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Felix Thiessens Evangelikalophobie PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 30. April 2010 um 09:12 Uhr

Sie wissen nicht, wer Felix Thiessen ist? Machen Sie sich nichts daraus, man muß sich diesen Namen nicht merken.

Felix Thiessen hat einem Bericht des hpd zufolge am 21. April im InterCity Hotel Freiburg einen Vortrag über "Evangelikale in Deutschland" gehalten. Ich habe diesen Vortrag nicht besucht, mir liegt nur ein Bericht mit dem Titel "Jesus Companies - Evangelikale in Deutschland" vor, für den der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (ibka), die Jungen Atheisten (ja) und der Humanistische Pressedienst (hpd) verantwortlich zeichnen. Die beiden ersten Gruppierungen haben denn auch den Vortrag Thiessens veranstaltet.

Mein erster Gedanke über den Bericht war die Frage, ob Thiessen nun eigentlich nur dumm wie Brot ist oder aber bewußt die Unwahrheit sagt. Diese Frage kann ich nicht beantworten, aber auf die größten Klopse des Felix Thiessen will ich kurz eingehen.

Erst einmal war die Überschrift "Evangelikale in Deutschland", also würde ich einen Vortrag über jene rund 3-5 Millionen Christen erwarten, die dem alles andere als homogenen Bereich der Evangelikalen zugerechnet werden, von denen wenigstens die Hälfte zur Evangelischen Kirche in Deutschland gehört. Aber im Vortrag ging es dann wohl mehr um die evangelikalen Verbände - dabei sind die meisten Evangelikalen in Deutschland gar nicht in einem evangelikalen Verband engagiert.

Schon Thiessens Versuch, die Anfänge der evangelikalen Bewegung darzustellen, ist, wenn man den Bericht zugrundelegt, eine große Ansammlung von Falschinformationen. Selbst Wikipedia weiß es besser.

Dann die Glaubensinhalte, wie Thiessen sie dem Bericht zufolge vorgestellt haben soll, die angeblich "allen Verbänden gemeinsam sind", auch wenn die Mehrheit der Evangelikalen, wie gesagt, keinem evangelikalen Verband angehört:

  • "Die Bibel ist das absolut wörtlich zu nehmende Wort Gottes" ist erstens eine inhaltsleere Gummiaussage, zweitens aber auch nur für eine absolute Minderheit der evangelikalen Christen zutreffend - selbst in der Evangelischen Allianz
  • "Die Erde ist 6000 Jahre alt und die Evolution ist eine diabolische Erfindung der Wissenschaft" - obwohl sogar als dem evangelikalen Bereich nahestehende Verlage wie z.B. Oncken und Brunnen Bücher herausbringen, die sich für die Evolutionstheorie und gegen Kreationismus und "Intelligentes Design" sprechen, obwohl nicht einmal die Evangelische Allianz sich zum  Kreationismus bekennt, obwohl die Zahl der Evangelikalen, die den Kreationismus und die ID-Bewegung entschieden ablehnen, sehr hoch ist, und und und...
  • "Krankheiten sind Strafen / Prüfungen Gottes" ist natürlich völliger Blödsinn. Kaum ein evangelikaler Christ glaubt so etwas - schon gar nicht in dieser plumpen Form.
  • "Homosexualität ist Sünde, Abtreibung und Verhütung sind Mord" - nun ja, es gibt eine ganze Menge homophober Evangelikaler. Vermutlich ist der Anteil der Homophoben an der evangelikalen Bewegung etwa so hoch wie der an der Gesamtbevölkerung. Immer mehr evangelikale Theologen sprechen sich freilich dagegen aus, die Homosexualität zu verurteilen. Auch daß Abtreibung in jedem Falle Mord sei, werden nur wenige Evangelikale bejahen, auch wenn die negative Haltung zur Abtreibung in jedem Fall überwiegt (der Verfasser dieses Kommentars sieht das ebenso). Aber daß Verhütung Mord sei ist nun wieder völliger Unsinn.
  • "Andere müssen bekehrt werden" ist eine ironische Aussage, wenn man sich die bestrebungen atheistischer Kreise anschaut, andere von der Religion weg zum Atheismus zu bekehren. Vor allem aber gibt es keine einheitliche evangelikale Missiologie, und daß andere bekehrt werden müssen, würde wohl kaum ein Evangelikaler bejahen.
  • "Die Erde wird bald untergehen, sie selber werden aber als 'Auserwählte' gerettet" ist wieder so eine völlig hanebücherne Aussage, die mit der evangelikalen Bewegung de facto nichts zu tun hat, ebenso wie die letzte Behauptung:
  • "Wir ernten was wir säen (Das rechtfertigt  auch absoluten Wirtschaftsliberalismus, nur der Tüchtige soll vom Reichtum der Erde profitieren) - völliger Unsinn, den Thiessen da zum Besten gegeben hat.

