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Die Tagesschau und die Christenverfolgung PDF Drucken E-Mail
Blog - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 04. Januar 2011 um 10:23 Uhr

Tagesschau.de hat Ulrich Pick, ARD-Hörfunk-Korrespondent in der Türkei, zur Christenverfolgung in der islamischen Welt interviewt: "Schutz für Christen könnte größer sein".

Das Interview weist meines Erachtens zum Teil erhebliche Verzerrungen auf, die es mehr als ärgerlich machen. Was mich persönlich am meisten geärgert hat, sind seine Äußerungen über die Situation im Iran: "Hier haben Christen einen in der Verfassung verbrieften Minderheitenstatus, der ihnen drei Sitze im Parlament garantiert. In Teheran, wo ich über Weihnachten war und auch einheimische Christen (Armenier und Assyrer) getroffen habe, verkauft die Stadtverwaltung Christbäume. Hier gibt es allerdings das Problem des Missionierens. Mission ist für Christen im Iran - anders als in der Türkei - strengstens verboten. So sitzen Mitglieder evangelischer Freikirchen, die sich nicht an das Verbot gehalten haben, im Gefängnis."

Erstens ist Mission ein Menschenrecht. Ein Staat, der das verbietet (und hierbei zudem diskriminiert; denn schiitische Muslime dürfen selbstverständlich missionieren), verstößt gegen die internationalen Menschenrechte, daran gibt es nichts zu rütteln. Wenn der Staat Missionare ins Gefängnis wirft, so kann man darüber nicht achselzuckend hinweggehen.

Noch schlimmer ist aber zweitens ein anderer Verstoß gegen die Menschenrechte im Iran, über den Pick nicht einnmal spricht: Ehemalige Muslime, die Christen geworden sind, sitzen ebenfalls im Gefängnis. Sie genießen keinerlei Religionsfreiheit. Und von diesen Christen gibt es im Iran sehr viele - und die Islamische Republik verfolgt diese Christen nicht nur im Iran, sondern sogar im Ausland.

Interessant ist allerdings eine andere Aussage Picks, gerade im Hinblick auf meinen gerade eben veröffentlichten Blog-Eintrag über das neu entdeckte Interesse an der Christenverfolgung: "Mich wundert allerdings, dass bei uns zwar vielfach berechtigte Empörung bezüglich der schwierigen Lage der Christen im Nahen und Mittleren Osten herrscht. Gleichzeitig aber gibt es nur ein sehr geringes Wissen über die Kirchen im Orient. Die orientalischen Christen scheinen also nur bedingt zu interessieren."

Bedenkt man, daß Pick sich wohl allenfalls "bedingt" für die ehemaligen Muslime interessiert, die zum christlichen Glauben konvertiert sind, dann muß man sich fragen, ob hier geringes Wissen der Hintergrund ist - oder etwas anderes. Immerhin sind die Konvertiten eher Mitglieder "evangelischer Freikirchen" (oder was man im Westen dafür hält), und nachdem Pick vorhin schon eher achselzuckend über deren im Gefängnis sitzende "Missionare" hingegegangen ist, fragt man sich, ob das Schweigen womöglich Programm ist.

Zum Schluß noch ein letztes Zitat Picks: "In der Türkei geht es hingegen nicht um islamistische Kräfte. Hinter den Morden an Christen in den vergangenen Jahren - so kommt jetzt mehr und mehr heraus - scheinen ultra-nationalistische Zirkel zu stehen, die bis in die Sicherheitskräfte hinein reichen. Hier sollten wir genau hinschauen, denn falsche Bezichtigungen sind kontraproduktiv."

Wenn Pick auf "ultra-nationalistische Zirkel" hinweist, so hat er damit sicherlich Recht - einerseits. Andererseits aber sind diese sehr wohl islamistisch, wenn sie auch einer ganz und gar anderen Strömung angehören als etwa die Muslimbrüderschaft in Ägypten oder die mittlerweile weltweit agierenden Salafiten.

Und darüber hinaus gibt es in der Türkei auch "normale Islamisten", die sich gegen die Christen weden (gemäß dem bekannten Sprichwort, daß man gleichzeitig Flöhe und Läuse haben kann, kann die Christenverfolgung mehrere Ursachen haben).

Vereinfachungen helfen im Hinblick auf die Christenverfolgung nicht weiter - es ist ein komplexes Phänomen (wobei ich daran erinnern möchte, daß in jenen Staaten, in denen Christen verfolgt werden, für gewöhnlicn auch andere religiöse Minderheiten - auch muslimische - verfolgt werden; Christenverfolgung ist selten ein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines ganzen Paktes an Verletzungen der Menschenrechte).

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 04. Januar 2011 um 10:24 Uhr
 

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