Startseite Blog Christentum Oslo: Norwegerin verurteilt Freikirchen

Ähnliche Inhalte

Social Bookmarks

Add to: Mr. Wong Add to: Webnews Add to: Icio Add to: Oneview Add to:  FAV!T Social Bookmarking Add to: Favoriten.de Add to: Seekxl Add to: Social Bookmark Portal Add to: BoniTrust Add to: Power-Oldie Add to: Bookmarks.cc Add to: Newskick Add to: Newsider Add to: Linksilo Add to: Readster Add to: Yigg Add to: Linkarena Add to: Simpy Add to: Netvouz Add to: Folkd Add to: Spurl Add to: Google Add to: Blinklist Information
Social Bookmarking
714344
Oslo: Norwegerin verurteilt Freikirchen PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 26. Juli 2011 um 09:46 Uhr

Obwohl der Doppelattentäter von Oslo kein Freikirchler ist, weist die Norwegerin Britt Hogstad Hansen den Freikirchen eine Schuld zu : Während die evangelisch-lutherisch geprägte Staatskirche für "Offenheit" stehe und also unschuldig sei, seien die "vielen Freikirchen", in deren Nähe der "konservative Christ" Breivik gerückt wird, ganz anders zu betrachten, sie seien "völlig anders geartet" und würden "alles Andersartige ablehnen" erklärt die "Ideenwissenschaftlerin" gegenüber der "Märkischen Allgemeinen" ( Quelle).

Die in Potsdam lebende Norwegerin unterstellt den Freikirchen eine Ethik, "die wirtschaftlichen Erfolg als gleichbedeutend mit einem sicheren Platz im Himmel" ansehe, wer nicht "konform und erfolgreich" sei, habe nicht Gottes Segen. In Freikirchen blühe "krudes Gedankengut", Menschen würden ausgegrenzt, nur derjenige, der "so ist wie sie, hat einen Wert.“

Wie gesagt: In dem Artikel geht es um das Doppelattentat von Oslo, geht es um den "konervativen Christen" Breivik, der zur Staatskirche gehört, zum Katholizismus tendiert und Mitglied einer Freimaurerloge war - und nicht etwa einer Freikirche.

Es ist richtig, daß ich Breivik mit "evangelikalen Christen" gleichstelle bzw. ihn unter diese rechne, weil das Gedankengut, das Breivik im Hinblick auf den Islam vertritt, leider auch unter evangelikalen bzw. freikirchlichen Christen weit verbreitet ist. Es ist richtig, daß ich uns Christen auffordere, in diesem Geschehen auch einen Umkehrruf Gottes zu sehen, über unseren Umgang mit Muslimen nachzudenken.

Natürlich war es nicht evangelikale Prägung, die Zugehörigkeit zu einer evangelikalen Gemeinde oder die Übernahme evangelikalen Gedankengutes, das zu Breiviks Radikalisierung geführt hat. Und auch Breiviks Ablehnung von allem Andersartigen hat seine Wurzeln nicht in einer evangelikalen Überzeugung. Es wäre falsch zu sagen, daß Breivik die Attentate begangen hat, weil er evangelikale Überzeugungen übernommen hat. Eher übernehmen evangelikale bzw. freikirchliche Christen oft rechtspopulistische, islamophobe Überzeugungen. Dafür kann es freilich keine Entschuldigung geben.

Was Breiviks christlich-rechtspopulistische Islamkritik betrifft, gibt es also Schnittmengen zu vielen Evangelikalen bzw. Freikirchlern. Und sicherlich sieht der zum Katholizismus tendierende, wohl den Freimaurern angehörende Staatslutheraner Breivik mehr Übereinstimmungen seines Christentums mit dem der Freikirchen als mit dem der lutherischen Staatskirche Norwegens.

Wie dem auch sei, in Norwegen soll es rund 184.000 Protestanten geben, die nicht zur Staatskirche gehören, das sind rund 3,7 % der Bevölkerung. Zu den klassischen Freikirchen gehören vor allem die Pfingstgemeinden mit rund 45.000 Mitgliedern, die Evangelisch-Lutherische Freikirche mit rund 20.000 Mitgliedern, die Methodistische Kirche mit rund 13.000 Mitgliedern und die Baptisten mit rund 5.000 Mitgliedern, zusammen also rund 83.000 Mitglieder (ohne Familienangehörige, mit diesen könnten es schätzungsweise 240.000 - 300.000 sein). Dazu kommen noch weitere kleinere Freikirchen.

