich muß man bedenken, daß Breivik "Kulturchrist" ist - die "Kulturevangelikalen" unter den Rechtspopulisten und Islamkritikern würden den Punkt mit den "Christen" etwas anders formulieren. Kultur ist dort halt eher ein unerwünschtes Wort, weil man natürlich "bibeltreu" ist und sich an "Gottes Geboten" orientiert. Liberale Christen sind für sie okay, solange sie ihre "Gottlosigkeit" für sich behalten und keine Unruhe stiften.
Rechtspopulisten jedenfalls wenden sich weniger gegen Muslime, Juden oder auch Christen - ihnen geht es um den eigenen "Clan", die eigene "Rasse". Sie haben das Ideal einer starken, überlegenen "Rasse" und setzen alles daran, diese noch mehr zu stärken. Verräter müssen darum vorrangig bekämpft werden - noch vor den Muslimen oder Juden. Dieser Kampf für die eigene Rasse, für den eigenen Clan ist das, was Rassismus eigentlich ausmacht. Es ist allzu menschlich - immerhin konnten so die Frühmenschen das Überleben ihres Clans sichern. Solches Verhalten findet man auch bei Schimpansen, die uns in Sachen Rassismus von allen Tieren am ähnlichsten sind - immerhin sind auch sie fähig zum Genozid.
Christen sollen dieses evolutionäre Verhalten auf den Kopf stellen - "einer achte den anderen höher als sich selbst" (
Philipper 2,3
). Wir sollen für die beten, die uns verfolgen (
Matthäus 5,44
). Mit einem solchen Verhalten kann man wohl nicht das Überleben des eigenen Clans sichern - aber damit folgt man dem Beispiel, das Jesus Christus uns gegeben hat (siehe
Philipper 2,5-11
). Einen anderen Weg dürfen wir als Christen nicht gehen - auch nichts angesichts einer "Herausforderung Islam". Hier gilt: "Ein jeder Christ achte die Muslime höher als sich selbst". Auf Christenverfolgung darf nicht Gewalt folgen - weder verbal noch sonstwie -, sondern nur Gebet und Segnung.
Wir Christen sind nicht Sklaven unseres eigenen "Clans", sondern Sklaven und Diener aller Menschen (
1. Korinther 9,19
), sind zur Konvivenz berufen, zum Miteinander (
Römer 12,18
;
Philipper 4,5
).
Unsere "Rasse" ist Christus - nicht das Abendland, nicht diese oder jene Kirche, nicht eine christliche Kultur, nicht ein Glinus-Christentum ("gläubig in unserem Sinne").
Christus ist unsere Stärke, nicht unsere religiösen und moralischen Lehren, nicht unser Bibelverständnis, nicht unser Kirchenverständnis, nicht unsere Art zu glauben.
Christus ist unsere Stärke - unsere Stärke, um anderen zu dienen, nicht um sie zu beherrschen.
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