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Sagt zumindest Jörg Lau (und verwendet ein wirklich... äh... interessantes Bild als Aufmacher für seinen Beitrag).
Gut, er meint nicht mich im Besonderen, sondern "die Religionen" im Allgemeinen. Die seien gefährlich, sagt also der Lau, "sie müssen sozial, kulturell und politisch eingehegt werden, damit sie 'gut' sein können".
Ich schätze, die so gar nicht eingehegten Freikirchen wie etwa "meine" Baptisten sind in seinen Augen besonders gefährlich.
Wie dem auch sei, ich bin Jörg Lau dankbar, daß er mir Gelegenheit gibt, auch ein bißchen auf Angela Merkel einzugehen mit ihrem Spruch von wegen "unser Land leidet nicht an einem Zuviel an Islam, sondern an einem Zuwenig an Christentum!", wie sie es jüngst auf dem Parteitag der CDU zum Besten gegeben hat.
Erst teilt Bundespappkameradpräsident Wulff Deutschland zwischen Christen, Juden und Muslimen auf, und jetzt zieht die Merkel nach. Als sozial, kulturell und politisch uneingehegter und darum äußerst gefährlicher Baptist stoßen mir die Merkelschen Worte natürlich äußerst sauer auf. Ich höre sie ebenso ungern wie Lau, wenn auch freilich aus ganz anderen Gründen. Ich fordere nun einmal, wiederum aus anderen Gründen und mit einer anderen Zielsetzung wie Lau & Co., die Trennung von Staat und Religion.
Ich will in diesem Land weder ein "Mehr" an Islam noch an Christentum (nebenbei bemerkt auch kein "Mehr" an Atheismus). Ich will ein "Mehr" an Menschenrechten, ein "Mehr" an Trennung von Staat und Kirche/Religion, ein "Mehr" an weltanschaulicher Neutralität, ein "Mehr" an jener sozialen Gerechtigkeit, die etwa die alten Propheten Israels fordern.
Religion im Allgemeinen und das Christentum im Besonderen kann man nicht von "oben" mehren. "Die da oben" sollen das bitte schön auch nicht fordern oder zum Parteiprogramm erheben. Ich lehne ebenso jede Art von "Volksfrömmigkeit" ab (ebenso auch jede Art von "Volksatheismus").
In einem Punkt gebe ich Lau Recht: Das Christentum hat in unserem Land viel Schaden angerichtet. Das lag natürlich nicht daran, daß die Religion da nicht "eingehegt" war, sondern hatte andere Ursachen. Die christlich-jüdische Tradition unseres Landes ist nun einnal vor allem eine Tradition der Diskriminierung und Verfolgung der Juden durch die Christen. Und nicht nur gingen die Christen gegen die Nichtchristen vor, sondern auch untereinander hat man einander ziemlich übel mitgespielt.
Nur - das war ganz gewiß nicht das Christentum, sondern eine Verzerrung desselben, eine Verhöhnung der Lehren Jesu und der Apostel. Es war regelrecht eine "Einhegung" des Christentums durch gewisse Kreise. Gerade die so "eingehegten" Volkskirchen haben viel Leid über die Menschen dieses Landes gebracht. Das hat jetzt nichts damit zu tun, daß es die Katholiken, die Lutheraner und die Reformierten waren - daß es gerade diese Konfessionen waren, ist den Gegebenheiten geschuldet. Es ist einfach das Grundproblem mit Staats- und Amts- und Volkskirchen, unabhängig von der jeweiligen Konfession. Sobald das Volk oder der Staat oder die Politik oder die Medien versuchen, die Religion "einzuhegen" und für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, ist die Katastrophe vorprogrammiert.
Darum haben wir in Deutschland eine durch die weltanschauliche Neutralität des Staates geformte Trennung von Staat und Kirche - ein Modell, das zur Zeit hochgefährdet ist. Da haben wir etwa Merkel, die das Christentum "einhegen" und "mehren" will - denn "zu wenig führt zum Leiden" -, und da haben wir Lau, der das Christentum "einhegen" und "schwächen" will - denn zu viel führt zum Leiden. "Einhegen" wollen freilich beide das Christentum, ihm die Zügel anlegen. Beide sind darum meiner Einschätzung nach auch nicht gut auf Freikirchen zu sprechen, die sich nun einmal nicht "einhegen" lassen. Das freilich entspricht ohnehin dem Zeitgeist - er steht Freikirchen wegen ihrer Unabhängigkeit und ihrem Drang nach Freiheit skeptisch bis feindselig gegenüber.
Wie dem auch sei - "eingehegte" Religion kann niemals "gut" sein, auch wenn Lau anderer Auffassung ist. Kulturell, sozial und politisch - "eingehegte" Religion ist das Gegenteil von Freiheit und Menschenwürde, darum müssen die Kirchen sich gegen jeden Versuch, sie "einzuhegen" wehren. Nur so können sie nicht nur Gott dienen, sondern auch den Menschen, als freie Kirchen (nicht zwangsläufig als Freikirchen), die sich ihre Unabhängighkeit vom Staat, von der Politik, vom Volk wahren, die sich nicht vereinnehmen, nicht instrumentalisieren lassen.
Nur eine freie, unabhängige Kirche, die niemanden als Herrn akzeptiert und jedermanns Diener ist, kann überhaupt eine "gute" Kirche sein.
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Kommentare
Die Partei mag ein "C" in ihrem Namen haben, aber mit Christentum hat diese Partei so wenig gemeinsam wie Laminat-Fußboden mit Holz.
Die CDU will mehr Christentum? Dann sollte sie bei sich selbst anfangen.
Für ein gedeihliches Miteinander ist es deshalb schon sinnvoll hier einhegend vorzugehen. Dies kann sehr erfolgreich durch mediale Aufklärung geschehen. Zum Beispiel: wie sich das Frauenbild darstellt, die Haltung zur Homosexualität, zur Abtreibung (wobei es hier nicht um die soziale Indikation geht), die Evolutionswisse nschaft und wann die Erde entstanden ist...usw,, usw.
Dies wird eine übereifernde Missionstätigke it ins Leere laufen lassen.
(Wobei ich "Fundamentalismu s" möglicherweise anders definiere als der Verfasser des Kommentars.)
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