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In "Zeit Online" schrieb Andrea Dernbach zum Thema "Deutschenfeindlichkeit" am 5. Juli: "Rassismus ist das falsche Wort"; denn bei Rassismus gehe es um Macht, und die Deutschenfeinde hätten keine Macht, seien also mithin auch keine Rassisten.
Ihr wurde widersprochen, so von Bernd Zeller ( Rassefragen und Das Rasseweib) und von Thomas Wessel ( Multikulturelles Stammesbewußtsein).
Dernbach ist der Meinung, Rassismus habe etwas mit Macht zu tun: "Rassismus war immer der Vorwurf der Unterdrückten an die Adresse der Unterdrücker, der Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse gegen deren Nutznießer. Er erzählt von Macht. Dass Migranten in einer Machtposition gegenüber autochthonen Deutschen wären, würde wohl auch Ministerin Schröder nicht behaupten."
Denkt man das konsequent weiter, dann sind auch Neonazis keine Rassisten, und da zeigt sich, daß irgendwo etwas falsch läuft.
Grundsätztlich hat Dernbach Recht: Rassismus hat mit Macht zu tun. Aber, und das erscheint mir wichtig, nicht zwangsläufig mit der Macht, die auf Mehrheitsverhältnissen begründet ist, darauf gründet, Nutznießer gesellschaftlicher Verhältnisse zu sein, daraus resultiert, in einer Machtposition zu sein. Und nicht immer sind die Opfer von Rassismus ohnmächtige Opfer der Mehrheitsgesellschaft, Opfer widriger gesellschaftlicher Verhältnisse.
Rassisten fühlen sich mächtig, weil sie beispielsweise glauben, einer überlegenen Kultur anzugehören. Etwas Besseres, Ehrenhafteres, Anständigeres zu sein. Bei Rassismus geht es auch um immaterielle, ideelle Macht, wie sie etwa aus religiösen Überzeugungen erwächst - die meisten religiösen Fundamentalisten sind Rassisten.
Rassismus entsteht nicht nur dort, wo jemand das Glück hat, dank gesellschaftlicher Verhältnisse Macht zu haben, sondern auch dort, wo etwa Haßprediger von einer Macht sprechen, die aus dem eintzig wahren Glauben erwächst.
Thomas Wessel weist in seinem Beitrag darauf hin, daß es bei Rassismus darauf hinausläuft, daß zur Rasse wird, wer andere verfolgt - nicht diejenigen, die verfolgt werden. Rassistische Apelle richten sich nach Wessel weniger gegen die Verfolgten, sondern an die eigene "Horde" oder eben Rasse. Der Rassist steigert sich selbst in den Wahn hinein, einer freilich überlegenen Rasse anzugehören. Und gerade das sind nicht selten gerade diejenigen, die in Wirklichkeit keine Machtposition innehaben, nicht von den gesellschaftlichen Verhältnissen bevorzugt werden und darum zu deren Nutznießern gehören.
Ich denke, dieser von Wessel aufgezeigte Aspekt des Rassismus verdient es, näher betrachtet zu werden: Rassisten wollen weniger andere verfolgen, sondern in erster Linie selbst eine möglichst mächtige "Rasse" formen, allen anderen überlegen.
In jedem Fall gilt: Bei Rassismus geht es um Macht, manchmal um die Macht der Nutznießer gesellschaftlicher Verhältnisse, doch oft genug um immaterielle, ideelle Macht, die nicht selten aus fundamentalistischen Machtvorstellungen resultiert, und Rassismus will gerade aus den Ohnmächtigen, aus den Opfern eine überlegene Rasse formen. Das geht wiederum selten ohne eine mißbrauchte Religion: Das Heidentum bei den Nazis, der Islam bei vielen "Deutschenfeinden". Die Religion ist oft genug der Kitt, der die nach Überlegenheit und realer Macht strebende "Rasse" zusammenhält.
Darum ist grundsätzlich auch evangelikales bzw. traditionell-freikirchliches Christentum anfällig für Rassismus - und das um so mehr, je mehr sich evangelikale oder freikirchliche Christen als Opfer fühlen, sich benachteiligt oder diskriminiert fühlen. Die zunehmende Islamophobie unter den Evangelikalen weist in diese Richtung.
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