|
Raju Sharma, Abgeordneter der Links-Fraktion im Deutschen Bundestag, hat mich mit einer meiner Meinung nach falschen Äußerung ("wer bezweifle, dass der Islam eine gleichberechtige Religion sei, der habe nicht begriffen, dass Religionsfreiheit für alle gelte" - Quelle) darauf gebracht, daß es ein kleines Detail gibt, das bei Debatten über Religionsfreiheit immer häufiger untergeht oder auch unbekannt zu sein scheint:
Die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit (einschließlich des Rechtes, einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft anzugehören) gilt für einzelne Bürger, nicht aber für Religionen. Mit anderen Worten:
Weder das Christentum noch der Islam noch das Judentum noch sonst irgend eine Religion oder Weltanschauung genießen Religionsfreiheit gemäß Artikel 4 Grundgesetz, sondern einzelne Menschen können in den Genuß positiver wie auch negativer Aspekte der Religionsfreiheit kommen (einschließlich des Rechtes, einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft anzugehören - oder auch nicht).
Religionsfreiheit jedenfalls bedeutet nicht, daß jede Religion anzuerkennen sei.
Daß jeder seinen Glauben ungestört ausüben kann, daß jeder den Gesetzmäßigkeiten seines Glaubens gemäß handeln kann, daß jeder für seinen Glauben werben darf, daß jeder sich einer Religionsgemeinschaft anschließen darf, daß jeder allein für sich oder in Gemeinschaft mit anderen kultische Handlungen frei ausüben darf - ja, all das gilt für alle, weil eben Religionsfreiheit für alle gilt, egal ob nun Christen, Juden, Muslime oder wer sonst. Hierin sind auch alle Menschen völlig gleich zu behandeln, darf niemand bevorzugt oder benachteiligt werden.
Hieraus folgt jedoch keine "Gleichberechtigung einer Religion", sondern es können nur Menschen in den Genuß der Gleichberechtigung kommen - in gewissem Umfang gilt das auch für deren Religionsgemeinschaften, aber hier liegt dann der Schwerpunkt nicht auf der Religion, sondern auf der Gemeinschaft, also auf den Menschen.
Herr Sharma irrt also, wenn er behauptet, man müsse den Islam als gleichberechtigte Religion anerkennen. Das ist gar nicht möglich. Gleichberechtigung kann (und soll) eine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft erfahren, mehr noch ein Einzelner im Hinblick auf die positiven wie negativen Aspekte der Religionsfreiheit, nicht aber eine Religion, sei es nun der Islam, das Christentum oder was sonst.
Es ist ja ohnehin so, daß es das Christentum oder den Islam nicht gibt. Darum kann man auch nicht sagen, das Christentum sei in Deutschland anerkannt (viele christliche Strömungen sind hierzuzulande ebenso wenig anerkannt wie islamische Strömungen) - und kann ebenso wenig die Anerkennung des Islam fordern - oder die Gleichstellung der Religion Islam mit einer christlichen Religionsgemeinschaft (zumal die verschiedenen christlichen Religionsgemeinschaften hierzulande ohnehin nicht wirklich gleichberechtigt sind, sondern durchaus ein Gefälle existiert - oben stehen die beiden Großkirchen, darunter die Freikirchen, christlichen Gemeinschaften und Sondergemeinschaften).
Das ändert nichts daran, daß wir Gleichbehandlung, Gleichberechtigung brauchen - egal ob es nun die Religionsfreiheit betrifft, die Einzelnen gewährt wird, oder ob es die Rechte und Pflichten betrifft, die im Hinblick auf Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gelten. Hier haben wir in Deutschland Nachholbedarf. Das gilt schon im Hinblick auf die Großkirchen und die kleineren Freikrichen und Gemeinschaften, mehr noch im Hinblick auf die nichtchristlichen Religionsgemeinschaften, aber auch die Religionslosen.
Vielleicht meint Herr Sharma auch nichts anderes als das - aber die Forderungen nach einer "Anerkennung des Islam" und nach "Religionsfreiheit für den Islam" führen in eine falsche Richtung, zumal sie den Einzelnen aus dem Blick verlieren und auf seine Religion reduzieren.
Etwas off-topic: Manche Zeitgenossen glauben scheinbar, Religion sei immer gut, hilfreich und edel. Einfach so. Religion ist gut, also muß man sie fördern, anerkennen. Natürlich gibt es auch das Gegenteil: Religion ist böse.
Religion ist aber nichts, das man per se als "gut" oder "böse" klassifizieren könnte. Religion ist ein wenig aussagekräftiger Begriff, bei dem zwar jeder weiß, was gemeint ist, obwohl niemand eine allgemein anerkannte Definition liefern könnte.
Und so wenig die Religion im Allgemeinen gut oder auch böse ist, so gilt das auch für einzelne Religionen im Besonderen, sei es nun das Christentum, das Judentum, der Islam oder was sonst. Religion ist das, was Menschen daraus machen (und das sind oft genug Atheisten, die Religion für ihre Zwecke instrumentalisieren - die "Religion" Hitlers ist ein besonders eindrückliches Beispiel).
|
Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.