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Evangelikalenfeindlichkeit ist Rassismus PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 08. Juni 2011 um 10:02 Uhr

Einem Artikel des Berliner Soziologen, Bioethikers und Rassismusforschers Prof. Dr. Achim Bühl ( Neue Rheinische Zeitung: 10 Thesen zur Islamfeindlichkeit) verdanke ich die Untermauerung meiner These, daß Evangelikalenfeindlichkeit in der Tat Rassismus ist.

Bühl schreibt zur Islamfeindlichkeit: "So wird etwa im Netz argumentiert die sogenannten Islamkritiker könnten gar keine Rassisten sein, da sie ja nichts gegen eine 'Rasse' hätten, sondern nur gegen eine Religion. Dieses Statement übersieht, dass sowohl in der Soziologie als auch in diversen Deklarationen der Vereinten Nationen nach 1945 Rassismus über die Methode der aggressiven Exklusion des anderen definiert wird und nicht über das zugrundegelegte Merkmal, mit dessen Hilfe die abgelehnte 'Fremdgruppe' konstruiert wird".

Das gilt natürlich auch für Evangelikalenfeindlichkeit bzw. Evangelikalophobie - je nach "Methode der aggressiven Exklusion des anderen" handelt es sich bei gegen evangelikle bzw. freikirchliche Christen gerichtete Äußerungen um nichts anderes als Rassismus. Und als kulturell rassistisch zu bezeichnende Methoden sind hierzulande weit verbreitet.

Ein Zitat Bühls, an die Evangelikalenfeindlichkeit angepaßt: "Islamfeindlichkeit Evangelikalenfeindlichkeit äußert sich als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber dem Islam und den Muslimen Evangelikalismus und den evangelikalen (und auch freikirchlichen) Christen und trat in den letzten Jahren vor allem in Form des kulturellen Rassismus auf" (Anpassung durch Durch- bzw. Unterstreichen kenntlich gemacht).

Und ja, wir haben in den letzten Jahren solchen kulturellen Rassismus gegen Evangelikale kennengelernt, aggressive Exklusionen gegen evangelikale Christen ("die Evangelikalen...") beispielsweise in Publikationen von "Mission Gottesreich", einem Buch wie auch Internet-Blog, der "Süddeutschen Zeitung", in Äußerungen von Prof. Christian Pfeiffer vom KFN (in den vorgenannten Fällen bietet diese Home Page mehrere Belege), der "Offenen Kirche" in Württemberg usw. usf.

Während aber viele Medien gegen den kulturellen Rassismus in Form der Islamfeindlichkeit dankenswerterweise gegensteuern, erleben wir das im Hinblick auf den kulturellen Rassismus in Form der Evangelikalenfeindlichkeit nicht.

Evangelikalenfeindlichkeit ist in den Medien, aber auch in der Politik, in bestimmten Bereichen der Kirche und nicht zuletzt auch des Islam weit verbreitet (wobei man freilich anmerken sollte, daß umgekehrt unter Evangelikalen in Landes- und Freikirchen eine das Vorbild Jesu mit Füßen tretende Islamfeindlichkeit weit verbreitet ist, auch wenn man das nicht gegeneinander aufrechnen kann).

Evangelikalenfeindlichkeit ist in Deutschland nicht weniger verbreitet als Islamfeindlichkeit - ein wichtiger Unterschied ist das Fehlen von verbalen oder tätlichen Angriffen gegen evangelikale oder auch freikirchliche Christen in der Öffentlichkeit, wie es als Anhänger ihrer Religion erkennbare Muslime durchaus erleben. Dies liegt aber nicht zuletzt daran, daß evangelikale wie freikirchliche Christen in der Öffentlichkeit für gewöhnlich nicht als solche zu erkennen sind. Angriffe verbaler oder tätlicher Natur sind darum eher an die Versammlungsstätten evangelikaler Christen gebunden (z.B. Kongresse, evangelisistische Veranstaltungen, diakonische Projekte usw.).

Auffällig ist, daß hierzulande die Evangelikalenfeindlichkeit mehr oder wenig deutlich mit einem gewissen Antiamerikanismus wie auch Antiisraelismus bzw. Antisemitismus zusammenfällt (der Freund meines Feindes) - und einem gewissen Proislamismus (der Feind meines Freundes).Hier berührt die Evangelialophobie dann auch die Xenophobie, da der Evangelikalismus wie auch das Freikirchentum eher als etwas Fremdes wahrgenommen wird.

Wie auch im Hinblick auf Muslime gilt hierzulande, daß nur die negativen Züge unter evangelikalen Christen wahrgenommen werden: Islamophobie, Kreationismus, Homophobie. Positive Züge werden zum einen nicht gesehen, zum anderen sind diejenigen Evangelikalen, die nicht islamophob, homophob, kreationistisch... sind, in der Öffentlichkeit mangels Vernetzung und professioneller Öffentlichkeitsarbeit nicht wahrzunehmen. Allerdings neigen evangelikalophobe Rassisten auch dazu, evangelikale Äußerungen, die dem "Feindbild Evangelikale" nicht entsprechen, als Täuschung oder Desinformation zu bewerten - analog zum weit verbreiteten "Taqiyya"-Vorwurf, mit dem Islamophobe den Äußerungen moderater Muslime begegnen.

Juden, evangelikale bzw. freikirchliche Christen und Muslime teilen hierzulande die Erfahrung, Opfer von Rassismus zu werden  - und sollten sich zusammentun, um diesen zu bekämpfen. Leider gelingt dies noch viel zu wenig - was freilich auch daran liegt, daß sich diese drei Gruppen oftmals skeptisch bis feindlich gegenüberstehen, ich denke hier in erster Linie sowohl an islamophobe Evangelikale wie auch an evangelikalophobe Muslime.

Den Rassismus gegen Juden, Evangelikale und Muslime zu bekämpfen erfordert als ersten Schritt, daß wir untereinander Vorurteile aufgeben - die Evangelikalen sollten sowohl ihre Haltung gegenüber den Juden (die diesen oft nur eine Statistenrolle in der Endzeit und als Bollwerk gegen den Islam zuordnet, was letzten Endes nichts anderes als eine Spielart des Antisemitismus darstellt) als auch gegenüber den Muslimen überdenken und korrigieren.

 

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