In jedem Fall zeigt und bekämpft Thiessen eine evangelikale Bewegung, die kaum ein evangelikaler Christ akzeptieren, sondern ebenso entschieden ablehnen würde wie Thiessen. Thiessens Evangelikalismus ist eine Luftnummer, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Des weiteren hat Thiessen dem Bericht zufolge behauptet, in Deutschland gäbe es "1,3 Millionen Mitglieder", was in keinster Weise stimmt, denn diese Bewegung hat keine Mitglieder, auch nicht die Evangelische Allianz. Allenfalls ein paar Vereine und Institute haben Mitglieder, die aber wiederujm sind nicht "die evangelikale Bewegung".

Insgesamt gibt es, so genau weiß es keiner, 3 - 5 Millionen evangelikale Christen in Deutschland, von links- und neoevangelikal über Allianzevangelikale, charismatische Evangelikale, Bekenntnisevangelikale, Evangelikale mit verschiedensten Migrationshintergründen usw. usf.

Der nächste Brüller in Thiessens Vortrag besteht darin, daß er 'mal eben die Neuapostolische Kirche unter die Evangelikalen rechnet. Dann zeigt Thiessen Videos, die aus TV-Sendungen stammen, die sich mit Randerscheinungen des Evangelikalismus befassen und selbst diesen noch verzerrt darstellen.

Dann behauptet Thiessen allen Ernstes, die "finanzielle Basis" der evangelikalen Verbände sei eine "Abgabe der Mitglieder von 20% ihres Einkommens sowie Spenden, Gebühren für Kurse und 'Heilungen' und zusätzliche 'freiwillige' Arbeitseinsätze" - selten habe ich einen solchen Unsinn vernommen wie diesen Schmarrn, bei dem ich mich dann wirklich frage, ob Thiessen einfach nur maßlos dumm ist oder seine Zuhörer bewußt in die Irre führen und gegen die Evangelikalen hetzen will.

Anschließend faselt Thiessen weiter über "große Gefahren für das friedliche Zusammenleben weltweit" aufgrund von einer  "Platzierung ihrer Leute in politischen Parteien", einem "Feindbild Islam" etc. pp. Und nach seinem Vortrag stimmen ihm die meisten seiner Zuhörer zu, daß die evangelikale Bewegung, ihre Aktivitäten und ihre "rasante weltweite Ausbreitung" gefährlich seien.

Es ist erschreckend, daß ibka, ja und hpd solchen evangelikalophoben, rassistischen Unsinn verantworten bzw. verbreiten und damit die Stimmung gegen evangelikale Mitbürger anheizen. Der hpd agiert mit der Weitergabe dieser Äußerungen in etwa auf dem Niveau von "Politically Incorrect" oder "Akte Islam" - nur das Feindbild ist ein anderes, "Feindbild Islam" hier, "Feindbild Evangelikale" dort.

Was nun Felix Thiessen betrifft - der Mann soll 17 Jahre alt sein. Aufgrund seines jungen Alters neigt man dazu, ihn mit nachsichtig zu sein und in der Kritik Zurückhaltung zu üben.

Ob IBKA und JA ihn deswegen in den Ring geschickt haben? Jede Kritik an seinen Äußerungen kann dann mit Hinweis auf die Jugend des Vortragenden verunglimpft werden, ohne sich mit den Argumenten auseinandersetzen zu müssen - auch eine Art, Kinder und Jugendliche zu mißbrauchen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 30. April 2010 um 09:18 Uhr
 

Kommentare  

 
# Amüsanter SchwachsinnGast 2010-08-26 11:33
Sehr geehrter Herr Molthagen,
es ist ja verständlich wenn Evangelikale unter Gehirnschwund leiden, allerdings stellt sich mir die Frage ob man mit dies auch noch in pseudojournalis tischen Schmierenkomödi en zur Schau stellen sollte.
Vor allem Ihre Sachlichkeit a la "Dumm wie Brot" unterstreicht auf eindrucksvolle Weise Ihre Unbefangenheit.
Übrigens ist das "Kind" von dem Sie schreiben nebenher noch Inhaber seines eigenen Medienservices (Event- und Kulturmanagemen t), sowie Leiter verschiedener Seminarangebote aus den Bereichen Rhetorik.
Vielen Dank für Ihren überaus amüsanten Artikel- auf Ihre unsachliche und weltfremde Darstellung "inhaltlicher" Art werde ich jedoch nicht eingehen- mein Empfinden des Niveaus wäre an dieser Stelle zu unterkellert.
Mit gottesfreien Grüßen
Felix R. Thiessen
1. Bundesvorsitzen der Junge Atheisten
Evenmanagement See Agentur & Thiessenmedia Service
Projektleiter Rhetorikakademi e 2010
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