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Führende Evangelikale in der Schweiz und in Europa haben sich angesichts des Schweizer "Neins" zum Minarett-Bau enttäuscht gezeigt.
Viele Protestanten, liberale ebenso wie evangelikale Christen, haben für die Initiative und damit für ein Bau-Verbot gestimmt - und damit bei führenden Vertretern sowohl liberaler wie auch evangelikaler Kirchen und Verbände Besorgnis erregt.
Schon vor der Abstimmung hatten sich alle Freikirchen des Landes gemeinsam mit der Schweizerischen Evangelischen Allianz gegen das Minarett-Verbot ausgesprochen.
Nach dem Volksentscheid zeigen sich führende Evangelikale und Freikirchler nun überrascht und enttäuscht; sie befürchten, daß Rassismus und religiöse Intoleranz in der Schweiz und in ganz Europa wachsen werden. Die Initiative erschwere es, für das Zusammenleben von Nichtmuslimen und Muslimen konstruktive Lösungen zu finden. Darüber hinaus erschwere das Ergebnis die Situation der oftmals wegen ihres Glaubens verfolgten Christen in islamischen Ländern.
Aus den Reihen der Freikirchen kommt die bittere Erkenntnis, daß es nicht gelungen sei, die Sorgen in den Gemeinden vor einem Erstarken des Islam und einer Islamisierung der Gesellschaft - Stichworte "Scharia", "Zwangsehen", " Burka" usw. - zu zerstreuen.
Es ist ein guter Weg, daß sich die führenden Evangelikalen und Freikirchler in der Schweiz gegen den Volksentscheid ausgesprochen haben (obwohl die evangelikal geprägte Eidgenössische Union die Initiative mitgetragen hatte) - ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, ob wir in Deutschland ebenfalls ein gemeinsames Vorgehen der Freikirchen und der Evangelikalen gegen einen derartigen Verstoß gegen die Religionsfreiheit auf den Weg bringen könnten. Sicher bin ich mir allerdings, daß auch in Deutschland die große Mehrheit der Protestanten, seien es liberale oder evangelikale Christen, kämen sie aus einer Landeskirche oder einer Freikirche, für ein Minarett-Verbot stimmen würde. Ich gebe mich da keinen Illusionen hin - der Protestantismus hat an dieser Stelle ein erhebliches Problem, gerade auch die evangelikalen und die freikirchlichen Christen.
Ich bin überzeugt, daß wir im deutschen Evangelikalismus und im deutschen Freikirchentum den Einsatz für die allgemeine Religionsfreiheit wieder neu lernen, einüben müssen. Erinnert sei hier an Julius Köbner, einen der Väter des deutschen Baptismus, der schon 1848 ausdrücklich Religionsfreiheit für Christen, Juden und Muslime und auch sonst jeden Gläubigen forderte. Wo stehen wir heute, mehr als 160 Jahre danach? Gehört diese Forderung zum Kernbestand baptistischer Überzeugungen?
Ich hoffe, daß die deutschen Evangelikalen und Freikirchler das Thema "Allgemeine Religionsfreiheit" jetzt nicht einfach ignorieren, sondern auf die Tagesordnung setzen - es gibt genügend Themen, die angesprochen werden müssen, vom Kopftuch über Moscheen und Minarette bis hin zur kompletten Verschleierung ("Burka"). Hier ist in den Gemeinden noch manches zu vermitteln.
Vor allem aber darf die Auseinandersetzung mit dem Islam nicht mehr oder weniger deutlich islamophoben Strömungen innerhalb der evangelikalen Bewegung überlassen werden, die zu oft ein sehr enges Verständnis der Religionsfreiheit aufweisen.
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