Daß Hansen diese Freikirchen alle in einen Topf wirft und auch noch im Zusammenhang mit dem "christlich-konservativen" Doppelattentat von Oslo eine Schuldzuweisung vornimmt, kann man nur als soziale Phobie bezeichnen, derer sich die Norwegerin schuldig macht und die von der "Märkischen Allgemeinen" ungeprüft verbreitet wird, obgleich sie sich auf dem Niveau von "Politically Incorrect" & Co. bewegt - ein von Unterscheidungsvermögen und Offenheit ungetrübtes "Feindbild Freikirchen".

Der Unterschied zwischen meiner "Evangelikalisierung" Breiviks und Hansens Schuldzuweisung an die Freikirchen besteht darin, daß Hansen ein kultur-rassistisches Feindbild bedient, daß sie die Freikirchen, zu denen Breivik gar nicht gehört, in den Mittelpunkt der Debatte um das Doppelattentat stellt und eine Schuldzuweisung vornimmt.

Mir geht es darum, evangelikale bzw. freikirchliche Christen darauf hinzuweisen, daß rechtspopulistisch-islamophobes Gedankengut auch in unseren Kreisen zu finden ist und wir zu einer Kurskorrektur aufgerufen sind.

Noch einmal zu den Anklagen Hansens: Eine Ethik, nach der wirtschaftlicher Erfolg "gleichbedeutend mit einem sicheren Platz im Himmel" sei, ist nicht typisch freikirchlich, sondern hat seine Wurzeln in der Reformation, bei Calvin, dem anderen großen Reformator. Es ist richtig, daß reformierte Überzeugungen viele Freikirchen geprägt haben - aber bei weitem nicht alle.

Auch lehnen Freikirchen nicht alles Andersartige ab. Ein solcher Vorwurf ist nur als kultur-rassistisch zu bezeichnen und bewegt sich auf exakt demselben Niveau wie die Islamophobie, wie wir sie bei "Politically Incorrect" & Co. finden.

Ergänzung

Nioch zwei ähnlich gestrickte Kommentare, ohne sie eines weiteren Kommentars zu würdigen:

Nicht viel besser finde ich allerdings jene Kommentare, etwa beim "Pro Medienmagazin", die versuchen, Breivik als nicht religiös darzustellen (siehe z.B. hier).

Vielen Journalisten mangelt es offensichtlich an der Fähigkeit zu objektiver, sachlicher und differenzierter Berichterstattung, wenn es um Terror & Religion geht - aber das kennt man ja schon von Artikeln und Kommentaren im Hinblick auf den Islam.

Auffällig ist freilich, daß viele Journalisten im Hinblick auf Oslo ihre Vorgehensweise um 180 Grad umdrehen, wenn es in ihrer Berichterstattung über den Bezug des Attentäters zur Religion geht. Faustregel: Wer bei einem Anschlag der Taliban oder der al-Qaida jeden Zusammenhang mit dem Islam leugnet, verfährt im Falle Oslo mit dem "fundamentalistischen" (also: evangelikalen bzw. freikirchlichen) Christentum genau anders herum. Auf der anderen Seite gilt das Gleiche.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 26. Juli 2011 um 10:21 Uhr
 

Kommentare  

 
# Freikirchen in NorwegenMichael Molthagen 2011-07-27 16:47
Ich würde mich übrigens nicht wirklich wundern, wenn die evangelischen Freikirchen in Norwegen jetzt, wie es schon bei Britt Hansen anklingt, unter Generalverdacht geraten.

Man wird sehen müssen, ob sich die Situation für die norwegischen Freikirchler nun zum Schlechteren verändert.

Ich kenne die Verhältnisse in Norwegen nicht, aber wäre das Doppelattentat in Deutschland geschehen, hätten wir bereits eine massive Kampagne gegen "evangelikale Freikirchler" mit Auftritten von Prof. Pfeiffer, seitenlangen Artikeln in der SZ, ätzenden Kommentaren bei "Mission Gottesreich" als Introitus.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 
 
# Mission GottesreichMichael Molthagen 2011-07-27 16:50
Ups, das Politically Incorrect des Feindbildes Evangelikale, "Mission Gottesreich", hat ja schon längst begonnen, das Doppelattentat für die eigene Mission auszuschlachten .

Mal schauen, wann Prof. Pfeiffer "beweist", daß "evangelikale Freikirchler" (Protestanten, sonst.) viel häufiger Terroranschläge begehen als alle anderen Gruppen z.B. "Muslime".
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 

Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln und die allgemeinen Nutzungsbedingungen, die im Impressum niedergelegt sind.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.


Sicherheitscode
Aktualisieren

InfoAdministrationXML Sitemap