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Heute findet die erste Sitzung des Runden Tisches "Sexueller Kindesmißbrauch" statt. Aus meiner Sicht fehlen an diesem Tisch zwei Personengruppen: Erstens die evangelischen Freikirchen, zweitens die Muslime.
Sexueller Kindesmißbrauch ist leider auch in evangelischen Freikirchen ein Thema - und ebenso in Moscheegemeinden, islamischen Zentren usw.
Soweit es die Freikirchen betrifft: Ich bin überzeugt, daß die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, das im Rahmen einer evangelischen Freikirche betreut wird, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit sexuell mißbraucht wird als ein Kind, das in einer Einrichtung der katholischen Kirche betreut wird. Und leider gibt es nicht selten sexuellen Mißbrauch an Kindern in freikirchlich geprägten Familien bzw. dem Umfeld dieser Familien. Und weit mehr als etwa in der katholischen Kirche, davon bin ich ebenfalls überzeugt, wird dieses Thema in Freikirchen totgeschwiegen, unter den Tisch gekehrt, mit einem Tabu belegt.
In einem freikirchlichen Umfeld wachsen Hunderttausende Kinder auf - wir dürften hier eine sehr hohe Zahl von Opfern haben.
Über das Thema Kindesmißbrauch in einem muslimischen Umfeld wurde anderswo schon etwas gesagt, dazu möchte ich mich hier nicht äußern. Auch nicht äußern möchte ich mich zu der Frage, wie es denn in weiteren Religionsgemeinschaften aussieht (z.B. Neuapostolische Kirche, Zeugen Jehovas...).
Jedenfalls hätte ich mir gewünscht, man hätte auch die beiden Gruppen "Freikirchen" und "Muslime" am Runden Tisch "Sexueller Kindesmißbrauch" berücksichtigt, bei den Freikirchen etwa über die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Hier ist eindeutig etwas versäumt worden.
Ich hoffe, daß die Freikirchen von sich aus aktiv werden - einige haben damit bereits begonnen, aber da steht noch viel aus. Und es wäre fatal, das intern regeln zu wollen und die "Welt" außen vor zu lassen.
Wer aber als Freikirchler glaubt, bei uns sei sexueller Kindesmißbrauch kein Thema - dem kann ich nur sagen, daß er sich irrt. Es ist ein Thema. Wir haben in unseren Freikirchen sowohl den sexuellen Mißbrauch von Kindern als auch eine Kultur des Schweigens, Wegsehens und - vielleicht am Schlimmsten - Entschuldigens der Täter. Zu oft geben wir sogar den Opfern eine Schuld, vor allem, wenn der Täter doch ein "Gesalbter des Herrn" oder etwas in der Art ist.
Leider ist es von hier aus auch nicht weit zu einem verantwortungslosen Gerede über "okkulte Belastungen" ("in diesem Kind ist ein böser Geist, und der hat versucht, mich zu verführen") und dem Versuch, den "Teufel" austreiben zu wollen. Dies ist dann der absolute Tiefpunkt des Kindesmißbrauchs in einem evangelikal-freikirchlichen Umfeld.
Liebe Freikirchler - bitte seht nicht weg. Bitte schweigt dieses Thema nicht tot. Bitte denkt nicht, sexueller Kindesmißbrauch hat mit uns nichts zu tun, kann in freikirchlichen oder evangelikalen Gemeinden nicht passieren. Bitte nehmt Eure Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen ernst.
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Kommentare
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