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Tragen Islamkritiker, Islamophobe, Rechtspopulisten oder Rechtsextremisten eine Mitschuld an dem Doppelattentat von Oslo?
Haben die Wirrköpfe von Politically Incorrect & Co., haben Broder, Wilders, Sarrazin und andere gewissermaßen Sprengstoff und Munition für Breivik geliefert?
Haben evangelikale bzw. freikirchliche Christen und deren Lehren die Kreuzzugspredigt geliefert, auf die sich Breivik beruft?
Unbestritten ist, daß eine Melange aus Islamkritik und Rechtspopulismus und konservativem Christentum Grundlage der unfaßbaren Tat war. Es war ein Terroranschlag aus islamophob-rechtspopulistischen Motiven mit christlichen Untertönen.
Klar ist auch, daß, weil niemand eine Insel ist, auch Breivik nicht isoliert betrachtet werden darf. Er hat natürlich in den Gewässern der Islamkritik, der Islamophobie, des Rechtspopulismus und auch eines christlichen Denkens, das dem mancher Evangelikaler im Hinblick auf bestimmte Fragen alles andere als unähnlich ist, gefischt. Ja, vielleicht wurde er sogar "gefüttert".
Klar ist auch, wie untauglich die Versuche der Islamkritiker, der Islamophoben, der Rechtspopulisten, der "fundamentalistischen Christen" usw. sind, sich von Breiviks Weltbild zu distanzieren.
Doch ich sehe auch keinen Grund für eine Schuldzuweisung an die Adresse von Broder, Sarrazin, Kelek, Balci usw. Auch Politically Incorrect, die Bürgerbewegung Pax Europa, Islam-Deutschland.info usw. tragen keine Mitschuld an dem, was in Oslo geschehen ist.
Das bedeutet nicht, daß man insbesondere PI & Co. nicht genau beobachten sollte, und zwar gerade auch vom Verfassungsschutz, der in diesem Bereich bisher durch hektisches Nichtstun hervortritt.
Nicht wegen einer Mitschuld im Hinblick auf Oslo sollte man beobachten, sondern weil in diesen Kreisen zum einen verfassungsfeindliches und teilweise auch verfassungswidriges Gedankengut verbreitet, Haß gepredigt wird, zum anderen in diesen Kreisen weitere Attentäter heranreifen könnten.
Beides sind für sich genommen Dinge, die man zumindest in moralischer Hinsicht als "Schuld" bezeichnen muß, die man aber von den Terroranschlägen Breiviks sauber trennen muß.
In diesem Zusammenhang sei auch die Frage erlaubt, ob man etwa "Mission Gottesreich", Prof. Pfeiffer oder anderen antievangelikalen Personen eine Mitschuld an einem Attentat gegen evangelikale oder freikirchliche Christen geben würde. Die Antwort ist ein ganz klares "Nein", und deswegen muß auch der islamkritischen Bewegung in diesem Punkt Gerechtigkeit im Sinne einer Gleichbehandlung widerfahren. Auch hier ist klar: "Mission Gottesreich" & Co. predigen Haß gegen evangelikale und freikirchliche Christen, was freilich niemanden in Alarmstimmung versetzt, weil man schließlich nicht befürchten muß, daß die Opfer des "Feindbildes Evangelikale" deswegen ausrasten, sondern weil man davon ausgehen kann, daß sie still halten wie Opferlämmer. Als solche sind sie für die Opferindustrie nicht interessant, die sich eher für "edle Wilde" interessiert. Aber das ist nun ein anderes Thema.
Kehren wir zu den Islamkritikern zurück. Ja, Breivik entstammt diesen Kreisen. Dennoch tragen sie keine Mitschuld, weder in juristischer noch in moralischer Hinsicht.
Natürlich muß man enttäuscht sein, weil die Terroranschläge in diesem Umfeld nicht nur nicht zu Selbstkritik geführt haben, sondern nur zu apologetischen Reflexen: "Wir können doch nichts dafür, der hat uns doch mindestens ebenso geschadet wie den Norwegern." Weil die Reaktion eher ein "jetzt erst recht!" ist als ein "welche Fehler haben wir gemacht?"
An diesem Punkt tragen Politically Incorrect & Co. tatsächlich eine Schuld, aber es ist eine eigene Schuld, keine mittelbare. Juristisch ist diese Schuld nicht zu greifen, nur in moralischer Hinsicht oder auch, christlich gesprochen, als "Sünde", als Zielverfehlung.
Christen unter den Islamkritikern hätten die Terroranschläge als einen Umkehrruf Gottes verstehen sollen, hätten Buße tun sollen, hätten ihr Herz Gott öffnen und ihre Augen auf den Weg Gottes richten sollen, den Weg der Nächstenliebe, der Konvivenz. Doch so, wie es aussieht, werden die christlichen Islamkritiker das ihnen von Gott gesetzte Ziel verfehlen.
Es bleibt die Frage, ob die evangelikalen Christen nun zu einer Neubewertung ihrer Sicht auf die "Herausforderung Islam" gelangen oder nicht. Bisher war die evangelikale Auseinandersetzung vor allem vom Aspekt "Mission unter Muslimen" geprägt, wobei die Beschäftigung mit der Lehre und der Praxis des Islam von sachlicher, differenzierender Kritik an gewissen Problemen bis hin zu pauschalisierender Islamkritik reichte.
In der jüngeren Vergangenheit hat eine m.E. eher zaghafte, aber hoffnungsvoll stimmende Neuorientierung begonnen, die aber bisher wohl nur einige wenige evangelikale Christen erreicht hat, während der Mainstream in der Mission (der "Pietkong") weiterhin vor allem ein "Bollwerk" gegen den Islam sieht, der wiederum als eine Bedrohung insbesondere der Juden und der Christen wahrgenommen wird.
Wenn ich das richtig sehe, muß die evangelikale Bewegung am Beispiel des Umgangs mit dem Islam noch beweisen, daß wir fähig sind, Gottes Stimme zu hören und seinen Weisungen zu folgen. Dazu gehört auch, daß wir im Islam vor allem einen "Umkehrruf Gottes" vernehmen sollten, der uns einen Spiegel vorhält, der uns in die Buße führt. Ich denke, an diesem Punkt entscheidet sich die Zukunft der evangelikalen Bewegung. Sind wir fähig, unter dem Eindruck des Islam selbstkritisch zu sein - oder üben wir Islamkritik? Hier geht es dann auch um die Frage nach der Schuld. Sind wir bereit, Sxchuld zu erkennen und Buße zu tun? Oder sehen wir nur den Splitter im Auge des Islam, nicht aber den Balken in unserem eigenen Auge?
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