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Ja, ich bin ein Missionar, der bereit ist, für die Mission zu sterben! PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 14. November 2009 um 10:54 Uhr

Es ist wohl das Thema der deutschen Evangelikalen im Jahre des Herrn 2009: Sind Evangelikale und bei denen vor allem die Missionare Fanatiker und Extremisten, die in ihrer Todessehnsucht mit islamischen Selbstmordattentätern auf eine Stufe gestellt werden müssen? "Mission Gottesreich", vor allem aber "Frontal 21" und "Panorama" beantworten diese Frage mit einem eindeutigen "Ja" und liefern das eine oder andere Bild mit versteckter Kamera, indem sich todesmutige Reporter als "Evangelikalisten" tarnen - ein Vorgehen, das unsere Justiz mittlerweile als rechtmäßig anerkannt hat. Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes? Ebenso Fehlanzeige wie journalistische Ethik, aber so ist es nun einmal, das 21. Jahrhundert. Mich haben diese Vorfälle gelehrt, diesen "Dokumentationen" nicht mehr zu trauen - nicht nur, wenn es um Evangelikale bzw. Missionare geht, sondern auch, wenn es um Muslime oder sonst wen geht. Auch wenn sie scheinbar meine Meinung bestätigen - sorry, ich glaube kein Wort von dem, was ich hier mit meinen GEZ-Gebühren finanziert habe. 

Aber lassen wir diese "Dokumentationen" einmal beiseite, immerhin kam schon relativ lange nichts mehr, was sich gegen Evangelikale richtet. Da kann ich mich ja wieder aus der Deckung wagen und bekennen: "Ja, ich bin ein evangelikaler freikirchlicher Missionar, der bereit ist, für die Mission zu sterben". Und nicht allein das, nein, ich ermutige auch andere Christen, in die Mission zu gehen, auch wenn das bedeutet, ihr Leben zu lassen. Martyrium - das ist nicht nur etwas für islamische Selbstmordattentäter, aus der christlichen Mission ist die Bereitschaft zum Martyrium nicht wegzudenken. 

Nach diesen offenen Worten nun die Erläuterungen: Ein Missionar mag bereit zum Martyrium sein - er ist aber kein Masochist, der Folter, Qual und Tod sucht. Er ist ein Mensch, der am Leben hängt, der aber auch weiß, was schon die alte Kirche lehrte: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche Jesu Christi. Er ist ein Mensch, der das Leben schätzt, aber sehr wohl weiß, daß es Wahrheiten gibt, die es wert sind, daß man sein Leben dafür riskiert.

Schauen wir nun aber erst einmal, was "Mission" eigentlich bedeutet. Wenn Christen über die "Mission" sprechen, dann meinen sie fast immer etwas anderes, als wenn Nichtchristen darüber sprechen. Und auch Christen haben durchaus verschiedene Auffassungen - auch Evangelikale bzw. Freikirchler, ja selbst die Missionare selbst.

Mein Verständnis von Mission hat zwei Säulen: Das eine ist die Präexistenz des dreieinigen Gottes, das andere die Sendung Jesu Christi in diese Welt. "Mission" heißt ja nichts anderes als "Sendung", ein Missionar ist ein Gesandter, ein Bote. Ursprung aller christlichen Mission ist Jesus Christus, der als Mensch in diese Welt gesandt ist - und der wiederum die Gläubigen aussendet, zu Missionaren macht. Das tat er schon während seines dreijährigen Dienstes, das tat er besonders nach seinem Tod, nach seiner Auferstehung, vor seiner Himmelfahrt: "Geht hinaus in alle Welt!". Das haben heute zwar vor allem die GEZ-Kontrolleure für sich gepachtet, sprich die Missionare des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, die dann mit den Millionen in ihren Spendenbüchsen antimissionarische Sendungen finanzieren (sprich Anti-Missions-Missionare), aber eigentlich betrifft dieser Missionsbefehl die Jüngerinnen und Jünger Jesu Christi. 

Warum aber sollen die Jüngerinnen und Jünger Jesu, seine Nachfolger, in die Welt hinausgehen? Der Grund liegt in der Präexistenz des dreieinigen Gottes. Ehe Gott den Himmel und die Erde schuf, da war er schon von jeher der dreieinige Gott, una substantia, tres personae - eine Substanz, drei Personen ("Hypostasen": Verwirklichungsgestalten). Von jeher hat Gott Gemeinschaft in sich selbst, lebt er in einer innigen, liebevollen Beziehung. Und nachdem Gott den Himmel und die Erde geschaffen hat, da schuf er den Menschen - nach seinem Bilde. Nach dem Bilde des Gottes, der Gemeinschaft in sich selbst hat, sollen auch die Menschen Gemeinschaft haben: Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft mit dem Nächsten (und wer der Nächste ist, hat Jesus im Gleichnis vom "Barmherzigen Samariter" deutlich gemacht - heute wäre es ein muslimischer Türke oder ein orthodoxer Grieche, die komplett verschleierte Araberin oder die in ihren endlos langen Sari gehüllte Hindu-Frau). 

Ich bin überzeugt davon, daß es bei der Mission zuerst und zuletzt um Gemeinschaft geht - Christen sind ausgesandt, mit anderen Menschen Gemeinschaft zu haben. Ein missiologischer Fachbegriff, der seine Wurzeln in dörflichen Strukturen Lateinamerikas hat, ist "Konvivenz", nachbarschaftliches Leben: Man hilft einander, man lernt voneinander, man feiert miteinander. Mission bedeutet Helfen, Lernen, Feiern, damit aus Menschen Nachbarn werden, gute Nachbarn, die in Frieden miteinander auskommen.

