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Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 20. Februar 2010 um 11:43 Uhr

Da unser Gemeindepastor derzeit in Sachen Fortbildung im hohen Norden unterwegs ist, habe ich für ein paar Wochen die Gestaltung der Bibelstunde übernommen. Dort ist derzeit die Offenbarung an der Reihe, aber aus verschiedenen Gründen knüpfe ich nicht dort an, sondern blättere ein paar Bibelseiten zurück und nehme den Judasbrief ( Judas 1,1 ) durch.

Und das ist eine wirklich interessante Lektüre - nicht, weil er so schön kurz ist, sondern weil er auch den heutigen Bibellesern viel zu sagen hat.

Die Auseinandersetzung des Herrenbruders Judas - der sich selbst vor allem als "Sklaven Jesu Christi und Bruder des Jakobus" sieht - mit gnostischen Irrlehrern in palästinischen judenchristlichen Gemeinden ist auch heute noch aktuell, zeigt Judas doch sehr anschaulich auf, wie wenig Bedeutung ein hoher "Gnadenstand" oder auch eine "hochgeistige Theologie" bzw. ein charismatisches Schwärmertum haben, wenn die Lebensführung eine einzige Rebellion gegen das Gesetz Jesu Christi darstellt.

Und wenn sich selbst ein Herrenbruder nur als "Sklave Jesu Christi" vorstellt, so zeigt das mehr als deutlich, wie wenig gläubige Christen auf Titel und Positionen geben sollten (etwa auf die bei manchen Charismatikern so beliebten "Gesalbten des Herrn", die vielleicht glaubwürdiger wären, wenn sie "Sklaven des Herrn" genannt würden und dies auch tatsächlich wären).

Interessant ist der Umgang des Judas mit apokrypher Literatur, die er sorglos zur Begründung seiner Argumente verwendet. Es zeigt deutlich, wie wenig Verbalinspiration in der Bibel drin steckt, wie wenig "diktiertes Wort Gottes", während der uns evangelikalen Christen fremd oder sogar "unchristlich" erscheinende Hintergrund des Judas und der palästinischen Judenchristen den Brief trägt, die Beschäftigung mit apokryper und apokalyptischer Literatur, die unter frühen Christen so beliebt war wie die Septuaginta, jene Übersetzung des griechischen NT, die weit mehr Bücher enthält als unsere protestantischen Bibeln, bei denen sich die betreffenden zusätzlichen Schriften bestenfalls als "Apokryphen" oder "Spätschriften" zwischen Altem und Neuem Testament verstecken (löblich ist hier die Externer Link Stuttgarter Erklärungsbibel, die zwar diese Schriften ebenfalls zwischen AT und NT schiebt, aber immerhin ausführlich kommentiert, womit sie im Protestantismus fast schon ein Pionier ist).

Im Übrigen habe ich besonders die Erläuterungen Adolf Schlatters zum Judasbrief (Band 9 seiner Erläuterungen zum NT) schätzen gelernt. Im Prinzip könnte man die einfach so in einer Bibelstunde vortragen, und es wäre für jeden ein Gewinn.

Wie auch immer, ich kann es nur jedem empfehlen, sich einmal etwas ausführlicher mit diesem kurzen Brief auseinanderzusetzen. Wer dazu die Erläuterungen Adolf Schlatters zu Rate ziehen kann, wird davon mit Sicherheit profitieren.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 18. März 2010 um 10:23 Uhr
 

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