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Kreationismus im Biologie-Unterricht? PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 17. Januar 2012 um 18:49 Uhr

Im "Christlichen Medienmagazin pro" lese ich gerade, daß in England freie Schulen den Kreationismus und die "Intelligent Design"-Lehre (ID) nicht mehr im Biologie-Unterricht lehren dürfen. Anderenfalls droht der Verlust öffentlicher Gelder.

Dies ist eine Initiative, die zwar aus der falschen Ecke kommt (britischen Religiophoben), die ich aber dennoch begrüße. Kreationismus und ID haben im naturwissenschaftlichen Unterricht nichts zu suchen, weil es sich nicht um naturwissenschaftliche Theorien handelt. Wer will, kann Kreationismus und ID im Religionsunterricht behandeln - obgleich ich das fundamentalistische Gottesbild, das hinter diesen Vorstellungen steht, für sehr problematisch halte.

Wie dem auch sei - wenn wir Kreationismus oder ID im Biologieunterricht haben, dann bitte auch andere Modelle wie die, daß die Welt vom "Fliegenden Spaghettimonster" erschaffen wurde oder aus einer unerschaffenen Teekanne ausgegossen wurde (was die ungläubigen Naturwissenschaftler heute in blasphemischer Weise als "Urknall" lästern). Auch die germanischen Welterschaffungsmythen sollten dann bitte behandelt werden. Auch als sehr gläubiger Christ muß ich sagen: Kreationismus und ID haben vor solchen teilweise absurden Vorstellungen keinen wissenschaftlichen oder sonstigen Vorrang.

Vertreter des Kreationismus und des ID können nicht auf wissenschaftliche Modelle verweisen, nur auf Lücken in der Evolutuionstheorie und der damit verbundenen Modelle hinweisen. Es gibt kein einziges kreationistisches Modell, das die Entstehung des Universums, der Erde und des Lebens in Übereinstimmung mit Funden und Berechnungen erklärt - es sei denn, man nimmt an, Gott habe beispielsweise die Fossilien vergraben, um die Menschen 6.000 Jahre später an der Nase herumzuführen.

Es ist natürlich so, daß die Evolutionstheorie Lücken aufweist. Aber immerhin gibt es um die Lücken herum ein allgemein anerkanntes Modell. Der Kreationismus weist keine Lücke auf, weil es kein Modell gibt, das den Vorgaben der Naturwissenschaft genügt (z.B. Falsifizierbarkeit).

Auf dieser Basis wäre auch die Annahme plausibel, das die ganze Welt erst am 17. Januar 2012 um 18.41 Uhr aus der galaktischen Teekanne ausgegossen worden ist - und alle unsere Erinnerungen an die Zeit vorher und auch unsere religiösen Vorstellungen von der Teekanne erschaffen worden sind. Das klingt absurd? Es ist nicht absurder als der Kreationismus.

Ja, ich glaube, daß Gott die Welt geschaffen hat. Die Evolutionstheorie will nicht beweisen, daß dem nicht so ist (wer behauptet, die Evolutionstheorie mache den Glauben an Gott oder daran, daß Gott die Welt geschaffen hat, überflüssig, mißbraucht die Naturwissenschaft und überschreitet Grenzen - materialistischer Fundamentalismus).

Naturwissenschaft und Glaube - das sind zwei Wege, die Welt zu entdecken und zu beschreiben. Sie schließen einander nicht aus, und sie gehören auch in der christlichen Verkündigung zusammen.

Kreationismus hat im Biologie-Unterricht nichts zu suchen - ebenso wenig wie die Behauptung, die Evolutionstheorie habe bewiesen, daß Gott nicht der Schöpfer sei oder gar nicht existiere.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. Januar 2012 um 18:51 Uhr
 

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