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Nicht der kurze Rock... PDF Drucken E-Mail
Blog - On the Slutwalk
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 28. Juni 2011 um 10:20 Uhr

... führt zu einem sexuellen Übergriff auf Frauen.

Gerne rät man Frauen, sie sollten sich "zurückhaltend" kleiden, um nicht mit sexueller Gewalt konfrontiert zu werden - aber Tatsache ist, daß selbst komplett verschleierte Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt werden (tatsächlich liegt die Zahl von Vergewaltigungen in manchen Ländern des Orients wie Ägypten oder Pakistan höher als in Deutschland und trifft dort verschleierte Frauen ebenso wie unverschleierte Frauen).

Vergessen wir also den Ratschlag - der oft genug als Ermahnung daherkommt -, Frauen sollten sich zurückhaltend kleiden.

Ermahnen müsasen wir nicht die Frauen, sich nicht vergewaltigen zu lassen, sondern die Männer, nicht zu vergewaltigen.

Wenn wir den Frauen einen Ratschlag geben wollen, dann den, jeden Eindruck von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Passivivtät oder Angst oder sogar Unterwerfung zu vermeiden. Bei sexueller Gewalt geht es um Macht, um Erniedrigung und Demütigung. Eine Frau, die aufrecht geht und Ruhe ausstrahlt, wird seltener mit sexueller Gewalt konfrontiert, und geschieht der Übergriff doch, so hilft es oft, wenn sie aktiv wird, dem Mann direkt in die Augen schaut, gegebenenfalls mit den Händen gezielt in das Gesicht des Angreifers schlägt.

Als Faustregel gilt: Eine Frau im Minirock, die Stärke und Ruhe ausstrahlt, wird seltener mit sexueller Gewalt konfrontiert, als eine "zurückhaltend" gekleidete oder gar verhüllte Frau, die Ohnmacht, Hilflosigkeit, Passivität, Unterwürfigkeit ausstrahlt.

An dieser Stelle muß man auch deutlich sagen: Eine in der (freilich irrigen) Wahrnehmung der Öffentlichkeit unterdrückte Frau wird eher mit sexueller Gewalt konfrontiert werden als eine andere Frau. Insofern sind das Kopftuch und der Schleier der muslimischen Frau durchaus problematischer als ein Minirock und hohe Absätze.

Natürlich gilt auch hier: Es macht keinen Unterschied, ob man eine Frau auffordert, sich "zurückhaltend" zu kleiden, um die Gefahr einer Vergewaltigung zu minimieren, oder ob man ihr im Gegenteil den Rat erteilt, sie solle die fälschlich als Symbole der Ohnmacht, der Hilflosigkeit und der Unterdrückung wahrgenommenen verhüllenden Kleidungsstücke vermeiden. Beide Ratschläge sind falsch, statt dessen müssen wir dafür Sorge tragen, daß Männer keine Frauen sexuell belästigen oder gar vergewaltigen.

Frauen dagegen sollen darin bestärkt werden, jeden Eindruck von Schwäche, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Passivität, Unterwerfung zu vermeiden - egal ob sie nun im Minirock daherkommen oder in der Burka.

Manche Frauen, die einmal ein Kopftuch oder gar einen Schleier anprobiert haben, berichten, daß diese Kleidung sie regelrecht in eine duckmäuserische Position zwingt, so daß sie den Kopf gesenkt halten. Frau kann lernen, auch in verhüllender Kleidung aufrecht zu gehen, Ruhe auszustrahlen. Das Verschleiern der Augen wird von manchen Männern zusätzlich als Zeichen von Schwäche und Unterwerfung interpretiert.

Aber auch eine Frau, die aus religiösen Gründen den Blick gesenkt hält und einem fremden Mann nicht in die Augen schaut, vielleicht auch ihre Augen verschleiert hat, ermächtigt damit keinen Mann, sie sexuell zu belästigen oder gar zu vergewaltigen. Die Schuld für einen solchen Übergriff wird immer allein beim Mann liegen, niemand hat das Recht, einer Frau dafür eine (Mit-) Schuld zu geben.

Ist es zu einem sexuellen Übergriff oder einer Vergewaltigung gekommen, so darf der Frau nicht nur nicht das Gefühl vermittelt werden, selbst schuld zu sein - sie darf auch nicht als Opfer betrachtet werden. Sie ist eine Überlebende sexueller Gewalt.

Das Schema Täter-Opfer muß durchbrochen werden, damit der Mann seine Macht über die Frau verliert. Solange die Frau sich als Opfer sieht, besteht die sexuelle Gewalt fort.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 09:33 Uhr
 

Kommentare  

 
# ÜberraschtGast 2011-06-28 17:44
Bin über die FB-Seite zu diesem Text gekommen und positiv überrascht. Eine so differenzierte und offene Sicht hätte ich ehrlich gesagt von der Seite nicht erwartet.
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