Für diese Gemeinschaft, davon bin ich überzeugt, da lohnt es sich sogar, sein Leben zu riskieren. Ich glaube, daß Konvivenz, daß Gemeinschaft so unendlich wichtig ist, daß ich dafür mein Leben einsetzen muß. Ohne Gemeinschaft sterben wir so und so, ohne Gemeinschaft können wir nicht leben - darum ist es nicht möglich, unser Leben nicht zu riskieren. 

Einander helfen - das ist das Fleisch, der Muskel der Mission. Mission ist Diakonie, Hilfe für den Nächsten, praktische Nächstenliebe. Ich denke, hier lauern die meisten Gefahren für Leib und Leben. Wer aus Europa hinausgeht nach Afrika, Asien oder wohin sonst (obwohl zahlenmäßig sehr viel mehr christluiche Missionare aus Afrika und Asien kommen, nicht aus Europa oder den USA), der begibt sich in eine Umwelt, in der ihm vielfältige Gefahren drohen: Krankheiten, Unfälle, Überfälle und dergleichen mehr. 

Voneinander lernen - das ist die Seele der Mission. Mission ist Lehren und Lernen, sich informieren lassen und andere informieren. Jeder Mensch hat das Recht, alle nötigen Informationen zu erhalten, sich für oder gegen eine bestimmte Religion oder Weltanschauung zu entscheiden, aber auch das Recht, weder gegängelt noch unter Druck gesetzt noch mit Drohungen gefügig gemacht zu werden. Jeder Mensch hat das Recht, zu überzeugen und überzeugt zu werden. Das ist die logische Konsequenz der Universellen Menschenrechte. Mission fasziniert mich, weil ich hier die Chance habe, von anderen zu lernen. Mission bietet die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand zu schauen, den Horizont zu erweitern. Als Missionar lasse ich mich bewußt "missionieren", gebe ich vor allen Muslimen die Gelegenheit, mir von ihrem Glauben zu erzählen. Ich erlebe dies als eine Bereicherung meines Lebens; denn es verstärkt die Gemeinschaft, es hilft mir, zu verstehen. Es hilft mir auch, mein eigenes von judäo-christlichen und griechisch-römischen Traditionen kulturell geprägtes Leben und meinen eigenen christlichen Glauben besser zu verstehen, weil ich nur in diesen Begegnungen die Möglichkeit erhalte, alles, was mich ausmacht, in einem anderen Licht zu sehen, aus einer anderen Perspektive. Bitte, missioniert mich! 

In manchen Ländern der Welt wird dieser so wichtige Abschnitt der konvivenziellen Mission, das "Voneinander lernen", so kritisch gesehen, daß Menschen dafür umgebracht werden, wenn sie einem anderen Menschen eine Bibel geben und ihn auffordern, darin zu lesen. Aber auch hier gilt: Wo Menschen nicht voneinander lernen, da ist Gemeinschaft nicht lebensfähig, da herrscht nicht das Leben, sondern der Tod. Menschen müssen, um zu leben, voneinander lernen. Darum muß auch in diesem Bereich das Leben riskiert werden, weil die Alternative in jedem Fall der Tod ist. 

Es geht mir bei der Mission nicht darum, andere überzeugen zu wollen - das vermag allein Gott. Ich bin ein Zeuge, mehr nicht. Zentrum meines Glaubens ist die Bibel - darum gebe ich sie selbstverständlich weiter, darum empfehle ich, sie selbst zu lesen, um sich selbst ein Bild zu machen. Umgekehrt lese ich freilich den Koran, beschäftige mich mit der Sunna Muhammads, lasse mich auf "O-Töne des Islam" ein. Wer darin ein todeswürdiges Verbrechen sieht, der übersieht, daß nur auf dieser Ebene nachbarschaftliches Leben möglich ist und die Alternative letzten Endes auf den Tod zusteuert. So oder so - ohne voneinander zu lernen, finden wir schlußendlich den Tod, da kann und soll ich mein Leben riskieren. 

Miteinander feiern - das ist der Geist der Mission, der "Gospel", das "Spiritual". "Dermaleinst" - frommdeutsch für "wenn wir im Himmel sind" - werden wir alle miteinander feiern. Wir sind aufgefordert, dieses Feiern schon jetzt miteinander zu üben, ohne Berührungsängste, ohne trennende Gräben; denn die wird es im Himmel auch nicht mehr geben. (Manch ein Christ fragt jetzt vielleicht, ob ich an die Allversöhnung glaube. Ich kann die Fragenden beruhigen: Ja, das tue ich.) Da gibt es keine Abteilung für Lutheraner, Baptisten, Katholiken, Russisch-Orthodoxe, auch nicht für Christen, Juden, Muslime - im Himmel werden wir alle miteinander feiern.

Konvivenz - einander helfen, voneinander lernen, miteinander feiern - friedvolle Nachbarschaft - das alles ist es für mich wert, mein Leben zu riskieren. Man mag mich deswegen als Missionar auf eine Stufe mit islamischen Selbstmordattentätern stellen, man mag mir Fanatismus vorwerfen, mich für einen Extremisten halten. Ich bin bereit, für die Konvivenz und für die Mission zu sterben, weil nur sie zu einer guten Gemeinschaft führen, und ohne die sind wir so oder so tot. Kann der Einsatz meines Lebens für die konvivenzielle Mission da ein zu geringer Preis sein?

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 18. März 2010 um 10:39 Uhr
 

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