|
In Malaysia tobt ein heftiger Streit um die Frage, ob die Christen von Gott als von "Allah" sprechen dürfen - oder ob das allein den Muslimen vorbehalten sein soll. Weniger heftig als in Malaysia, wo deswegen Kirchen angegriffen wurden, hat der Streit mittlerweile (wieder einmal) auch Deutschland erreicht.
Vorweg sei klargestellt, daß Christen arabischer Sprache schon vor dem Aufkommen des Islam von "Allah" sprachen. Freilich gilt das nicht nur für Christen - wer in arabischer Sprache Gott sagt, egal, ob er nun den Gott der Bibel, den Gott des Koran, Thor, Odin, irgend einen Stammesgott, das fliegende Spaghetti-Monster oder wen sonst meint, der sagt, der schreibt "Allah". Das bedeutet freilich auch: Wer glaubt, die Muslime und die Christen beteten zum gleichen Gott, weil ja im Arabischen beide "Allah" sagen, der muß auch gleich die Anbeter Thors, Odins und aller anderen Götter mit einbeziehen. "Allah" im Arabischen ist wie "Gott" im Deutschen ein Sammelbegriff, der jede Gottheit meinen kann, sei es im monotheistischen oder im polytheistischen Umfeld. Nur Atheisten haben keinen Gott, keinen Allah.
Auch dies sei zu Beginn deutlich gemacht: Ich denke nicht, daß Gott das Gottesbild eines Menschen einer Prüfung unterstellt, der sich etwa in höchster Not an ihn wendet, seine Hilfe erbittet. Es gibt nun einmal nur einen Gott, und er liebt alle Menschen - so sehr, daß er um ihretwillen Mensch geworden ist, Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Retter. Immanuel, Gott mit uns - das ist ein zentrales Bekenntnis der Christen, das auf dem Alten Testament beruht, im Koran aber keine Entsprechung hat.
Kein Christ sollte es sich nehmen lassen, in arabischer Sprache von "Allah" zu sprechen, wie es unsere arabischen Geschwister schon taten, ehe der Islam aufkam. Umgekehrt sollte kein Christ es einem Muslim verwehren, von "Gott" zu sprechen.
Aber es führt kein Weg daran vorbei: Christentum und Islam haben jeweils ein Gottesbild, das das andere vollends ausschließt und keine Unierung, keine Vermischung zuläßt.
Wenn Christen von Gott sprechen, so offenbart erst der Kontext, was damit gemeint ist. In erster Linie ist mit "Gott" entweder der Gott und Vater Jesu Christi, der Schöpfer des Himmels und der Erden gemeint - oder aber der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. In zweiter Linie wird deutlich zurückhaltender das Wort Gott gebraucht, wenn es um Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Erretter geht - hier spricht man dann eben vom "Gott mit uns", vom Sohn Gottes - oder wenn es um den Heiligen Geist geht. Der theologische Sprachgebrauch ist hier sehr genau und vermeidet Begriffe und Konzepte, die mißverständlich sind.
Kein Christ kann freilich von Gott sprechen, ohne daß Jesus Christus und der Heilige Geist ausgeklammert werden. Das christliche Gottesbild ist immer trinitarisch - auch dort, wo etwa arabische Christen von "Allah" sprechen. Gott ist eben nicht allein der Schöpfergott, der über uns wacht, sondern in besonderer Weise der Gott und Vater Jesu Christi, und Jesus ist der "Allah mit uns", der Heilige Geist ist der "Allah in uns".
Christen gehen für gewöhnlich davon aus, daß Muslime an einen Gott glauben, also wie auch die Christen Monotheisten sind (wie es auch hinter der Formulierung der Charta Oecumenica vom "Glauben an den einen Gott" steht), und daß dieser Gottesglaube auf einem Gottesbild beruht, das vom jüdischen und vom christlichen Gottesbild abgeleitet ist und somit große Ähnlichkeiten aufweist - das aber die Feststellung, Muslime und Christen glaubten an denselben Gott, mißverständlich ist und sich nicht wirklich als tragfähig erweist, weil das christologische Zentrum im Gottesbild des Islam nicht gegeben ist. Dieses Zentrum ist aber für Christen unaufgebbar, nicht nur aufgrund von Dogmen und Überzeugungen, sondern vor allem aufgrund pastoraler, seelsorgerlicher Überlegungen. Weder in der Pastoral noch im Dialog führt ein uniertes Gottesbild weiter; es wird weder dem Christentum noch dem Islam gerecht.
Der christliche Glaube basiert auf der Predigt vom Gott mit uns, der für uns gekreuzigt ist. Dieser Gott offenbart sich in Knechtsgestalt - und gerade in dieser Kondeszendenz ist der Gott, an den Christen glauben, einzig. Hier verbietet sich jede Vermischung mit dem Gottesglauben der Muslime.
Aber das darf freilich niemals dazu führen, daß wir Christen den Muslimen den Gebrauch des Wortes "Gottes" verwehren (immerhin sagen auch die Verehrer Odins, Thors usw. usf. "Gott") - noch daß Christen das Wort "Allah" meiden sollten. Es ist ja der Begriff, der seit jeher arabische Bibeln, arabische Gebete, arabische Predigten prägt.
Zuletzt gilt zu bedenken, daß alle Gottesbilder menschengemacht sind, auf menschlichen Traditionen beruhen. Christen tun gut daran, ihr Gottesbild immer wieder an der Bibel zu prüfen, immer wieder neu auszurichten. Zu leicht erschafft sich der Mensch seinen Gott selbst, nach seinem Bilde. Das gilt für liberale Christen, für evangelikale Christen und für charismatische Christen. Der Mittelpunkt eines christlichen Gottesbildes muß stets das "Gott mit uns, der gekreuzigte Christus!" sein, der zugleich der Maßstab unseres eigenen Verhaltens sein soll (Philipper 2,5ff).
|
Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.