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Der Islam ist nicht Grundlage unserer Werteordnung, Traditionen und Kultur... PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 08. Oktober 2010 um 18:04 Uhr

... sagt Stefan Müller, parlamentarischer Geschäftsführer der CSU im Bundestag in Anspielung auf die Rede des Bundespräsidenten, der Islam gehöre inzwischen neben Judentum und Christentum auch zu Deutschland.

Lieber Herr Müller, ich will es ganz deutlich sagen: Grundlage unserer Werteordnung, Traditionen und Kultur ist auch nicht das Christentum, und auch CDU und CSU haben mit Sicherheit nicht das Christentum als Grundlage, auch wenn sie ein "christlich" in ihren Namen führen.

Wie schrieb der baptistische Theologe und Journalist Andreas Malessa so schön über die CDU: "Wörtlich: Christlich Demokratische Union. Deutsche Partei, die auf der Grundlage des Evangeliums Politik betreibt. Nämlich Arme nährt, Gefangene besucht, Obdachlose aufnimmt, die Schöpfung bewahrt, Mächtige vom Thron stürzt, dafür Niedrige erhöht, Hungernde beschenkt und Reiche leer ausgehen läßt (Lukas 1,51-53; Matthäus 25,35-36)." (Andreas Malessa: Das fromm-deutsche Wörterbuch; Wuppertal 2002).

Ist dem noch etwas hinzuzufügen über die Christlich Demokratische Union und ihre bayrischen Schwester, aber auch über die  Grundlage unserer Werteordnung, Traditionen und Kultur?

Ja, vielleicht noch das mit den Samaritern. Wer sich mit den neutestamentlichen Berichten auseinandersetzt, die sich mit den Samaritern befassen - "damals sehr verachtet und gehaßt; die Juden sahen stolz auf sie herab, von diesen dummen fremden Heiden aus dem feindlichen Land wand man sich naserümpfend ab" (Arno (Backhaus) & Andreas (Malessa): "Parabel" aus der LP "Langarbeitsheftspielscheibe") -, der entdeckt, wie liebevoll Jesus mit diesen umgeht. Alle Berichte über sie im Neuen Testament sind positiv. Und schaut man etwas genauer hin, entdeckt man, daß die biblischen Berichte über sie uns Vorbild für unseren Umgang mit den Muslimen sein können, ja, sein sollen. 

Der christliche Glaube ist nun einmal mehr als das, was gerade CDU und CSU uns unter der Discounter-Hausmarke "Christentum" zu bieten haben und gegen den Islam verteidigen wollen. In gewisser Weise war der Bundespräsident mit seiner Rede vielleicht näher dran als die Kritiker aus den Reihen von CDU und CSU (und nein, ich nehme meine Kritik an seinen Worten nicht zurück).

Christentum ist mehr als das, was unsere Werteordnung, Traditionen und Kultur hergeben. Es ist schlicht und ergreifend Etikettenschwindel, wenn man das mit "Christentum" beschreiben will (und mehr noch, wenn man die Union mit diesem Etikett versehen will).

Wäre wirklich das Christentum Grundlage unserer Werteordnung, unserer Traditionen und unserer Kultur und ebenso der Union, dann würden wir nicht so stolz auf die Muslime herab sehen, würden wir sie nicht als dumme fremde Heiden (politisch korrekt: edle Wilde) aus einem feindlichen Land sehen, würden wir uns nicht naserümpfend abwenden. Dieses Land wäre radikal anders, wie Malessa ja auch eine radikal andere CDU beschreibt.

Lieber Herr Müller, liebe Union: Vielleicht lesen Sie einmal das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Und die Worte, mit denen Andreas Malessa so treffend die CDU beschrieben hat.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 08. Oktober 2010 um 18:14 Uhr
 

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