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Erst gestern habe ich in diesem Blog auf Aiman Mazyeks Äußerungen zur Komplettverschleierung hingewiesen; der Generalsekretär des ZMD wirft den komplett verschleierten Muslimas "Feigheit" vor.
Auf der eigenen Home Page "Islam.de" (dieser Domainname ist freilich ein Witz, wenn man bedenkt, wie wenige Muslime dieser "Zentralrat" eigentlich vertritt) legt der ZMD heute nach, was fast so aussieht, als wolle man noch einmal nach jemandem treten, der scheinbar schon am Boden liegt.
"Kaum ein Muslim würde heute die Burka religiös zu rechtfertigen versuchen", beginnt der Artikel des ZMD - was freilich eine bezeichnende Äußerung von einem Verband ist, der kaum mehr Mitglieder hat, als es in Deutschland Muslime gibt, die eine Komplettverschleierung befürworten. Der ZMD soll rund 10.000 Mitglieder haben; in Deutschland gibt es schätzungsweise 4.000 bis 5.000 komplett verschleierte Frauen. Nimmt man noch die jeweiligen Ehemänner dazu, die unverheirateten Männer, die den Schleier befürworten, die Frauen, die von Ehemännern oder der Familie gezwungen werden, sich nicht zu verschleiern, dann kommt man sicherlich auch auf 8.000 bis 10.000 Personen.
Wie dem auch sei, diese 8.000 bis 10.000 Personen sind sicherlich nicht "kaum ein Muslim"; von den 4 Millionen Muslimen in diesem Land sind etwa 3,2 Millionen älter als 16 Jahre. Von denen wiederum bezeichnen sich 83 %, das sind etwa 2,66 Millionen, als religiös oder sehr religiös. Und wenn wir sagen, daß es rund 9.000 Befürworter einer Komplettverschleierung in Deutschland gibt, dann sind das rund 0,3 % dieser Muslime.
Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 52 Millionen katholische, protestantische und orthodoxe Christen. Und es gibt 159.000 Baptisten (im BEFG und in freien Gemeinden). Das sind 0,3 % aller Christen in diesem Land. Trotzdem werden die Baptisten als Teil der Christenheit in Deutschland durchaus ernstgenommen, und das nicht nur, weil sie weltweit die größte protestantische Kirchenfamilie bilden. In der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen etwa sind die Baptisten (im BEFG) vollwertiges Mitglied.
Man kann also sagen, daß das Verhältnis der Baptisten zu den Christen dem Verhältnis der Befürworter der Komplettverschleierung zu den Muslimen entspricht.
Wie auch immer, es kommt nicht nur auf die Zahlen an, und nun soll es auch genug der Zahlenspiele sein. Natürlich gibt es entgegen der Behauptungen des ZMD viele Muslime, die die Komplettverschleierung religiös rechtfertigen; und bekanntlich geht es ohnehin mehr um die Qualität als um die Quantität einer Rechtfertigung. Auch 99,7 % einer Gruppe können mit einer Rechtfertigung daneben liegen.
Der ZMD legt jedenfalls kein Argument gegen die Komplettverschleierung vor und bleibt auf dem derzeit so beliebten Feld der "modernen Hexenverfolgung", wo "Glauben" Fakten ersetzt. Eine ernsthafte theologische Auseinandersetzung würde ergeben, daß die Komplettverschleierung nach der Sunna zumindest empfehlenswert ist, und es gibt genügend theologische Argumente sogar dafür, daß es eine Verpflichtung zur Komplettverschleierung der Frauen zumindest in einer Vielzahl von Situationen gibt.
Mit dem Satz "nicht nur Muslime sollten deshalb gegen diese Burka-Diskussion protestieren" endet der Artikel des ZMD - der sich offensichtlich nicht gegen ein Burkaverbot aussprechen und Religionsfreiheit für komplett verschleierte Muslimas fordern will.
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