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Daß es nach der Volksabstimmung in der Schweiz, die zum Verbot des Minarett-Baus führt, zu Protesten kommt, ist zu erwarten gewesen.
Daß Staaten, in denen die Religionsfreiheit geschützt ist, gegen die Schweizer Entscheidung protestieren, ist völlig in Ordnung.
Daß aber in Pakistan, in der Türkei und anderen islamischen Staaten, in denen religiöse Minderheiten nur in geringem Maße Freiheit zur Ausübung ihrer Religion haben, gegen die Schweizer Entscheidung protestiert wird, ist unerträglich.
Es versteht sich von selbst, daß ich der Überzeugung bin, daß Muslime auch dann das Recht zur freien Ausübung ihrer Religion in unseren freiheitlichen Ländern haben müssen, wenn in deren Herkunftsländern oder überhaupt in der islamischen Welt etwa Christen im besten Fall eine gegenüber Muslimen eingeschränkte Religionsfreiheit genießen. Die rechtliche Situation in anderen Ländern kann niemals Grundlage der in freiheitlichen Ländern gewährten Religionsfreiheit sein.
Daß aber gerade derjenige gegen das Schweizer Verbot protestiert, der in seiner Heimat die Religionsfreiheit zum Teil erheblich einschränkt und dagegen auch nichts unternimmt, hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen - wer einen anderen auf einen kleinen Splitter in dessen Auge hinweist, sollte sich zuerst den Balken aus seinem eigenen Auge herausziehen.
Die Situation nicht nur der Christen, sondern vieler religiöser Minderheiten ist in zu vielen islamischen Ländern katastrophal. Zudem wird häufig das Recht auf negative Religionsfreiheit nicht geschützt - den Islam zu verlassen, zieht häufig Drohungen, Zwngsmaßnahmen, Diskriminierung, Verfolgung nach sich, immer wieder auch den Tod des "Apostaten".
Ich verstehe den Ärger der Muslime in der Türkei, in Pakistan und anderswo über die Schweizer Entscheidung - aber ich vermisse, daß man dabei auch einen selbstkritischen Blick auf die erschreckende Realität in islamischen Ländern zuläßt.
In vielen islamischen Ländern ist der Bau von klassischen Kirchen nur unter erheblichen Einschränkungen möglich (oftmals dürfen etwa einheimische Christen oder ehemalige Muslime die Kirchen nicht besuchen, die Möglichkeiten der christlichen Dienste wie Verkündigung, Diakonie, Mission usw. ist eingeschränkt), in Saudi-Arabien etwa ist der Bau jeder Art von Kirche untersagt - obwohl dort rund 600.000 Christen leben.
Die Verkündigung des christlichen Glaubens - in gewisser Weise das Gegenstück zur islamischen da'wa, dem Ruf zum Glauben - ist in den meisten islamischen Ländern untersagt, damit ist die Religionsfreiheit sowohl für die verkündigenden Christen als auch für die der Verkündigung zuhören und darauf antworten wollenden Muslime in erheblichem Maße eingeschränkt.
Faktisch sind die Angehörigen religiöser Minderheiten in vielen islamischen Ländern nur Bürger zweiter oder dritter Klasse. Der Status der Juden und Christen als "Schutzbefohlene" (dhimmis) kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es auch Minderheiten gibt, die nicht einmal diesen Status genießen.
Ich weiß, daß es unter den Muslimen der islamischen Welt (und auch in der Diaspora) solche gibt, die mangelnde Religionsfreiheit in ihren (Herkunfts-) Ländern beklagen. Ihre Stellungnahmen gehen jedoch so gut wie völlig unter - breiten Rückhalt genießen sie offensichtlich nicht in der islamischen Welt. Allerdings hat das islamophobe "Nein" zum Minarett-Bau in der Schweiz ihre Position in der islamischen Welt nicht unbedingt verbessert.
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