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Auf meiner Home Page Burkaverbot.de habe ich in den letzten Tagen ausführlich über jenen Vorfall aus Frankfurt am Main berichtet, wo die Stadtverwaltung einer Angestellten nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit an ihren Arbeitsplatz im Bürgeramt das Recht verwehrt, ihre Arbeit verschleiert auszuüben. Allenfalls ein Kopftuch dürfe die Frau tragen, keinesfalls eine " Burka" (wobei es sich wahrscheinlich um einen Niqab handelt). Doch nicht nur im Publikumsverkehr droht der Frau ein Beschäftigungsverbot - ihr droht ein Berufsverbot; denn auch im Innendienst will man die Frau nicht einsetzen (lebte sie in Niedersachen, könnte sie immerhin noch auf einen Putz-Job in der Nachtschicht hoffen, wie man aus dem Innenministerium in Hannover hört).
Die Zustimmung zu dem Vorgehen der Frankfurter Stadtverwaltung ist über die Grenzen Hessens hinaus groß, die Verurteilung der Frau findet viel Beifall - naturgemäß auch von Rechtspopulisten, Islamophoben und Rechtsesxtremisten.
Auf Burkaverbot.de nehme ich den Platz eines Kommentators ein, der private Meinungen zugunsten einer Betonung der Religionsfreiheit zurückstellt, hier ein paar private Worte zu der Frage: Darf eine Muslima verschleiert im Bürgeramt arbeiten?
Für mich ist die Antwort auf die Frage nach dem "Dürfen" ganz klar ein "Ja". Die Religionsfreiheit, so bin ich überzeugt, schützt ihr Ansinnen, auch im Bürgeramt verschleiert zu sein.
Käme ich in ein Amt, so hätte ich kein Problem mit einer verschleierten Frau. Warum sollte sie mich schlechter bedienen als eine Frau, die unverschleiert ist?
Natürlich ist für jeden, der mich kennt, klar, daß das auch mit meiner Prosopagnosie zu tun hat, meiner "Gesichtsblindheit". Für mich trägt ohnehin jeder Mensch einen Gesichtsschleier. Für das Gesicht bin ich blind, ebenso für Gesichtsausdrücke. Prosopale Kommunikation, Kommunikation über das Gesicht, ist für mich ein Fremdwort, eine völlig unbekannte Welt. Darum ist es für mich einerlei, ob die Dame am Schalter nun bar jeder Gesichtsbedeckung ist, starkes Make-up trägt, eine Ritterrüstung, eine Sonnenbrille, einen Motorradhelm oder eben einen Schleier. Allerdings unterscheide ich zwischem Letzteren und den anderen Accessoires dahingehend, daß allein der Schleier von der für mich so wichtigen Religionsfreiheit gedeckt wird. Das Verbot einer Sonnenbrille kann ich eher nachvollziehen; denn keine Religion sagt, man solle eine Sonnenbrille tragen. Beim Schleier, auch wenn er nur von wenigen Muslimas getragen wird, ist für mich etwas anderes.
Ich habe kein Verständnis für jene Menschen, die fordern, die Muslima müsse ihren Schleier ablegen. Das verletzt in meinen Augen die Religionsfreiheit, aber auch die Pflicht der Mehrheitsgesellschaft, die Anliegen der Minderheiten zu schützen, wie es der Verantwortung für die Stärkeren gegenüber den Schwächeren entspricht.
Ich habe Verständnis dafür, wenn sich jemand gegenüber einer verschleierten Frau unbehaglich fühlt. Wenn man, auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann, seinem gegenüber ins Gesicht sehen will, in die Augen (was der Nqab allerdings für gewöhnlich erlaubt). Es scheint vielen Menschen ungemein wichtig zu sein, dem Gegenüber von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, auch wenn ich mich frage, wie man dann kräftiges Make-up, einen kräftigen Vollbart, eine dunkle Sonnenbrille akzeptieren kann - aber ich verstehe das vielleicht nur deswegen nicht, weil ich eben Prosopagnostiker bin, für den das alles fremde Welten sind, böhmische Dörfer.
Wäre ich eine Muslima, die sich verschleiern wollte, würde ich vermutlich dieses Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft, dem Gegenüber von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, Verständnis entgegenbringen - und in dem Falle, daß ich in einem Amt arbeiten würde, wo ich Publikumsverkehr habe, nach einer Alternative im Innendienst suchen. Das wäre mein Kompromißvorschlag. Von einer Stadtverwaltung würde ich aber auch erwarten, daß man darauf eingeht und mir eine entsprechende Möglichkeit verschafft.
Wäre ich der Vorgesetzte einer solchen Muslima, würde ich eben auch einen solchen Weg vorschlagen: Vom Publikumsverkehr in den Innendienst, auch wenn ich mich über jene Leute ärgere, die Probleme damit haben, eine verschleierte Frau als Gegenüber zu haben.
Ich würde jedenfalls nicht verlangen, daß sie auf ihren Schleier verzichtet. Ich würde sie nicht vor die Wahl stellen: Schleier weg oder Kündigung.
Klar ist: Viele in unserer Gesellschaft haben Angst vor dem Schleier muslimischer Frauen. Auch wenn diese Ängste unbegründet sind, wenn die Vorbehalte falsch sind - die Bevölkerung ist im Hinblick auf den Schleier nun einmal, nun ja, noch nicht reif für ein offenes Miteinander. Unsere Gedanken, unsere Empfindungen sind mit Schleiern aus Angst, Vorurteilen usw. bedeckt. Wir stecken hier noch in mittelalterlichen Vorstellungen fest, der Schleier habe mit Unterdrückung, Gewalt, fehlender Gleichberechtigung zu tun. Anders als die Menschen im Nahen Osten, die mit dem Schleier unbegangener umgehen, weil er dort zum Straßenbuild gehören, sind wir im Hinblick auf den Umgang mit verschleierten Frauen noch im Mittelalter verwurzelt, es wird noch dauern, bis wir in der Gegenwart ankommen und den verschleierten Frauen auf Augenhöhe begegnen können, ohne sie als "Gespenster", Terroristinnen, Opfer von Unterdrückung usw. wahrzunehmen.
Leider fordert unsere Rückständigkeit und die Verschleierung unserer Fähigkeit, anderen offen und auf Augenhöhe zu begegnen, den verschleierten Frauen einiges ab: Sie müssen zurückstecken, sie müssen auf unsere Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, sollen bei uns nicht xenophobe und islamophobe Strömungen verstärkt werden.
Mir tut das leid, und ich versuche, gegen unsere Rückständigkeit Aufklärung zu betreiben, gerade mit Burkaverbot.de Ich hoffe, daß wir irgendwann eine moderne Gesellschaft sind, in der verschleierte Frauen ihren Platz finden, ohne auf Ablehnung, Mißbilligung, Feindschaft zu stoßen und mit dem Verlust von Beziehugnen, Arbeitsplätzen und Bewegungsfreiheit konfrontiert zu werden.
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